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Südostküste der USA wappnet sich für tagelange Fluten

Die Vorhersagen sind düster. Auch wenn der Hurrikan „Florence“ ein wenig an Stärke eingebüßt hat: Die schiere Größe und die erwarteten Wassermengen lassen Politiker schon jetzt von einer „Katastrophe“ sprechen.

Warten auf «Florence»
Vernagelt: Errol Thomas verbarrikadiert ein Fenster seines Hauses in der Nähe von Charleston.
Foto: Maren Hennemuth – dpa

Washington/Miami (dpa) – An der Südostküste der USA haben die Menschen am Donnerstag die letzten Vorbereitungen getroffen, um sich für eine möglicherweise tagelang anhaltende Unwetterkatastrophe zu wappnen.

Atlantic Beach
Spaziergänger blicken am Strand von Atlantic Beach Hurrikan «Florence» entgegen.
Foto: Travis Long/Raleigh News & Observer/ZUMA – dpa

Der Hurrikan „Florence“ soll nach Angaben der US-Behörden zwischen Freitag- und Samstagmorgen Ortszeit vermutlich in den Bundesstaaten North Carolina oder South Carolina auf Land treffen.

In eine Richtung
In Sicherheit bringen: Autos fahren auf der I-40 in Richtung Westen. Auf der Gegenfahrbahn ist niemand zu sehen.
Foto: Chuck Liddy/The News & Observer/AP – dpa

Am Donnerstag sah es so aus, als könnte der Küstenabschnitt zwischen der Stadt Wilmington in North Carolina und dem Urlauberzentrum Myrtle Beach in South Carolina im Zentrum des Sturms liegen. Schon am Donnerstag liefen in ersten Orten die Straßen voll Wasser, nachdem der Meeresspiegel angestiegen war. In der Nähe der Stadt Wilmington (North Carolina) nahm der Stromversorger Duke Enery ein Kernkraftwerk vorsorglich vom Netz.

Bodysurfer
Lass ihn doch kommen! Bodysurfer Andrew Vanotteren wirft sich am Strand von Tybee Island in die Wellen, während sich die Insel auf Hurrikan «Florence» vorbereitet.
Foto: Stephen B. Morton/AP – dpa

Wichtiger als die auf Kategorie 2 heruntergestufte Stärke des Sturms und der genaue Ort des Eintreffens sind für die Experten inzwischen jedoch sein Ausmaß und die erwarteten Folgen. Hunderttausende hatten am Donnerstag bereits ihre Wohnungen verlassen und Unterschlupf bei Freunden, Verwandten, in Hotels oder Notunterkünften gefunden. In der Hauptstadt Washington wurden wichtige politische Entscheidungen im Senat und im Abgeordnetenhaus verschoben.

Vorbereitung
Die Menschen an der Südostküste der USA bereiten sich seit Tagen auf die Ankunft des Wirbelsturms vor.
Foto: Tom Copeland/FR170645 AP – dpa

„Wir sprechen über ein ausgedehntes Windfeld“, sagte der Leiter der US-Katastrophenschutzbehörde Fema, Brock Long, am Donnerstag. Es werde extreme Sturmfluten geben. „Sturmfluten werden ein großes Problem flussaufwärts sein“, beschrieb er. Regenbänder würden tagelang ihre über dem Atlantik aufgesogene Wasserlast über den Küstenabschnitten bis weit ins Landesinnere abladen.

Verkehr
Polizisten und Mitglieder der Nationalgarde lenken den Verkehr auf dem Highway 501.
Foto: Sean Rayford/AP – dpa

„Der Strom wird weg sein, vielleicht für Tage, vielleicht aber auch für Wochen“, sagte Long. Stromversorger haben Tausende Spezialkräfte aus vielen Teilen der Vereinigten Staaten in die Region entsandt, um nach Einsturz von Strommasten die Versorgung wiederherzustellen. Der Stromversorger Duke Energy geht von ein bis drei Millionen Haushalten und Unternehmen aus, die ohne Strom sein könnten. „Wir müssen damit rechnen, dass 75 Prozent unserer Kunden ohne Elektrizität sind“, sagte der North-Carolina-Chef von Duke Energy, David Fountain.

Verbarrikadiert
Eine Filiale der Motorrad-Marke «Harley Davidson» in der Nähe der Stadt Myrtle Beach im US-Bundesstaat South Carolina ist verbarrikadiert.
Foto: Maren Hennemuth – dpa

Der Gouverneur des Bundesstaates Nort Carolina, Roy Cooper, sprach von „katastrophalen Fluten“. Meteorologen erwarten Regenfälle im Volumen von 38 Billionen Litern allein in North Carolina. Mit Georgia, South Carolina, North Carolina, Virginia und Maryland haben fünf US-Bundesstaaten sowie der District of Columbia um die Hauptstadt Washington den Notstand ausgerufen.

Das Nationale Hurrikan-Zentrum in Miami (Florida) warnte vor lebensgefährlichen Sturmfluten, extremen Regenfällen und massiven Überschwemmungen. Die Flutwellen könnten mehrere Meter hoch ausfallen und sich über die Flüsse weit ins Hinterland ausbreiten.

Seit Tagen wappnen sich die Menschen für die Ankunft des mächtigen Sturms. US-Medien sprachen von deutlich mehr als einer Million Menschen, die die Küstenregion verlassen sollten, und von insgesamt mehreren Millionen Betroffenen.

