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Budapest

Steffen: «Tut verdammt weh, meine Rennen zu sehen»

dpa

Britta Steffen hat sich bei der Schwimm-EM in Budapest weitere Motivation für ihr Comeback geholt. Der Doppel- Olympiasiegerin tat es «enorm weh», die Konkurrenz über ihre Strecken siegen zu sehen.

Zuschauer
Britta Steffen (l) und Franziska von Almsick verfolgt die Rennen in Budapest.

Im dpa-Interview spricht die 26-Jährige auch darüber, warum ihr Freund Paul Biedermann «Lehrgeld» zahlen musste, sie vor vier Jahren «noch ein Kind» war und dass 2012 nicht ihr Karriereende sein muss.

Jeder Tag in Budapest ist mit Erinnerungen an «ihre» Rennen von der EM 2006 und vier Goldmedaillen verbunden. Wie schön oder schwer ist das?

Steffen: «Ehrlich gesagt ist es mehr schwer als schön. Weil es mir eben doch enorm wehtut, meine Rennen hier weggehen zu sehen. Ich merke deutlich, dass mir das Schwimmen immer noch sehr viel bedeutet und dass ich definitiv noch einmal angreifen und zurückkommen will, wenn mein Körper mitmacht und der Spaß auch stimmt, was ich glaube. Dann ist alles schön.»

Ein Jahr keine großen Wettkämpfe bestritten, da gibt es auch Spekulationen, Sie kämen gar nicht mehr zurück...

Steffen: «Ich ärgere mich zum Teil darüber, wenn es so dargestellt wird, als hätte ich schon aufgehört. Das finde ich ein bisschen blöd. Ich werde einfach mein Zeug machen und meine Leistung bringen. Ab September steige ich voll ins Training ein. Hier in Budapest hole ich mir die Motivation für die nächsten zwei Jahre.»

Was hat Sie bei der EM am meisten beeindruckt?

Steffen: «Natürlich 'meine' 100 Meter Kraul, die mit 53,58 Sekunden weggegangen sind, wo ich dachte, oh, das kann ich auch – aber im Moment eben nicht. Ansonsten haben die Rennen von Paul meine Nerven zerrüttet. Ich freue mich auf die Staffeln. Am coolsten wäre es, wenn er da gegen Yannick (Agnel) schwimmen könnte. Das wäre ein superschönes Rennen, da würde ich mich entspannt zurücklehnen.»

Mussten sie ihren Freund Paul Biedermann nach EM-Silber wieder aufbauen?

Steffen: «Ich habe versucht, ihm zu erklären, dass es mir nicht anders ging, nur andersherum. Er ist bei einer WM supererfolgreich gewesen, ich bei der EM hier vor vier Jahren und dann bei der WM ein Jahr später auf die Nase gefallen. Das war einfach ein bisschen Lehrgeld, was er hier über 400 Meter zahlen musste. Das einzige, was ich tun kann, ist, ihm das Händchen zu halten und zu sagen, das ist ganz normal. Du hast das ganze Jahr neue Motivation und musst nicht lamentieren, da du eh der Beste bist.»

Die Niederlage über 400 Meter war Biedermanns erster Rückschlag...

Steffen: «Ich habe Paul immer bewundert. So was von stetig sich zu entwickeln, das gibt es nicht. Es war eh klar, dass er mal verlieren musste. Das wird ihm charakterlich und schwimmerisch sehr, sehr gut tun. Er wird die entsprechenden Konsequenzen daraus ziehen, die Arbeit mit Physiotherapeuten und Mentaltrainer forcieren. Paul ist körperlich fit wie nie, aber er kann das hier nicht hundertprozentig zeigen. Vielleicht auch, weil er unter solchem Druck steht, den er sich zum Teil auch selber macht.»

Spaniens Schmetterlings-Weltrekordler Rafael Munoz durfte hier trotz drei verpasster Dopingtests starten. Wie sehen Sie das?

Steffen: «Ich finde, egal welche Hintergründe so was hat, dann ist Schluss mit lustig. Das geht gar nicht. Da muss ein Machtwort gesprochen werden und dann kann man einfach nicht hier mitschwimmen. Das ist einfach so. Wenn du keine klaren Regeln hast, machen die Leute mit dir, was sie wollen, und das darf gerade beim Thema Doping nicht passieren.»

Paul Biedermann und Sie leben Ihre Beziehung bei der EM nun öffentlicher, Küsse vor der ARD-Kamera inklusive. Wie kam es zu dem Sinneswandel?

Steffen: «Am Anfang, als so viele so viel von uns wissen wollten, waren wir zusammengekommen, ohne uns näher zu kennen. Wir waren nie Freunde, hatten nie außerhalb der Wettkämpfe Kontakt. Es wird sich frühestens in zwei bis drei Jahren herauskristallisieren, ob es die große Liebe ist. Im Moment ist alles schön. Wir haben auch schon drüber geredet und gesagt, eigentlich wollten wir das so gar nicht machen. Aber es wäre auch nicht authentisch, wenn ich ihm nach dem Rennen die Hand geben würde. Wir versuchen einen Mittelweg zu gehen. Ich will nicht erzählen, wie Paul seine Frühstückseier mag.»

Es gibt also Grenzen, wie viel Privates öffentlich wird?

Steffen: «Ja. Hier ist es in einem sportlichen Kontext. Ich bin kein Freund von Homestorys und dann zu sagen, das ist meine Lieblingscouch, wo ich abends gern lese, während Paul mir die Füße krault. Nein, das wird es wohl nicht geben.»

Nicht nur in der Öffentlichkeit, auch Verband und Trainer schauen auf Ihre Beziehung und mögliche Auswirkungen auf die Leistung...

Steffen: «Wir versuchen beide, uns professionell zu verhalten. Ich habe zu meinem Trainer Norbert Warnatzsch gesagt, wenn irgendetwas in eine falsche Richtung geht, was Paul und mich betrifft, den DSV und das Schwimmen angeht, dann musst du mit der Faust auf den Tisch hauen und sagen, so geht es nicht. Ich hoffe, dass Pauls Trainer Frank Embacher das gleiche in meine Richtung tut. Es ist schon so, dass der Sport das A und O ist in dieser Beziehung.»

Hat Budapest Britta Steffen als Person und Sportlerin verändert?

Steffen: «Wenn man es sinnbildlich sehen will, hat hier alles angefangen und der erste Abschnitt ist auch hier zu Ende gegangen. Wenn ich alte Bilder und Interviews von mir sehe, muss ich mich schon belächeln und sagen, süß, niedlich, auch ein bisschen peinlich. Ich war noch ein Kind vor vier Jahren. Dann kamen eine WM mit Lehrgeld und die Traum-WM letztes Jahr und die Olympischen Spiele, die mit der schrecklichste Wettkampf meines Lebens waren, aber auch der erfolgreichste. Ich bin jetzt erwachsen und möchte die nächste Runde einläuten, die sich über zwei bis drei Jahre ziehen wird.»

Die WM 2013 ist also ein Thema für Sie?

Steffen: «Wenn man bei den Spielen in London gut schwimmt, muss man einmal am Tag sowieso was machen und abtrainieren. Da kann man die 50 Meter Kraul auch noch mitnehmen. Das hat Dara Torres (2008 mit 41 Jahren Olympia-Zweite, Anmerkung) auch nicht anders gemacht, und ich bin ja dann noch deutlich jünger. Das kann man schon noch einmal machen. Danach würde ich gerne eine Familie gründen und mein berufliches Leben angehen.»

Interview: Marc Zeilhofer, dpa

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