Archivierter Artikel vom 03.06.2011, 10:36 Uhr

Stefan Bradl: Mit Bayern-Technik auf Titelkurs

Barcelona (dpa). Ein Bayer ist auf einem bayerischen Produkt auf Titelkurs. In der Motorrad-Weltmeisterschaft ist Stefan Bradl derzeit das Maß aller Dinge. Das Fahrwerk kommt von einer kleinen Firma in der Nähe von Bradls Heimatort.

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Heimatverbunden
Stefan Bradl schwenkt eine bayerische Flagge nach seinem Sieg in Le Mans.
Foto: DPA

Sechs Rennen, fünf Siege, überlegene Führung in der Weltmeisterschaft – das ist die respektable Saisonzwischenbilanz des deutschen Formel-1-Superstars Sebastian Vettel. Vier Rennen, zwei Siege, ein dritter Platz, überlegene WM-Führung – so liest sich das bei Stefan Bradl, Deutschlands derzeit erfolgreichstem Motorrad-WM-Piloten. Am Wochenende startet der Bayer beim Grand Prix von Barcelona auf dem Circuit de Catalunya, wo Vettel vor knapp zwei Wochen triumphierte, und hat dabei gute Chancen, es seinem Vierradkollegen gleichzutun.

«Schon im vergangenen Jahr konnte ich mit meinem Motorrad oft Topspeed-Bestmarken setzen, und Höchstgeschwindigkeit ist auf einem schnellen Kurs wie Barcelona einer der Schlüssel zum Erfolg», sagt der 21-jährige Bradl. Das beruhigt, ist aber keineswegs selbstverständlich. Denn in der Moto2-Klasse werden Einheitsmotoren verwendet, und somit wird ein Leistungsvorteil praktisch ausgeschlossen.

Das Fahrwerk muss den Unterschied machen. Und da vertraut Bradl von diesem Jahr an auf eine Konstruktion, die nur 40 Kilometer entfernt von seinem Heimatort Zahling in Bobingen hergestellt wird. Dort haben Klaus Hirsekorn und Alex Baumgärtel 2008 die kleine Firma Kalex gegründet – mit keinem geringeren Ziel, als den im Motorrad-GP-Geschäft etablierten Unternehmen Paroli zu bieten.

«Wir haben uns aus privatem Interesse auf ein Motorradprojekt konzentriert und mit dem eigenen Chassis gleich beim ersten Renneinsatz gewonnen», erzählt Konstrukteur Baumgärtel. Als 2009 verkündet wurde, dass die 250-Kubikzentimeter-Zweitakt-Klasse ab 2010 von einer Viertakt-Formel mit Einheitsmotoren und Prototypen- Fahrwerken abgelöst wird, war den beiden klar: «Das ist wie für uns gemacht.»

Um den Einstieg finanzieren zu können, gingen Baumgärtel und Hirsekorn aufs Ganze: «Wir haben die Ersparnisse aus 15 Jahren zusammengelegt.» Für 2010 konnten sie das Team des ehemaligen spanischen 250-ccm-Weltmeisters Sito Pons von ihrem Chassis begeistern. Im Fahrerlager wurde man auf die Marke Kalex aufmerksam. Auch das Team von Stefan Bradl fragte für 2011 an und erhielt als eine von nur zwei Mannschaften eine Lieferzusage.

Inzwischen wissen beide Parteien, was sie voneinander haben. «Stefan ist ein Fahrer, der bei jeder Runde auf der Strecke schnell ist – er zeichnet ein sehr klares Bild von der Leistung des Fahrwerks. Außerdem ist er sensibel für Veränderungen, kann präzise seine Eindrücke formulieren, die in 99,9 Prozent der Fälle von den Aufzeichnungen des Data Recording bestätigt werden», lobt Baumgärtel. Bradl schätzt die individuelle Betreuung und die schnelle Reaktion des Kalex-Duos auf Fahrerwünsche.

Die Kombination Bradl/Kalex hat sich zum Traumteam in der Moto2-WM entwickelt. Für die WM-Saison 2013 haben bereits sechs weitere Teams Interesse an einem Kalex-Fahrwerk angemeldet. Träumer sehen Bradl schon auf einer Kalex mit BMW-Motor in die Königsklasse MotoGP aufsteigen. Die Hoffnung, dass er 17 Jahre nach Dirk Raudies wieder einen WM-Titel nach Deutschland holt, ist allerdings realistischer.