Archivierter Artikel vom 23.10.2014, 17:07 Uhr

Stille Wasser sind tief – Test: Mitsubishi Outlander PHEV

Wer einen gewissen Platzbedarf hat und häufig Kurz- und Mittelstrecken fährt, könnte mit einem Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid liebäugeln. Grundvoraussetzung ist allerdings der Zugang zu einer Steckdose.

Lesezeit: 5 Minuten
Wer einen gewissen Platzbedarf hat und häufig Kurz- und Mittelstrecken fährt, könnte mit einem Mitsubishi Outlander Plug
Wer einen gewissen Platzbedarf hat und häufig Kurz- und Mittelstrecken fährt, könnte mit einem Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid liebäugeln

Als erster seiner Gattung lässt sich der Outlander Plug-in-Hybrid dafür an einer Steckdose aufladen, es ist noch ein zwe
Als erster seiner Gattung lässt sich der Outlander Plug-in-Hybrid dafür an einer Steckdose aufladen, es ist noch ein zweiter Adapter für die Schnellladesäule serienmäßig (rechts, Chademo-Standard)

Wie kann ein so großes SUV so leise sein? Das mag mancher gedacht haben, der an der Fußgängerampel stand, wenn wir im Mitsubishi Outlander PHEV vorbeiglitten. Die Antwort: Der 4,66 Meter lange Fünfsitzer ist nicht auf die geräuschvolle Verfeuerung fossiler Brennstoffe angewiesen. Immer wenn es das Steuergerät für sinnvoll erachtet – und das ist ziemlich häufig – übernehmen die beiden Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse den Vortrieb. Als erster seiner Gattung lässt sich der Outlander Plug-in-Hybrid dafür an einer Steckdose aufladen.

Ab 39.990 Euro steht der Outlander PHEV beim Händler, üppig ausgestattet, unter anderem mit Zwei-Zonen-Klimaautomatik, C
Ab 39.990 Euro steht der Outlander PHEV beim Händler, üppig ausgestattet, unter anderem mit Zwei-Zonen-Klimaautomatik, CD/MP3-Radio, Freisprecheinrichtung, Multifunktions-Lederlenkrad

Seit Mai ist der Outlander als PHEV (englisch: plug-in hybrid electric vehicle) bei uns auf dem Markt, rund 850 Exemplare wurden seitdem verkauft. Bei Mitsubishi ist man damit ganz zufrieden, auch wenn die Zahl recht klein klingt – erst recht im Gegensatz zu den Massen, die bei unseren Nachbarn mittlerweile herumfahren: Mit einem halben Jahr Vorsprung – dort kam er im November 2013 auf den Markt – haben die Niederländer bereits 15.000 der Steckdosen-Hybride gekauft, auch dank Steuererleichterungen für Elektro- und Hybridautos.

Der 4,66 Meter lange Fünfsitzer ist nicht auf die geräuschvolle Verfeuerung fossiler Brennstoffe angewiesen. Immer wenn
Der 4,66 Meter lange Fünfsitzer ist nicht auf die geräuschvolle Verfeuerung fossiler Brennstoffe angewiesen. Immer wenn es das Steuergerät für sinnvoll erachtet – und das ist ziemlich häufig – übernehmen die beiden Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse

Viel besser als beispielsweise in den schmalen Straßen Amsterdams, in denen Parkplätze in SUV-Größe doch recht selten sind, kann man sich den massigen Fünftürer mit üppig Platz für fünf Personen vor einer Einfamilienhaus-Garage eines Großstadt-Vororts vorstellen. Garage, weil der zwölf kWh große Akku an der Steckdose fünf Stunden benötigt, bis er voll ist. Einfamilienhaus, weil mit dem auf dem Dach produzierten Solarstrom der Outlander günstig und ökologisch betrieben werden könnte. Und Vorort, weil das zum optimalen Einsatzgebiet des Outlander passt.

Statt der Drehzahl zeigt die Anzeige unter anderem, ob gerade rekuperiert wird
Statt der Drehzahl zeigt die Anzeige unter anderem, ob gerade rekuperiert wird

Obwohl der Japaner dank seiner Auslegung auch für lange Strecken ein komfortabler und wenig durstiger Zeitgenosse ist, kann er seine Qualitäten vor allem im Kurz- und Mittelstreckenverkehr ausspielen.

Viel besser als beispielsweise in den schmalen Straßen Amsterdams, in denen Parkplätze in SUV-Größe doch recht selten si
Viel besser als beispielsweise in den schmalen Straßen Amsterdams, in denen Parkplätze in SUV-Größe doch recht selten sind, kann man sich den massigen Fünftürer mit üppig Platz für maximal fünf Personen vor einer Einfamilienhaus-Garage eines Großstadt-Voro

Mit vollgeladenem Akku verbraucht der Outlander PHEV laut Hersteller 1,9 Liter/100 km, gut die halbe Strecke kann er dabei rein elektrisch fahren. In der Praxis lag der Wert etwa bei vier Litern, was für einen Allrad-Auto dieser Größe ein guter Wert ist. Knapp die Hälfte der Zeit trieben die beiden je 60 kW/82 PS starken E-Motoren das SUV an. Bis 120 km/h schnell geht der Vortrieb elektrisch, sofern man langsam beschleunigt.

Üppig Platz für vier Personen, die fünfte sitzt in der Mitte auch noch ganz bequem
Üppig Platz für vier Personen, die fünfte sitzt in der Mitte auch noch ganz bequem

Der 2,0-Liter-Benziner (89 kW/121 PS)schaltet sich (mit recht hoher Drehzahl) beim kräftigen Tritt aufs Gaspedal hinzu oder wenn der Akku leer ist. Allzu große Dynamik darf man nicht erwarten, würde aber zu dem Raumgleiter auch gar nicht passen.

