S-Pedelec für Schnellstraße und Radweg – BMW i Vision Amby

Die Rechtslage für die Nutzung von S-Pedelecs ist unbefriedigend. BMW zeigt auf der IAA einen cleveren Weg aus dem Dilemma.

Mit dem i Vision Amby zeigt BMW auf der IAA Mobility das S-Pedelec der Zukunft
Mit dem i Vision Amby zeigt BMW auf der IAA Mobility das S-Pedelec der Zukunft

Wenn die Gesetzgebung entsprechend angepasst wird, dann könnte ein S-Pedelec wie das Amby auch auf Fahrradwegen fahren
Wenn die Gesetzgebung entsprechend angepasst wird, dann könnte ein S-Pedelec wie das Amby auch auf Fahrradwegen fahren

SP-X/München. Eigentlich könnten schnelle S-Pedelecs einen höheren Beitrag zur Mobilitätswende leisten. Doch aufgrund einer unglücklichen Rechtslage fristet es in Deutschland ein Nischendasein. Auf der IAA Mobility (7. bis 12. September) zeigt BMW mit dem Konzept i Vision Amby, wie man diese Gattung künftig besser für eine legale und praxisgerechte Nutzung aufstellen könnte. BMW sieht das Amby damit auch als einen Impulsgeber, den vielfach kritisierten rechtlichen Rahmen der S-Pedelecs in Deutschland zu überarbeiten.

Zugleich ist das futuristisch und sportlich inszenierte Bike ein optisches Statement. Zwar bleibt das Amby klar als Fahrrad erkennbar, doch einige Details erinnern auch an den Motorradbau. Beispiele sind der zentrale Akkukasten, die Einarmschwinge des Hinterrads, voluminöse Reifen oder die massive Federgabel.

Für Vortrieb sorgt ein im Bereich des Tretlagers unscheinbar integrierter Mittelmotor. Dieser treibt das Highspeed-Bike in drei Geschwindigkeitsstufen an. Die Idee: Limitiert auf 25 km/h könnte das Amby legal auch auf Fahrradwegen eingesetzt werden. Außerdem gibt es ein Limit auf 45 km/h, um innerstädtisch Straßen befahren zu können. Maximal sind 60 km/h möglich, was die Nutzung auch außerorts und auf mehrspurigen Straßen möglich macht. Das Dilemma bei S-Pedelecs aktuell: Sie sind auf 45 km/h begrenzt, weshalb sie auf Radwegen nicht fahren dürfen, während sie auf Straßen von Autos als Hindernis wahrgenommen werden, was oft zu konfliktreichen Begegnungen führt.

Auch technisch zeichnet sich das Amby durch einige bemerkenswerte Lösungen aus. So stellt der Akku mit einer Kapazität von 2 kWh bis zu 300 Kilometer Reichweite bereit und kann dank Schnellladetechnik in nur drei Stunden befüllt werden. Ein Getriebe wurde im Motor integriert, die Kraftübertragung ans Hinterrad übernimmt ein Zahnriemen. Die großen Reifen dürften zusammen mit dem gefederten Fahrwerk mit vorn wie hinten 12 Zentimeter Federweg für guten Komfort sorgen. Im Lenker beziehungsweise Sattelstütze eingelassene LED-Lichtstreifen dienen als Front- und Rücklicht.

Außerdem verfügt das Amby über Konnektivitätstechnik. Mit einer Smartphone App lässt sich das Fahrrad freischalten. Hinterlegbare Nutzerprofile erlauben dabei ein automatisches Anpassen der elektrisch verstellbaren Sattelhöhe. Auch eine Statusabfrage ist möglich, mit der sich der Nutzer aus der Ferne zum Beispiel den Akkustand anzeigen kann. Für den jeweiligen Fahrmodus, also ob 25, 45 oder 60 km/h, ließe sich über die Software zudem ein Versicherungsschutz on demand buchen. Denkbar wäre schließlich eine automatische Anpassung vom Fahrmodus per Geofencing. Die exakte Lokalisierung samt der Klassifizierung des genutzten Straßentyps würde dann zu einer automatischen Anpassung der Höchstgeschwindigkeit führen.

Das Amby ist nicht nur als umweltfreundliches Autoalternative interessant, es verkörpert außerdem die Idee einer klimafreundlicheren Kreislaufwirtschaft. Wie beim parallel auf der IAA enthüllten Konzept Vision Circular wurden nämlich beim Bau des Amby nachhaltige Materialien wie Sekundär-Aluminium oder recycelter Kunststoff verwendet.

Mario Hommen/SP-X