Archivierter Artikel vom 16.09.2010, 11:18 Uhr
Berlin

TÜV-Report: Jeder achte Bus hat Mängel

Achsenprobleme, mangelhafte Bremsen und schlechte Beleuchtung: Jeder achte Bus in Deutschland weist erhebliche Mängel auf. Zugleich sind aber auch mehr als die Hälfte aller Busse in einwandfreiem Zustand.

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Reisebusse
Auf Deutschlands Straßen sind viele Reise- und Linienbusse unterwegs, die teils erhebliche Mängel aufweisen. (Bild: dpa)

Das sind die Ergebnisse des bundesweit ersten TÜV-Busreport, der am Donnerstag (16. September) in Berlin vorgestellt wurde. Er basiert auf 50 000 Hauptuntersuchungen von Reise- und Linienbussen.

«Rein statistisch ist der Bus eines der sichersten Verkehrsmittel überhaupt», betonte das geschäftsführende Präsidiumsmitglied des Verbandes der TÜV, Klaus Brüggemann. «Die Gefahr mit einem Pkw zu verunglücken ist um ein vielfaches höher.» Die Sicherheit müsse aber stets an erster Stelle stehen, da Busse in Deutschland 5,5 Milliarden Fahrgäste pro Jahr befördern. Ein Problem bei Notfällen sei, dass Passagiere oft Nothammer als Souvenir mitgehen ließen.

«Der Sicherheitsstandard ist enorm hoch», sagt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer, Gunther Mörl. Nach Angaben seines Verbandes haben Busse mit 0,3 Prozent den geringsten Anteil an den Verkehrstoten. Der TÜV betont, die jetzt ermittelten Ergebnisse ließen sich auch auf das dichte Prüfungsintervall zurückführen – einmal jährlich ist eine Hauptuntersuchung fällig, dazwischen müssen die Busse auch noch zu Zwischenuntersuchungen.

Aber schwere Unfälle wie 2008, als bei Hannover 20 Menschen in einem Bus starben, heizen immer wieder die Sicherheitsdebatte an. Generell gilt: Je älter das Fahrzeug, desto mehr Mängel gibt es. Im Durchschnitt lag die Mängel-Quote bei ein Jahr alten Fahrzeugen bei 3,8 Prozent. Nach fünf Jahren betrug sie 9,7 Prozent, nach zehn Jahren 13,9 Prozent. Bei zwanzig Jahre alten Bussen stellten die TÜV- Experten eine Mängel-Quote von 23 Prozent fest. Der Durchschnitt lag bei 12,4 Prozent.

Nur geringe Mängel wurden an 31,6 Prozent der geprüften Busse festgestellt, mängelfrei waren 55,8 Prozent. Insgesamt weist die deutsche Bus-Flotte ein Durchschnittsalter von 8,5 Jahren auf. Die häufigsten Mängel fanden die TÜV-Ingenieure an den Achsen (5,2 Prozent der geprüften Busse) an Motor und Antrieb (4,9 Prozent) und Korrosion an tragenden Teilen (4,9 Prozent). Besonders häufig stellte der TÜV Mängel an der Beleuchtung fest. Über alle Altersgruppen waren im Durchschnitt 18,6 Prozent der Busse betroffen. TÜV-Experte Brüggemann riet den Unternehmen, nicht am falschen Ende zu sparen.

Erst angucken, dann einsteigen: Unsichere Busse erkennen

Berlin (dpa/tmn) – Reisende müssen Busunternehmen nicht blind vertrauen. Wie sicher ein Fahrzeug ist, können Passagiere vor dem Einsteigen schnell selbst einschätzen. «Zunächst zählt der erste Eindruck: Ist ein Bus insgesamt in einem eher maroden Zustand, sollte man auf jeden Fall genauer hinsehen», sagt Johannes Näumann vom Verband der Technischen Überwachungs-Vereine (VdTÜV).

Bei einem Rundgang um das Fahrzeug lässt sich vor der Abreise zum Beispiel leicht der Zustand der Reifen kontrollieren. «Einfach ein Ein-Euro-Stück in eine Profilrille schieben. Das Profil sollte mindestens bis zum silberfarbenen Kern der Münze reichen – ansonsten besteht ein Sicherheitsrisiko», erklärt Näumann. Bei Bussen ab einem Alter von drei Jahren sei alle drei Monate eine Sicherheitsprüfung fällig. «Eine rechteckige Plakette hinten links am Fahrzeug zeigt an, ob die Prüfung vorgenommen wurde und wann der nächste Termin fällig ist», so der VdTÜV-Sprecher weiter. Auch darauf lohne sich ein Blick.

Vor Reiseantritt sollten Fahrgäste außerdem die Sicherheitsausstattung im Fahrzeuginnern überprüfen. Auf allen Sitzplätzen muss es Sicherheitsgurte geben. Außerdem müssen Nothammer vorhanden sein, um die Scheiben an den Notausstiegen einschlagen zu können, falls dies nach einem Unfall erforderlich ist. Fallen einem Fahrgast Mängel an einem Bus auf, macht er dem VdTÜV zufolge nichts falsch, wenn er die Polizei darüber informiert.

Entscheidend ist auch, welchen Eindruck der Fahrer macht. «Wirkt er müde oder hat er eine Alkoholfahne, würde ich nicht einsteigen», sagt der VdTÜV-Experte. Unterwegs sollten die Passagiere darauf achten, dass der Fahrer mindestens alle viereinhalb Stunden eine längere Pause macht – «und sich dabei auch wirklich ausruht und nicht Würstchen verkauft», so Näumann.

Wer einen Bus für eine Klassenfahrt oder einen Vereinsausflug buchen will, sollte sich laut dem VdTÜV-Sprecher frühzeitig nach einem seriösen Busunternehmen umsehen. «Dabei unbedingt das Thema Sicherheit ganz offen ansprechen und sich die Fahrzeuge vorher zeigen lassen», erklärte er. Um Billiganbieter machen Reiseplaner besser einen Bogen. «Das Risiko, einen Schrottbus zu bekommen, ist dann besonders hoch», sagt Näumann.