Archivierter Artikel vom 05.12.2011, 15:25 Uhr
Münster

Uni-Beraterin: Einsamen Studenten fehlt Motivation

20 Semester oder mehr an der Uni? Das ist bei Langzeitstudenten keine Seltenheit. Warum sie einfach nicht fertig werden und welche Probleme die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse für sie mit sich bringen, erklärt Studienberaterin Amrit Malhotra.

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Amrit Malhotra berät Langzeitstudenten, deren Studiengänge auslaufen und von denen manche schon mehr als 20 Semester hinter sich haben. Probleme sind dabei oft Einsamkeit und die Angst vor der Abschlussarbeit. Bei vielen sei das Aufschieben schon krankhaft geworden. «Einige werden dadurch völlig handlungsunfähig», sagt die Studienberaterin der Universität Münster.

Womit kämpfen Langzeitstudenten auf dem Weg zum Examen?

Malhotra: «Abschlussarbeiten nehmen einen großen Teil meiner Beratungen ein. Die müssen plötzlich etwas ganz Tolles werden und das Niveau der Arbeiten von vorher genügt nicht mehr. Auch das Arbeitsverhalten ist häufig Thema, also schlechtes Zeitmanagement und das Aufschieben von wichtigen Dingen. Es kann helfen, diese Dinge aufzulisten, um zu wissen, was man noch vor der Brust hat.»

Warum brauchen manche Studenten länger als andere?

Malhotra: «Die Ursache ist am häufigsten die schlechte Motivation. Manche verschlimmern ihre Lage noch durch krankhaftes Aufschiebe-Verhalten. Einige werden dadurch völlig handlungsunfähig. Manche arbeiten schon in qualifizierten Jobs, aber schleifen den Uni-Abschluss noch mit sich. Eine Zeit lang geht das gut. Aber irgendwann wird diese innere Stimme immer lauter, die sagt: Da fehlt noch etwas. Wenn sie zu mir kommen und einen Termin vereinbaren, war die Stimme wohl laut genug.»

Sind die letzten Magister- und Diplom-Studis Einzelkämpfer?

Malhotra: «Das Studium bringt für viele etwas Einsames mit sich. Das macht es nicht gerade einfacher. Lernen in der Gruppe ist immer gut, um wieder den Bezug zur Uni zu finden. Man muss gar nicht vom selben Fach sein oder auf denselben Abschluss hinarbeiten. Die Motivation ist einfach größer, wenn man weiß: Da sitzt einer und wartet auf mich in der Bibliothek oder trinkt mal einen Kaffee mit mir.»

Warum schreiben sich Alt-Studenten nicht auf Bachelor oder Master um?

Malhotra: «Beim Umschreiben geht viel verloren, weil nicht alles angerechnet werden kann. In den alten Studiengängen wurden seltener Noten vergeben. Im Bachelor ist dagegen fast alles mit Noten bedacht. Im Zweifelsfall wird man zum Beispiel ins dritte Semester gestuft, obwohl man aus dem neunten kam.»