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    Queichhambach

    Spielen bei Minusgraden: Ein Kindergarten im Wald

    Es ist früh am Morgen, bitterkalt und sehr glatt auf den Straßen. Kurz: ein Morgen zum Im-Bett-Bleiben. Und dennoch versammelt sich an einem kleinen Bauwagen im pfälzischen Queichhambach bei Landau etwa ein Dutzend Kinder.

    Waldkindergarten
    Kinder eines Waldkindergartens gehen auch bei eisigen Temperaturen und Schneefall zu ihrem Sammelplatz im Wald. (Bild: dpa)

    Sie sind dick eingepackt und guter Laune – kaltes Winterwetter macht ihnen scheinbar nichts aus. Ihr Kindergarten ist der Wald, auch bei Minusgraden, frostigem Wind und zehn Zentimeter hohem Schnee.

    Waldkindergärten boomen, zehn Jahre alt ist die Queichhambacher Einrichtung kürzlich geworden. Die Nachfrage nach Plätzen ist auch hier größer als das Angebot. «Wir haben eine Warteliste, weil wir nicht mehr Kinder aufnehmen können», sagt die erste Vorsitzende des Trägervereins, Gesa Boltze.

    So einen Winter haben sie auch beim Waldkindergarten lange nicht mehr erlebt. Die erste am Morgen ist die Erzieherin Heidi, die zuerst die Zwerghühner versorgt, die auf dem Grundstück des Kindergartens am Rande des kleinen Ortes leben. Nach und nach trudeln dann die Kinder ein. Viele haben ihren Schlitten mitgebracht, alle sind warm eingepackt. Ein Junge ist sauer, weil ihm das Frühstück daheim zu schnell ging, ansonsten sind alle guter Laune.

    Im gemütlichen Tempo geht es dann einen Feldweg hinauf, erste Station ist eine zugeschneite Wiese. Dort ist «Morgenkreis», die Kinder sitzen auf ihren Schlitten. Die Französin Carine, die hier ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert, spielt auf der Flöte, es wird ein Lied gesungen. Dann darf ein Mädchen die Kohlmeise spielen und Knabberzeug auf der Wiese deponieren. Der Rest der Schar folgt der Spur im Schnee.

    Dann geht es weiter den Berg hinauf, in Richtung Wald, die legendäre Burg Trifels im Blickfeld. Am Waldrand ist das zweite Gelände des Kindergartens, hier steht ein weiterer Bauwagen, ein von den Eltern gebautes großes Indianerzelt, und es gibt jede Menge Möglichkeiten zum Spielen. Heute liegt allerdings eine dicke Schneedecke über dem Areal, Erzieherin Heidi macht erst einmal ein Feuer im Tipi, dann ist Frühstückszeit.

    «Sommer ist natürlich nicht ganz so kräftezehrend wie der Winter», sagt Boltze. Neue Kinder werden im Frühling und im Sommer aufgenommen, damit sie sich an das viele Draußensein bei wärmerem Wetter gewöhnen können. Sie sei aber erstaunt, wie gut die Kinder auch mit richtigem Winterwetter zurecht kämen. «Für die Kleinen ist es schon etwas schwerer, aber auch die Erzieherin ist erstaunt, wie gut die drei jüngsten mit 3 Jahren die extremen Temperaturen diesen Winter meistern.»

    Stimmt es denn, dass Kinder, die viel Zeit draußen verbringen, besser gegen Krankheiten gewappnet sind? Schon, findet Boltze. Wenn mal jemand ansteckend krank sei, springe es so gut wie nie auf die anderen Kinder über. «Und mit Läusen zum Beispiel haben wir auch nie Probleme.» Und auch die Erzieherin Heidi hat ihre Erfahrungen gemacht: «Ich bin definitiv seltener krank», sagt sie lachend. Die Pädagogin hat eine Zusatzausbildung in Waldpädagogik gemacht.

    Einfach war es nicht, den Kindergarten ins Leben zu rufen. Boltze erzählt, eine zuständige Behördenmitarbeiterin habe vor der Genehmigung prophezeit: «Die Kinder werden Ihnen wegsterben wie die Fliegen.» Die Beamtin sah den Wald als potenzielle Gefahrenquelle, Gesa Boltze und die anderen Eltern sehen ihn als eine Chance, ihre Kinder nah an der Natur aufwachsen zu lassen.

    «Hier ist schon mehr Grobmotorik gefragt», sagt Boltze. Es darf auf Bäumen geklettert werden in diesem Kindergarten. «Das Zutrauen zu den Kindern ist wichtig», sagt die Vereinsvorsitzende. Sogar das japanische Fernsehen war schon einmal da, weil ein Waldkindergarten aus fernöstlicher Sicht noch viel exotischer ist als aus deutscher Sicht. Wo in Japan Zucht und Ordnung in den Kindergärten herrscht, traut man ihnen hier etwas zu und lässt sie viel ausprobieren.

    Finanziert wird der Kindergarten über die Beiträge der Eltern, eine öffentliche Förderung gibt es nicht, weil es in der Region genügend Plätze in «normalen» Kindergärten gibt. Wer seine Kinder hierher bringen will, muss auch mal mit anpacken. Aus der ganzen Region kommen die Jungen und Mädchen nach Queichhambach. Die Nachfrage nach naturnaher Erziehung ist groß, nicht nur hier. In manchen stadtnahen Kindergärten müsse man sein Kind schon anmelden, bevor es überhaupt geboren sei, erzählt Boltze.

    Für eher ängstliche Eltern, die in jedem Gegenstand erst einmal eine potenzielle Gefahrenquelle für ihr Kind sehen, ist so ein Waldkindergarten vielleicht nicht das Richtige: Zecken, Fuchsbandwurm und jede Menge Bäume, von denen man herunterfallen kann. Tatsächlich aber ist im Queichhambacher Waldkindergarten noch nie was Schlimmeres passiert, erzählt Gesa Boltze. Ein Junge fehlt derzeit zwar mit gebrochenem Arm. «Aber den hat er sich zu Hause gebrochen», sagt Boltze.

    Waldkindergarten Südpfalz: www.waldkindergarten-suedpfalz.de

    Landesverband der Wald- und Naturkindergärten Rheinland-Pfalz: www.waldkindergarten-rlp.de

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