DFB-Team

Trapp glänzt – Keeper-Ranking: Ter Stegen als Prinz Charles

An der Torhüterposition lässt sich gut der Führungsstil von Hansi Flick ablesen: Der Bundestrainer eiert nicht herum. Neuer geht als „Nummer 1“ Richtung WM. Rückkehrer ter Stegen ist ewiger Kronprinz.

Kevin Trapp
Frankfurts Torhüter Kevin Trapp spielte stark in München.
Foto: Matthias Balk/dpa

München (dpa). Sogar der geschlagene Bayern-Torwart Manuel Neuer kam bei Kevin Trapp vorbei und gratulierte seinem DFB-Kollegen zur Weltklasseleistung.

Hansi Flick
Vertraut weitgehend auf die Akteure der drei siegreichen Spiele zu seinem Einstand: Bundestraier Hansi Flick.
Foto: Christian Charisius/dpa

Ein Lippenleser hätte vielleicht enthüllt, was Bundestrainer Hansi Flick auf der Tribüne zu seinem Assistenten Danny Röhl sagte. Beide dürften auch über Trapp gestaunt haben.

„Ich muss niemandem etwas beweisen. Ich weiß, was ich imstande bin zu leisten“, sagte der 31-Jährige. Der Matchwinner beim überraschenden Frankfurter 2:1 beim Tabellenführer FC Bayern wollte aber nicht von Genugtuung sprechen. Schon gar nicht gegenüber dem Bundestrainer.

DFB-Team startet in Hamburg

Eigentlich wollte Flick vorm Treffpunkt der Nationalmannschaft am Montagabend in Hamburg beim Abstecher in die Münchner Fußball-Arena seinen großen Bayern-Block noch einmal in Länderspielform sehen. Doch diese zeigte dann ausgerechnet einer, den Flick für die anstehenden WM-Qualifikationsspiele gegen Rumänien und Nordmazedonien gar nicht eingeladen hat. Trapp brachte die Bayern-Angreifer um Torjäger Robert Lewandowski mit seinen Paraden schier zur Verzweiflung.

„Ich glaube nicht, dass er deswegen noch anruft und sagt, jetzt darfst du doch kommen“, bemerkte Trapp süß-sauer Richtung Flick. Er verbarg nicht seine Enttäuschung darüber, dass er im Aufgebot fehlt, während der beim FC Arsenal zum Reservisten zurückgestufte Bernd Leno (29) als dritter Keeper neben Kapitän Manuel Neuer (35) und Rückkehrer Marc-André ter Stegen (29) dabei sein darf.

„Wir haben gesprochen“, berichtete Trapp vom Austausch mit Flick vor der aktuellen Nominierung: „Klar bin ich enttäuscht. Aber jeder weiß auch, dass ich weiter versuche, meine Leistung zu bringen, dass ich mein Ziel erreiche, wieder Teil der Nationalmannschaft zu sein.“

Flick macht klare Ansagen

Die Torhüterposition ist ein gutes Beispiel, um aufzuzeigen, was sich unter Flick gerade in der Führung der Nationalmannschaft ändert. Der 56-Jährige eiert gegenüber seinen Spielern nicht herum wie oftmals sein Vorgänger Joachim Löw. Flick formuliert klare Rangfolgen, Flick benennt intern den Status quo. „Manuel Neuer ist bei uns die Nummer 1 vor Marc-André ter Stegen, Bernd Leno und Kevin Trapp. Das haben wir den Spielern auch klar so kommuniziert, damit jeder weiß, wo er augenblicklich steht“, sagte der Chefcoach im „Kicker“-Interview. Es ist ein eindeutiges Statement Richtung WM 2022.

Flicks Ranking bestärkt – wenig überraschend – Platzhirsch Neuer. Flick ist bekennender Fan des für ihn „weltbesten Torhüters“, der schon in seiner Zeit als Trainer beim FC Bayern unantastbar war.

Der ehrgeizige Neuer möchte weiterhin am liebsten jedes Länderspiel bestreiten. Am 8. Oktober (20.45 Uhr/RTL) steht der Kapitän in Hamburg gegen Rumänien vor seinem 107. Einsatz. Und ein Ende seiner Laufbahn im DFB-Tor sieht Neuer nicht. „Ich möchte Weltmeister werden mit dieser Mannschaft“, formulierte er forsch beim Neubeginn unter Flick im September. Da bezeichnete er sogar die Heim-EM 2024 als „Traum“, wenn er bis dahin fit bleibe. Neuer ist dann schon 38.

Schlechte Karten für ter Stegen

Frustriert dürfte ter Stegen sowohl Neuers Einlassungen als auch Flicks Torwart-Rangfolge aufgenommen haben. Der 29-Jährige, der wegen einer Operation am Knie die Europameisterschaft im Sommer verpasste, wird langsam zum ewigen Kronprinzen Neuers, ähnlich wie Prinz Charles in England, dem ewigen Thronfolger von Queen Elizabeth.

Der internationale Bedeutungsverlust des FC Barcelona schadet dem ehemaligen Gladbacher aktuell auch noch. Seit neun Jahren ist ter Stegen inzwischen Nationaltorwart. Nach der langen Zeit kommt er gerade mal auf 25 Einsätze im DFB-Tor; der letzte übrigens beim blamablen 1:2 gegen die Nordmazedonier vor einem halben Jahr in Duisburg (noch unter Löw).

Zum Vergleich: Neuer stand in zwölf DFB-Jahren 106 Mal im DFB-Tor, mit einer famosen Quote von 72 Siegen und 103 Gegentoren. Flick freut's, er darf sich glücklich schätzen, ob mit Neuer, ter Stegen, Leno oder dem gerade nur an Position vier geführten Trapp. Schon vor seinen ersten Länderspielen stellte Löw-Nachfolger Flick fest: „Wir haben auf der Position der Torhüter herausragende Spieler. Das ist die Position, wo wir am wenigsten Sorgen haben müssen.“

© dpa-infocom, dpa:211004-99-470754/4

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