Archivierter Artikel vom 23.10.2010, 15:34 Uhr
Rotterdam

Turnerin Seitz erlebt WM-«Horror»

Sie schlug die Hände vors Gesicht und wäre am liebsten in den Erdboden versunken: Die erst 16-jährige Elisabeth Seitz hat in der Stunde der Entscheidung Nerven gezeigt.

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Pech
Elisabeth Seitz verpasste nach zwei Stürzen einen WM-Medaille.

Nachdem im Stufenbarren-Finale bei den Turn-Weltmeisterschaften von Rotterdam die beiden Top-Favoritinnen aus China gestürzt waren, hatte die Mannheimerin plötzlich die große Chance auf eine Medaille. Doch konnte sie ihre Nerven nicht im Zaum halten: Sowohl beim Def- und als auch beim Hindorff-Salto stürzte sie.

«Heute ist das passiert, wovor ein Sportler den größten Horror hat: Heute ist alles schief gelaufen», meinte die vierfache deutsche Meisterin in der Mixed-Zone und rieb sich ihre verheulten Augen. «Erst kam der Handstand nicht, dann habe ich beim Def vorbei gegriffen. Als dann auch noch beim zweiten Versuch der Hindorff daneben ging, war alles aus», beschrieb sie ihr Missgeschick. «Dabei war die WM bis heute so super für mich gelaufen», fügte sie hinzu.

Mit nur 10,466 Punkten reichte es somit nur zum Platz acht, wie schon vor einem halben Jahr bei der EM in Birmingham. Der Sieg ging vor 8000 Zuschauern in der ausverkauften Ahoy-Arena an Titelverteidigerin Elizabeth Tweddle aus Großbritannien (15,733). Olympiasiegerin und Titelverteidigerin He Kexin, die auch im Vorkampf die schwierigste Übung geboten hatte, verfehlte beim gestreckten Jägersalto den oberen Holmen, stürzte vom Gerät und vergab alle Chancen. Nur zwei Minuten später hatte es auch ihre mitfavorisierte Teamgefährtin Huang Qiushuang erwischt.

Zuvor hatte sich der Grieche Eleftherios Kosmidis den Titel am Boden gesichert. Alicia Sacramone (USA) gewann am Sprung, der Ungar Krisztian Berki durchbrach die chinesische Siegesserie am Pauschenpferd und erkämpfte seinen ersten WM-Titel.

Das eigentliche Prunkstück ihrer Übung, den Def-Salto – benannt nach seinem französischen Erfinder – turnte Elisabeth Seitz bei der WM als einzige Athletin. «Ich begreife nicht, wie er heute so schief gehen konnte. Im Training klappt er immer und auch in meinen beiden Vierkämpfen habe ich ihn immer sauber geturnt. Jetzt will ich ihn unbedingt bis zur EM in Berlin weiter perfektionieren», erläuterte die Mannheimerin.

In den Tagen zuvor hatte sich die zierliche «Eli» bereits als unstrittig beste Turnerin der deutschen Riege präsentiert. Zwei persönliche Vierkampf-Rekorde und ein zwölfter Platz im Mehrkampf stimmten das trainingsfleißige Küken der Riege mehr als zufrieden.

Nach dem Swiss-Cup und dem Stuttgarter Weltcup im November droht Seitz nun aber erstmal eine Zwangspause, sie muss sich ein Überbein am Fuß operieren lassen. «Das wird schon nicht so schlimm werden. Aber es muss gemacht werden, damit ich mich vernünftig auf die Olympia-Qualifikation im kommenden Jahr vorbereiten kann», fügte die Gymnasiastin hinzu. Gleich von Dienstag an will sie nun in der Schule den versäumten Stoff aufholen und muss etliche Klausuren – so in Mathematik, Englisch und Biologie – nachschreiben.

Zum WM-Abschluss kommt es in Rotterdam nun zu dem mit Spannung erwarteten Final-Duell zwischen Fabian Hambüchen und Mehrkampf-Vize-Weltmeister Philipp Boy am Königsgerät Reck. Zudem hat Hambüchen eine Medaillenchance am Barren.