Archivierter Artikel vom 20.07.2011, 14:24 Uhr

Steffens «geile Zeit» – Zurück mit Gold-Wunsch

Shanghai (dpa). Drei Jahre nach ihrem goldenen Doppel-Schlag von Peking ist Britta Steffen zurück in China – und will wie bei Olympia auch diesmal Edelmetall nach Hause bringen.

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Vorfreude
Britta Steffen fühlt sich in Shanghai wohl.
Foto: DPA

«Ich möchte gerne eine Medaille gewinnen und wenn möglich Gold. Aber ich wäre auch gezwungenermaßen mit einer Silber- oder Bronzemedaille sehr zufrieden», sagte die Doppel-Weltmeisterin von Rom der dpa. Seit fast zwei Jahren ist sie keinen großen Wettkampf mehr auf der Langbahn geschwommen. Nach tagelangem Pool-Hopping dürfen die Deutschen neben anderen Teams an diesem Donnerstag erstmals im WM-Becken von Shanghai Hallenluft schnuppern.

Bei den deutschen Meisterschaften als Zwischenstopp nach Shanghai meldete sich die 27-Jährige nach ihrer einjährigen Krankheitspause auch auf der Langbahn zurück. Aber ob sie in diesem Jahr die Gejagte (als Weltmeisterin und Olympiasiegerin) oder doch die Jägerin (nach der Pause) ist, kann sie selbst auch nicht so recht beantworten. «Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, dass beides zutrifft. Einerseits erwartet man von mir, dass ich ganz vorne mitschwimme, andererseits können mich die meisten Leute nicht einschätzen», sagte die «Sportlerin des Jahres» 2008.

Steffen und Freund Paul Biedermann, die bei Meisterschaften getrennte Zimmer haben, zogen sich nach ihrer Ankunft am Samstag wie der Rest des deutschen Teams zum Training zurück. Erst an diesem Donnerstag sollten sie beim ersten erlaubten Training im WM-Becken Hallenluft schnuppern. Am Sonntag steht für beide der erste große Showdown an: Steffen hofft, mit der 4 x 100-Meter-Staffel an das WM-Silber von 2009 anknüpfen zu können, Biedermann muss seinen Titel über 400 Meter Freistil gegen härteste Konkurrenz verteidigen.

Das Vorzeigepaar der Schwimmer ist auf Negativschlagzeilen gefasst, wenn es sportlich nicht wie gewünscht läuft. Zumal nicht nur die sportlichen Leistungen interessieren, weiß Steffen. Trotzdem wollen beide nicht vornehmlich als Paar wahrgenommen werden und weiter auf ihre Privatsphäre achten: «Die menschliche Seite interessiert Oma Gerda zu Hause manchmal viel mehr. Aber Urlaubsbilder in den Medien, das gibt es nicht. Zu viel kann auch eine Gefahr für die Beziehung sein, das kann ohnehin schwer genug werden.»

Die EM 2014 in ihrer Heimat Berlin muss nicht der Schlusspunkt unter der sportlichen Laufbahn der Wirtschaftsingenieurs-Studentin sein. «Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich 2016 noch schwimme. Rio würde mich reizen, aber dann nur die 50 Meter Kraul. Aber wahrscheinlich kann man das erst nach der WM sagen. Ich habe das auf dem Schirm. Es müssen nicht sofort Kinder sein», sagt Steffen. Dara Torres beispielsweise wurde noch mit stolzen 41 Jahren 2008 hinter Steffen Olympia-Zweite über 50 Meter Freistil. So etwas kann sich auch Steffen vorstellen. «Wenn ich merke, einmal am Tag Training reicht, und wenn ich dann noch vorne in Deutschland bin – warum dann nicht ein fünftes Mal noch zu den Spielen fahren? Das ist doch geil.»

Nach diversen Krankheiten hat Steffen mit Hilfe eines Ernährungstagebuchs 5 Kilo auf 60 Kilogramm abgenommen – ihr Olympiasieg-Gewicht. Sie ist sich sicher, dass sie ohne High-Tech-Anzug ihre Zeiten von 2008 erreichen kann, jedoch zweifelt sie, ob sie für ganz vorne reichen. Mit längeren Haaren, durch Freund Paul, einem Plausch mit Trainer Norbert Warnatzsch oder auch einem Hörspiel zum Einschlafen erlebt Britta Steffen nach eigener Aussage ihre beste Zeit als Sportlerin: «Weil man erstens nichts mehr zu gewinnen und verlieren hat. Zweitens, weil ich einfach ein geiles Leben führe.»