Archivierter Artikel vom 19.09.2011, 13:00 Uhr

Spaniens goldene Giganten wollen nun Olympia-Gold

Kaunas (dpa). Die EM-Fiesta war noch in vollem Gange, da dachte NBA-Star Pau Gasol bereits an das nächste Großprojekt der Spanier. «Jetzt ist im kommenden Jahr das Olympia-Gold unser Ziel», sagte der Center der Los Angeles Lakers nach dem eindrucksvollen EM-Triumph in Litauen.

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EM-Giganten
Nach der EM-Trophäe haben die spanischen Basketballer nun die Olympischen Spiele im Visier.
Foto: DPA

Um ihn herum nahm der Party-Wahnsinn seinen Lauf. Offensivspieler Rudy Fernandez stülpte sich übermütig das Kostüm von Maskottchen Amberis über, seine Kollegen tanzten und johlten, nur Gasol war trotz des dritten großen Titels in fünf Jahren noch nicht zufrieden. «Es wird sehr hart, das US-Team zu schlagen, aber wir kommen mit viel Selbstvertrauen nach London», kündigte der 31-Jährige an, der auch schon NBA-Champion mit den Lakers war.

In der Form von Litauen ist es den Spaniern zuzutrauen, dass sie die Amerikaner im kommenden Jahr noch mehr fordern werden als schon im olympischen Finale 2008, als sie beim 107:118 fast ebenbürtig waren. Auf eindrucksvolle Art und Weise zementierten die Iberer beim 98:85 gegen die keineswegs schwachen Franzosen ihre derzeitige Ausnahmestellung im europäischen Basketball. «Goldene Giganten», titelte die Zeitung «Sport» nach der erfolgreichen Titelverteidigung am Montag überschwänglich. «Chapeau, España. Der Himmel ist spanisch», fügte «El Mundo» voller Stolz hinzu. Tennis-Star Rafael Nadal gratulierte nach dem Einzug mit Spanien ins Davis-Cup-Finale den Basketball-Kollegen. «Diese Generation ist unvergesslich», twitterte der Olympiasieger von 2008.

Seit den Zeiten der russischen und jugoslawischen Dominanz im vergangenen Jahrhundert hat es keine Mannschaft gegeben, die den Basketball in Europa derart beherrscht hat wie es die Spanier nun schon seit fünf Jahren tun. Weltmeister 2006, Vize-Europameister 2007, Olympia-Silber 2008 und die EM-Titel 2009 und 2011: «Diese legendären Goldjungs sind schlichtweg die Besten», kommentierte «Marca».

Gleich sechs NBA-Profis standen im Aufgebot des italienischen Trainerfuchses Sergio Scariolo. Der Star des Endspiels von Kaunas war aber jemand, der sich in der besten Liga der Welt nicht zurechtgefunden hatte – Juan Carlos Navarro. 27 Punkte erzielte der 31 Jahre alte Aufbauspieler vom FC Barcelona, der einst bei den Memphis Grizzlies gescheitert war. Völlig zurecht wurde der Kopf des spanischen Spiels daher auch zum wertvollsten Akteur des Turniers (MVP) gewählt. «Juan Carlos Navarro zum König der Könige gekrönt», schrieb «Marca».

In der Stunde seines größten persönlichen Erfolges bewies Navarro dann auch noch menschliche Größe. Anstatt selbst die Nikolai-Semaschko-Trophäe in Empfang zu nehmen, überließ er diesen Moment seinem Teamkollegen Felipe Reyes, dessen Vater einen Monat zuvor gestorben war. «Juan ist einfach unglaublich», schwärmte der eingebürgerte Center Serge Ibaka, Block-Monster und Partybiest in einer Person. Der Riese von den Oklahoma City Thunder konnte sein Glück kaum fassen. «Das ist einer der besten Tage meines Lebens.»

Den Franzosen blieb dagegen nur die neidlose Anerkennung ihrer Chancenlosigkeit. «Die „Blauen“ haben eine Lektion Spanisch hinter sich», schrieb die Sportzeitung «L'Équipe». «Von jetzt an ist es offiziell: Es gibt nur eine Nummer eins in Europa, und das ist Spanien», kommentierte die Tageszeitung «Libération».