Archivierter Artikel vom 20.07.2012, 14:25 Uhr
Hamburg

Stillende Mütter brauchen Kind keinen Schnuller geben

Schreiende Babys lassen sich nur schwer beruhigen. Die Geheimwaffe vieler Eltern ist in diesem Fall der Schnuller. Was ein Großteil nicht weiß: Wird das Beruhigungsmittel zu oft eingesetzt, können Kieferfehlstellungen und Sprachfehler die Folge sein.

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Schnuller
Eltern sollten ihrem Baby nicht zu oft den Schnuller geben. Werden Kleinkinder gestillt, kann man sogar ganz darauf verzichten.
Foto: Daniel Karmann – DPA

Kleinkinder, die gestillt werden, brauchen keinen Schnuller. «Exzessives Schnullern kann sogar zu erheblichen Problemen führen», warnt Regine Gresens, Beauftragte für Stillen und Ernährung beim Deutschen Hebammenverband. Wollen Eltern ihrem Baby dennoch einen Schnuller geben, sollte das dosiert geschehen – sonst gewöhnen sich die Säuglinge zu stark daran.

Ein falsches Saugverhalten beim Nachwuchs sei nur eine von vielen Folgen, wenn das Baby zu oft am Schnuller nuckelt. «Die Kinder essen auch weniger», sagt Gresens. Denn Saugen führe zu einer Hormonausschüttung, die eine Sättigung hervorrufe. «Dadurch gehen Kinder schlichtweg weniger an die Brust.» Oder die Stillmahlzeiten würden hinausgezögert. «Unterm Strich nimmt das Kind zu wenig Milch auf, und es kann zum vorzeitigen Abstillen kommen», erklärt die Hebamme.

Die Folgen sehr häufigen Schnullerns könnten sogar noch weiter reichen: «Es kann zu Zahn- und Kieferfehlstellungen kommen. Auch ist es möglich, dass die Sprachfunktion gehemmt wird und später sogar Sprachfehler auftreten», sagt Gresens. Denn wenn der Säugling ständig den Schnuller im Mund habe, könne er nicht brabbeln.

Wollen Eltern ihrem Kind trotzdem den Schnuller geben, sollten sie zumindest die ersten vier bis sechs Wochen der Stillzeit abwarten. «Das Saugen an der Brust muss sich beim Kind etabliert haben», sagt Gresens. Sie empfiehlt einen «dosierten Einsatz», bei dem die Eltern darauf achten, dass der Schnuller nicht ständig präsent ist. «Ihn an einer Kette an das Oberteil des Kindes zu heften, ist falsch.» Spätestens mit dem ersten Geburtstag brauche das Kind den Schnuller nicht mehr.

Anders sieht es bei Säuglingen aus, die nicht gestillt werden. «Das Risiko des plötzlichen Kindstods ist bei diesen Kindern geringer, wenn sie mit Schnuller einschlafen», sagt Gresens. Dadurch sei der Schlaf nicht so tief. Aber auch in diesem Fall gilt: «Der Schnuller ist nicht zum Dauereinsatz gedacht.»