Tausende, teilweise auch in exponierten Lagen etwa auf vorgelagerten Düneninseln, weigerten sich, den Empfehlungen der Behörden zu folgen. Sie verbarrikadierten sich und wollen mit Notstromaggregaten und Vorratshaltung über die Runden kommen. „Ich bin vorbereitet und ich habe es vorher schon erlebt – ich fühle mich sicher“, sagte Jennifer Garret, eine Anwohnerin am Myrtle Beach in South Carolina, dem Sender CNN.

Die Behörden und auch Organisationen wie das Rote Kreuz rieten eindringlich von diesem Verhalten ab. Helfer könnten im Notfall nicht zur Stelle sein, weil auch sie sich in Sicherheit bringen müssten. „Spielt keine Spielchen mit ihm. Er ist groß“, hatte Präsident Donald Trump in einer Video-Botschaft geraten.

Hurrikans werden je nach Windgeschwindigkeit, die sie entwickeln, in fünf Kategorien eingeteilt. „Florence“ war in den vergangenen Tagen zunächst zu einem Hurrikan der Stärke 4 angewachsen, der zwischenzeitlich Windgeschwindigkeiten von bis zu 220 Kilometern pro Stunde mit sich brachte. Am Mittwoch hatte er bereits an Stärke nachgelassen und war in die Kategorie 3 gerutscht und danach weiter auf die Stärke 2 – mit Windgeschwindigkeiten von derzeit rund 175 Kilometern pro Stunde.

Experten sehen aber keinerlei Anlass zur Entwarnung. Der Direktor des Nationalen Hurrikan-Zentrums, Ken Graham, sagte dem Fernsehsender CNN, auch Wirbelstürme aus einer unteren Kategorie könnten enorme Auswirkungen haben. „Florence“ sei ein sehr großer Hurrikan und werde sich lange über der Küste halten. Das sei sehr gefährlich.

Bereits im Laufe des Donnerstags frischte der Wind an einigen Bereichen der Küste North Carolinas deutlich auf. Mehrere Bundesstaaten, die nationale Katastrophenschutzbehörde Fema, die US-Streitkräfte und Versorgungsunternehmen arbeiteten rund um die Uhr, um sich auf das Schlimmste vorzubereiten. „Es könnte Rekordfluten geben“, sagte der stellvertretende Leiter des Hurrikan-Zentrums, Ed Rappaport. „Es wird ein Sturm werden, an den man sich erinnern wird. Ich hoffe, dass alle am Leben bleiben.“

Die Gebiete entlang der südlichen US-Atlantikküste gleichen schon seit Mittwoch Geisterstädten. Fenster und Türen waren verbarrikadiert, Läden und Supermärkte geschlossen, Hotels schickten ihre Gäste zurück. US-Medien verglichen „Florence“ schon vor seiner Ankunft mit Wirbelstürmen wie „Katrina“, der 2005 Tod und Schrecken über die Südstaaten gebracht hatte.

Die Fema erklärte, der Hurrikan werde über Land an Kraft verlieren. Allerdings halten es die Meteorologen auch für möglich, dass das Zentrum des Sturms an der Küste entlangziehen und somit tagelang schwere Regenfälle in die Region bringen wird, ohne sich nennenswert abzuschwächen.

Webseite Hurrikan-Zentrum mit Karte, Englisch

Bericht CNN, Englisch

Bericht Accuweather, Englisch

Warnung FEMA, Englisch

NHC Facebook, Englisch

NHC Karte

Mitteilung Hurrikan-Zentrum – Pronose "Florence"

Prognose "Isaac"

CNN-Bericht

USA National Weather Service auf Twitter

Trumps Video-Botschaft

Trumps Tweet

CNN-Bericht, Englisch

Bericht des Hurrikan-Zentrums, Englisch

Das bange Warten auf Hurrikan „Florence“

Wirbelstürme in den USA:

„MARIA“ sucht Mitte September 2017 die Karibik heim, die Insel Puerto Rico ist besonders betroffen. Es gibt Überschwemmungen und Erdrutsche, landesweit fällt der Strom aus. Dadurch sterben unmittelbar 64 Menschen, infolge der Katastrophe verlieren einer Studie zufolge jedoch insgesamt knapp 3000 Menschen ihr Leben.

„IRMA“ schlägt Anfang September 2017 eine Schneise der Verwüstung durch den Südosten der USA und die Karibik. Inseln wie Barbuda stehen unter Wasser. Dutzende Menschen sterben bei der Katastrophe, Millionen sind ohne Strom. Mehr als 100.000 Menschen harren in Notunterkünften aus.

„HARVEY“ erreicht im August 2017 die Ostküste des US-Staates Texas und setzt weite Landstriche unter Wasser, darunter die viertgrößte US-Metropole Houston. Dutzende kommen ums Leben. Schadensbilanz: 125 Milliarden US-Dollar – übertroffen nur von Hurrikan „Katrina“ (2005).

„MATTHEW“ trifft im Herbst 2016 auf die USA, 34 Menschen kommen ums
Leben – die meisten in North Carolina. Drei Millionen verlassen ihre Häuser. In der Karibik sterben 585 Menschen – vor allem auf Haiti.

„SANDY“ wirbelt im Oktober 2012 die US-Ostküste entlang. Der Sturm, der zunächst in der Karibik wütet, hinterlässt vor allem in den Staaten New York und New Jersey ein Bild der Verwüstung. Es gibt rund 150 Tote. In New York City stehen ganze Stadtteile unter Wasser.

„KATRINA“ wütet im August 2005 entlang der Golfküste, mehr als 1800
Menschen kommen ums Leben. Besonders betroffen ist New Orleans. Der Sturm führte zur bislang teuersten Hurrikan-Katastrophe in den USA – mit 160 Milliarden Dollar unter Berücksichtigung der Inflation.

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