Das von Mitsubishi selbst entwickelte Hybrid-System mixt Elemente von E-Mobil, Range-Extender und klassischem Hybrid. Mit vollem Akku fährt der Outlander grundsätzlich als E-Auto. In der Funktionsweise eines seriellen Hybrid (Verbrenner hat keine mechanische Verbindung zur Antriebsachse) fungiert der Benziner als Generator und lädt die unter der Passagierkabine montierten Batterien auf. Muss es schnell gehen, schließt die Kupplung und der Verbrenner treibt die Vorderräder direkt an – ein Fall, der im Test hauptsächlich bei rascher Autobahnfahrt eintrat.

Auch bei leerem Akku mixt das Steuergerät die Modi, lässt den Outlander zum Beispiel mit rekuperierter Energie immer elektrisch anfahren. Die Leistungselektronik entscheidet selbst, welcher Modus gerade der passende ist. Das Wechselspiel der Aggregate wirkt so ausgereift, dass der Fahrer nur etwas davon mitbekommt, wenn er das Bordcomputer-Mäusekino aufgerufen hat. Beim Grad der Rekuperation kann er mitbestimmen, Schaltpaddel am Lenkrad wechseln zwischen Stufe 0 (Segel-Modus) und 5 (starke Motorbremse), was sich nach etwas Eingewöhnung als eine sehr bequeme Art erwies, im stockenden Stadtverkehr zu verzögen und gleichzeitig die Batterie zu laden.

So benötigte der Outlander auch mit leeren Batterien im Schnitt etwa 7,5 Liter, was für das 1,9-Tonnen schwere Raum-Schiff in Ordnung geht. Wer allerdings auf die Idee kommt, mit dem „Charge“-Knopf den Verbrenner zu zwingen, die Batterien bis 80 Prozent aufzuladen, hört den Kraftstoff rauschen. Wer auch auf längerer Strecke elektrisch fahren will, sucht nach einer der (wenigen) Schnelladesäulen, der Outlander hat den Chademo-Standard an Bord, mit dem man in 30 Minuten auf 80 Prozent kommt.

Die Preisgestaltung ist für ein Auto mit ordentlich Platz für vier Personen (die fünfte kann auch noch recht kommod sitzen) plus Gepäck (463 Liter Kofferraumvolumen) plus aufwendiger Technik fair: Ab 39.990 Euro steht der Outlander PHEV beim Händler, üppig ausgestattet, unter anderem mit Zwei-Zonen-Klimaautomatik, CD/MP3-Radio, Freisprecheinrichtung, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, Multifunktions-Lederlenkrad und Fünf-Jahres-Garantie. Nicht überzeugen konnte im Test allerdings das unübersichtlich zu bedienende große Infotainmentsystem.

Im Wettbewerbsumfeld ist der Outlander ein Solitär: Andere SUV als Plug-in-Hybrid kommen mit dem Porsche Cayenne, X5 und Volvo XC90 gerade auf den Markt, liegen aber eine Klasse höher.

Kurz zurück zur Vorort-Idylle: Fällt dort mal dauerhaft der Strom aus, kann ein vollgeladener Outlander-Akku sozusagen als Notstromaggregat fungieren und den Strom in das Hausnetz zurückspeisen. Nun sind hierzulande, anders als im Outlander-Herkunftsland Japan, Erdbeben, bei denen der Strom ausfällt, selten.

Dass das SUV zum so genannten bidirektionalem Laden fähig ist, zeichnet ihn aber als besonders zukunftsfähig aus. Ist doch ein Nachteil der erneuerbaren Energien, dass sie nicht immer gleichmäßig Strom liefern. Hat das Einfamilienhaus also eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, lädt die Sonnenenergie das Auto auf, das als so genannter „Pufferspeicher“ fungiert. Bei Regen gibt die Outlander-Batterie den selbst produzierten Strom wieder ab. Das kann (bis auf den Elektro-Kleinstwagen von Mitsubishi) derzeit kein anderes Fahrzeug. Still und leise trägt der Outlander PHEV damit zur Energiewende bei. In hellem Aquamarin sieht er dabei auch noch gut aus.

Technische Daten – Mitsubishi Outlander PHEV:

Fünftüriges, fünfsitziges SUV der Mittelklasse; Länge: 4,66 Meter, Breite: 1,80 Meter, Höhe: 1,68 Meter, Radstand: 2,67 Meter, Kofferraum: 463 Liter (1.472 maximal)

Plug-in-Hybridantrieb, zwei Elektromotoren mit 60 kW/82 PS und 137 (Vorderachse) beziehungsweise 195 Nm (Hinterachse), 2,0-Liter-Benzinmotor mit 89 kW/121 PS und 190 Nm, Allradantrieb, 0-100 km/h: 11,0 s, Vmax: 170 km/h (abgeregelt), Verbrauch: 1,9 Liter, CO2-Ausstoß: 44 g/km, elektrische Reichweite 52 km

Preis: ab 39.990 Euro.

Kurzcharakteristik – Mitsubishi Outlander PHEV:

Alternative zu: Toyota Prius PHEV, Volvo V60 Plug-in-Hybrid, Audi Q5 Hybrid

Passt zu: Kurz- und Mittelstreckenfahrern, die bei gelegentlichen Fernreisen flexibel sein wollen

Sieht gut aus: wenn er still und leise an der Tankstelle vorbei fährt

Hanne Lübbehüsen/SP-X