Archivierter Artikel vom 06.07.2010, 14:20 Uhr
Lausanne

Strategische Allianz: WADA und Pharma-Industrie

Harte Zeiten für Sportbetrüger: Eine strategische Allianz mit führenden Pharma-Unternehmen soll dem Kampf der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA einen neuen starken Impuls verleihen. Die künftige Partnerschaft zwischen WADA und der Industrie-Gruppe IFPMA wurde in Lausanne besiegelt.

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Alliierte
WADA-Direktor David Howman (l) und Pharma-Präsident Haruo Naito besiegeln die Allianz.

Das Abkommen sieht vor, dass Pharma-Unternehmen die in Montreal ansässige Anti-Doping-Agentur vorab über neue Produkte informieren, mit denen sich Sportler illegale Vorteile verschaffen könnten. Auch bei der Entwicklung von Dopingtests will die Industrie der WADA helfen.

«Ich glaube nicht, dass man private Unternehmen zu einem Engagement zwingen kann, also läuft das alles auf freiwilliger Basis ab», erklärte WADA-Generaldirektor David Howman. Das Abkommen sei ein «bedeutsamer erster Schritt» auf dem Weg einer weiteren Zusammenarbeit zwischen WADA und IFPMA.

Vertrauen sei der Schlüssel für Zusammenarbeit, betonten beide Seiten. Die Pharmaindustrie sei lange misstrauisch gewesen, Informationen über neue Medizin-Produkte an Dritte weiterzugeben. Sensible Daten aus Forschung und Produktion hätten so in die Hände der Konkurrenz fallen können. Der Vertrag sei daher auch ein klares Signal, betonte Homan, dass alle Informationen von der WADA streng vertraulich behandelt werden. «Es macht doch Sinn, wenn wir grundsätzlich die politische Zustimmung der pharmazeutischen Industrie haben», sagte der WADA-Generaldirektor.

Die Zusammenarbeit sei enorm wichtig, damit neue Pharma-Produkte nicht für Dopingzwecke missbraucht werden können, betonte IFPMA- Präsident Haruo Naito, zugleich Chef des japanischen Pharma- Unternehmens Eisai Co. «Damit wir Doper nicht schon vorher warnen, müssen wir sehr diskret mit jedem einzelnen Abkommen umgehen, zumindest im Anfangsstadium», forderte Naito. Die Vereinbarung mit der WADA lege «eine solide Basis für den Ausbau der Kooperation».

Das Beispiel des berüchtigten kalifornischen Drogenlabors BALCO habe indes gezeigt, dass es einen wachsenden Markt für Designer- Drogen gibt – einzig und allein für Doping. Der WADA sei durchaus bewusst, dass diese «Hinterhof-Chemiker» nach wie vor ihr Handwerk betreiben. «Ihre einzige Absicht besteht darin, Athleten beim Betrügen zu helfen. Und dafür streichen sie dann einen hohen Lohn ein», sagte Howman.