Archivierter Artikel vom 16.07.2011, 10:40 Uhr
Shanghai

Synchronschwimmen: Gelatine, Geschick & Grazie

Mit Aufwärmen alleine ist es für Wiebke Jeske und Edith Zeppenfeld nicht getan. Denn für die WM-Auftritte im Synchron-Schwimmbecken von Shanghai sind auch jede Menge Schminke und handelsübliche Gelatine notwendig.

Lesezeit: 2 Minuten
Körperspannung
Synchronschwimmerinnen trainieren in Shanghai für die WM.
Foto: DPA

Das Make-up wird dick aufgetragen, damit es die Juroren auch aus einigen Metern Entfernung noch sehen können. Die Haare werden mit der eher vom Backen bekannten Zutat dauerhaft in Form gebracht.

Mittlerweile seien sie in der kosmetischen Vorbereitung schon deutlich schneller geworden, berichten die beiden jungen Flensburger Synchronschwimmerinnen. Statt einer Stunde, «wie früher», bräuchten sie nunmehr nur noch eine «halbe bis Dreiviertelstunde», sagte die 21-jährige Zeppenfeld. Die Duschzeit danach ist aber immer noch verdammt lang: Es kann schon einmal 30 bis 45 Minuten dauern, bis alle Gelatine wieder vom Kopf ist. «Und trotzdem findet man immer mal noch was», sagte Jeske.

Synchronschwimmen ist aber weit mehr, als sich gut gestylt mit eingefrorenem Lächeln im Wasser zu bewegen, auch wenn die seit 1984 zum olympischen Programm gehörende Disziplin oftmals belächelt wird. Die Sportlerinnen müssen Fertigkeiten aus dem Turnen, Schwimmen, Wasserball oder klassischem Ballett beherrschen. «Es ist eine sehr komplexe Sportart, das ist auch das Schöne», schwärmte Jeske. Und auch Zeppenfeld liebt die «Mischung aus allem». Äußerste Beweglichkeit, Anmut und Grazie sowie Kraftarbeit sind Pflicht. Dazu kommen Gespür und Gehör für die Musik – und im Duett noch die Synchronität zur Partnerin.

Die deutschen WM-20. von Rom wollen sich in China in der Qualifikation am Sonntag auf der großen Bühne den Kampfrichtern zeigen, denn wie bei allen Wertungssportarten muss man sich erst einen Namen machen. «Es ist leicht zu fallen, aber schwer nach oben zu kommen», sagte die Management-Studentin Zeppenfeld. Partnerin Jeske hat gerade ihr Abitur gemacht.

Großes Potenzial hätten beide und das auch schon gezeigt, betonte Trainerin Petra Obermark, die keine Final-Teilnahme von den EM-Zwölften erwartet. Das Duett soll sich im April beim Qualifikationsturnier den Olympia-Startplatz sichern, auch wenn es vier Jahre später in Rio vielleicht erst in der Blüte seiner Leistungsfähigkeit steht. «Im Synchronschwimmen wird man erst mit Ende 20 richtig gut», sagte Obermark. Dann habe man ein Plus an «Erfahrung und Ausstrahlung». Und vielleicht noch mehr Übung fürs schnelle Schönmachen.