Archivierter Artikel vom 31.01.2010, 09:32 Uhr
Oberstdorf

Sturm der Entrüstung: Austria-Kritik an Windregel

Die neue Windregel hat gleich bei ihrer Wettkampf-Premiere einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Ausgerechnet die im Team-Wettbewerb siegreichen Österreicher ließen kein gutes Haar an der revolutionären Neuerung, die beim Skiflug-Weltcup in Oberstdorf erstmals zur Anwendung kam.

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Vor allem Skiflug-Weltmeister Gregor Schlierenzauer war stinksauer. «Für Athleten und Zuschauer war das nicht optimal. Für die Springer ist es nicht toll, wenn während eines Wettkampfes aus zwölf verschiedenen Luken gesprungen wird. Ich denke, die Jury wird sich Gedanken machen. Das muss sie auch», wetterte Schlierenzauer.

Auslöser seines Unmutes war die Entscheidung der Jury, den Anlauf vor Österreichs Schlussspringer noch einmal drastisch zu verkürzen. «Ich wollte danach einen Vorspringer, der auch zugesagt wurde. Doch plötzlich gab es keinen. Das hat es für mich sehr schwer gemacht, im Zeitfenster zu bleiben, um nicht disqualifiziert zu werden. Die Idee, den Athleten durch eine Verkürzung zu schützen, ist eigentlich gut. Aber dann muss die Kommunikation stimmen. Da hat einiges nicht funktioniert», kritisierte der 20-Jährige.

Nach seinem «Hüpfer» auf 169,5 Meter, mit dem er fast noch den Sieg des Mannschafts-Weltmeisters verspielt hätte, klopfte sich Schlierenzauer immer wieder verärgert gegen seinen Helm. «Damit wollte ich meinem Unmut gegenüber der Jury Ausdruck verleihen», erklärte er. Der 31-fache Weltcupsieger kam aus Luke 17 lediglich auf eine Anlaufgeschwindigkeit von 97,4 Kilometern pro Stunde. Wenige Minuten zuvor war der Slowene Robert Kranjec neun Luken höher abgelassen worden und mit fast vier km/h mehr auf 226 Meter geflogen, die er jedoch nicht stehen konnte.

«Die Regel ist missbraucht worden. Man wollte viele weite Flüge zeigen und hat den Anlauf immer angepasst. Das ist nicht die Ur-Idee des Skispringens», schimpfte Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner. Er beklagte vor allem die Unübersichtlichkeit für alle Beteiligten. «Die Regel soll transparent sein, und das war nicht der Fall. Durch die Anlaufverschiebungen sind wir fast schwindlig geworden. Wenn ich als Trainer nicht mehr weiß, wie weit man springen muss, damit man in Führung geht, wie soll es dann ein Zuschauer mitkriegen», sagte Pointner der österreichischen Nachrichtenagentur APA und fügte hinzu: «Ich habe Dutzende Anrufe und SMS bekommen, dass sich keiner mehr auskennt. Das tut mir einfach weh.»

Begeistert war dagegen Michael Neumayer, der im ersten Durchgang aus Luke 26 auf 216,5 Meter flog. «Die neue Regel ist super. Das hätte ich mir in diesem Winter öfter gewünscht. Es wäre schön, wenn sie sich durchsetzt», sagte der Berchtesgadener. Auch der Norweger Tom Hilde äußerte sich zustimmend: «Die Windregel ist perfekt. Wenn man mit viel Anlauf springen kann, gibt das Selbstvertrauen. Und das ist gut für die Show.»