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    Sotschi

    Traum geplatzt: Pechstein knapp an Medaille vorbei

    Claudia Pechstein suchte auf der Tribüne Trost an der Schulter ihres Lebensgefährten, doch ihre Tränen konnte sie auch hinter der dunklen Sonnenbrille nicht verstecken.

    Ausgepumpt
    Beim Lauf über 3000 Meter hat Claudia Pechstein ihre Kräfte überschätzt.
    Foto: Christian Charisius – DPA

    Trotz einer kämpferisch starken Leistung schrammte die 41 Jahre alte Berlinerin in Sotschi als Vierte über 3000 Meter (4:05,26 Minuten) an ihrer zehnten Olympia-Medaille vorbei. Am Ende fehlten der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin 1,79 Sekunden auf Bronze. «So ist Olympia. Das ist bitter, aber ich hatte von vornherein gesagt, Platz eins bis sechs ist möglich», sagte Pechstein. «Schade, das ist die Holzmedaille.»

    Vierte
    Claudia Pechstein fehlte am Ende über 3000 Meter die Kraft.
    Foto: Christian Charisius – DPA

    Gold ging an die Niederländerin Ireen Wüst (4:00,34), die damit bereits den dritten Olympiasieg ihrer Karriere feierte. «Kaum zu glauben. Es ist geglückt. Der Druck war gigantisch», meinte Wüst. Das niederländische Königspaar jubelte auf der Tribüne mit. Silber holte Vancouver-Siegerin Martina Sablikova aus Tschechien (4:01,94) vor der russischen Überraschungs-Dritten Olga Graf (4:03,47) – Gastgeber Russland hatte seine erste Medaille.

    Unschlagbar
    Irene Wüst war über eine Sekunde schneller als die zweitplatzierte Tschechin Martina Sablikova.
    Foto: Vincent Jannink – DPA

    Bei Pechstein, die auch in der Mixed-Zone in Tränen ausbrach, legte sich die große Enttäuschung nach einer halben Stunde etwas und sie gab sich wieder kämpferisch. «Olga Graf ist heute das Rennen ihres Lebens gelaufen», analysierte sie. «Nun will ich in zehn Tagen über 5000 Meter auch das Rennen meines Lebens versuchen.» In der längeren Distanz könnte sie am 19. Februar doch noch als älteste Medaillengewinnerin bei Olympischen Winterspielen in einer Einzel-Disziplin in die Historie eingehen.

    Starke Zweite
    Auch die Tschechin Martina Sablikova war schneller als Claudia Pechstein.
    Foto: Christian Charisius – DPA

    «Unsere Claudia ist Vierte der Welt, auch wenn das für sie so bitter ist», kommentierte Bente Kraus, mit Platz elf zweitbeste Deutsche vor der enttäuschenden Stephanie Beckert (17.). «Schade, dass es für sie mit der zehnten Medaille noch nicht geklappt hat. Wir hätten es ihr alle von Herzen gegönnt», meinte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. «Die Russin hat gezeigt, was mit dem Rückenwind des Heimpublikums möglich ist». Auch Gerd Heinze fand nur tröstende Worte. «Sie hat ihre Zugehörigkeit zur absoluten Weltspitze unterstrichen. Gratulation», erklärte der deutsche Verbandschef.

    Dritte
    Die Russin Olga Graf legte eine schnelle Zeit vor und konnte sich am Ende über Bronze freuen.
    Foto: Hannibal Hanschke – DPA

    Die Unterstützung hatte Pechstein auch dringend nötig. Mit einem Lächeln und einer Sonnenbrille auf der Nase hatte sie die Adler Arena zuversichtlich betreten. Immer wieder war sie ihr erstes Olympia-Rennen seit acht Jahren in Gedanken durchgegangen. Ihre schwere Auslosung sei kein Problem, hatte sie vor dem Rennen gesagt. «Ich habe für alles einen Plan.» Im viertletzten Paar musste sie vor Sablikova und Wüst ins Rennen, so dass sich ihre Haupt-Konkurrentinnen an ihrer Zeit-Vorgabe orientieren konnten.

    Edel-Fan
    König Willem Alexander der Niederlande freut sich mit seiner Frau Maxima über den Sieg von Ireen Wüst.
    Foto: Christian Charisius – DPA

    Ihre Strategie ging ganz offensichtlich nicht auf. Von der fünften Runde an wurde das Rennen fast zu einer Quälerei. «Der Plan war unter 4:03 Minuten. Ich bin auch nach Plan angegangen», verriet Pechstein. Mit schmerzverzerrtem Gesicht plagte sie sich aber über die letzten Runden. Nur bei Rundenzeiten von 31 Sekunden hätte sie eine Chance auf Bronze gehabt – auf dem schweren Eis waren allerdings nur noch 33,13 und 33,26 Sekunden auf den letzten beiden Runden drin.

    Tief enttäuscht
    Stephanie Beckert musste sich mit Rang 17 zufrieden geben.
    Foto: Hannibal Hanschke – DPA

    Ihr Lebensgefährte Matthias Große litt auf der Athleten-Tribüne mit. Nach seinem «Super-Claudi» und «Jawoll»-Rufen in den ersten Runden legte Große eine sorgenvollere Miene auf und brüllte nur noch «Mehr machen, Claudia» – doch sie konnte nicht mehr und scheiterte an der Vorgabe der unerwartet starken Russin Graf (4:03,47).

    Jetzt bleibt die Hoffnung über 5000 Meter. Sie sei stolz, ständig neue Ü40-Rekorde aufzustellen, hatte Pechstein schon vor dem Rennen angemerkt. «Ich fühle mich nicht so alt wie ich bin. Aber auf der letzten Runde habe ich mich älter gefühlt», gestand sie hinterher. Große ordnete den vierten Platz als Erfolg ein. «Eigentlich ist für eine fast 42-Jährige alles andere als ein letzter Platz schon ein Erfolg.»

    Seit sie der Weltverband (ISU) 2009 wegen erhöhter Blutwerte für zwei Jahre gesperrt hat, kämpft Pechstein um ihren Ruf. Sie fühlt sich ungerecht behandelt und beharrt auf ihrer Darstellung. Eine vererbte Blutanomalie sei die Erklärung für ihre erhöhten Retikulozytenwerte – sämtliche sportgerichtliche Instanzen wiesen ihre Einsprüche gegen das ISU-Urteil aber zurück. «Eine Medaille wäre ein Schlag ins Gesicht der ISU», hatte sie vor Olympia formuliert. Inzwischen verklagt Pechstein die ISU auf Schadensersatz in Millionenhöhe wegen Image-Schädigung – am 26. Februar soll in München über das Prozessprozedere entschieden werden. Zumindest auf ihre olympische Genugtuung muss sie weiter warten.

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