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Spaniens ältester Nationalpark: Wandern im Picos de Europa

Cangas de Onís (dpa/tmn) – Silbrig glitzert der Lago de Enol in der Morgensonne. Stiere grasen friedlich am Seeufer. Vorbei an kleinen Almhütten aus massivem Stein, über saftige Wiesen und Gebirgsbäche führt der Pfad zunächst hinauf ins Hochtal Vega de Canraso.

Naranjo de Bulnes
Über den Wolken: Spektakuläre Ausblicke bietet der Weg zum Naranjo de Bulnes.
Foto: Manuel Meyer – dpa

Der Weg zu Pedro Pidals Grabstätte ist wunderschön. Doch nun wird er auch anstrengend. Im Zickzack geht es steil über 500 Höhenmeter den Hang hinauf.

Wandern am Wasser
Nah am Wasser: Nur 20 Kilometer vom Atlantik entfernt ragen die Picos de Europa bis zu 2600 Meter in die Höhe.
Foto: Fremdenverkehrsamt Llames – dpa

Dann endlich stehen die drei Madrilenen Cesar, Gerardo und Elena nach knapp fünf Stunden vor dem Grabstein. Wer auf dem 1764 Meter hohen Ordiales-Bergsattel steht und die tiefe Steilwand hinunterschaut, kann nur all zu leicht verstehen, warum der Markgraf von Villaviciosa ausgerechnet an diesem Ort begraben werden wollte.

Ziegen auf dem Wanderweg
Tierische Begegnung: Auf dem Weg zum Naranjo de Bulnes kreuzen Ziegen den Wanderweg.
Foto: Manuel Meyer – dpa

Weit und breit ist nur wilde, ursprüngliche Natur zu sehen. Von hier aus kann man fast das gesamte Zentral-Massiv des Parks überblicken. Nur 20 Kilometer vom Atlantik entfernt ragen die Picos imposant bis auf 2600 Meter in die Höhe. Ihren Namen «Gipfel von Europa» erhielten die zerklüfteten Berge von den spanischen Seefahrern. Waren die Gipfel doch das erste, was sie bei ihrer Heimkehr vom europäischen Festland sahen.

Gipfel von Europa
Ihren Namen haben die «Gipfel von Europa» daher, weil sie das Erste waren, das Seefahrer bei ihrer Rückkehr sahen.
Foto: Manuel Meyer – dpa

Pedro Pidal (1869-1941) kannte diese atemberaubende Bergwelt im Norden Spaniens, in der sogar noch Wölfe und Bären zu Hause sind, wie seine Westentasche. Jahrelange ging er hier auf Jagd. Der Naturliebhaber und Politiker war es auch, der 1915 auf einer USA-Reise im Yellowstone-Nationalpark das Konzept geschützter Naturreservate kennenlernte und in Spanien einführte.

Wanderung in den Picos
In den Picos de Europa findet jeder Wanderer eine Route nach seinem Geschmack.
Foto: manuel meyer – dpa

Der Nationalpark wurde zunächst auf Covadonga getauft. Das hatte einen historischen Grund: Im Jahr 722 stopppte der westgotische Kriegsherr Pelayo in Covadonga die Araber, die in nur zehn Jahren fast die gesamte Iberische Halbinsel besetzt hatten. In den Berghöhlen formierte er den Widerstand und leitete 770 nach der Schlacht von Covadonga die Rückeroberung Spaniens ein. Seitdem ist die Höhle mit der Basilika, in der Pelayo begraben ist, ein Nationalheiligtum und Wallfahrtsort. Der Trubel im Sommer ist enorm. Doch es gibt unzählige Wanderwege, die von den Seen in die Bilderbuch-Bergwelt führen und die nicht überlaufen sind.

Wanderung durch die Cares-Schlucht
Eine der schönsten Bergwanderrouten: 28 Kilometer lang ist der Weg durch die atemberaubende Cares-Schlucht.
Foto: Spanisches Fremdenverkehrsamt – dpa

Amalia Menéndez freut sich auf die Urlauber. In ihrer Steinhütte am See verkauft die 84 Jahre alte Spanierin ihren Bergkäse, frische Eier und Milch. 20 Ziegen, ein paar Kühe und Hühner besitzt sie. Viele Tiere hat sie allerdings verloren. «Seit einigen Jahren gibt es immer mehr Wölfe hier», sagt Amalia. Ihre Hütte besteht nur aus einem einzigen Raum. An der Wand sind auf schmalen Holzregalen die Käse zum Reifen aufgereiht. Es riecht nach Holzfeuer.

Ordiales-Bergsattel
Mondlandschaft auf dem Ordiales-Bergsattel: Durch solche Steinwüsten führen einige Wege in den Picos de Europa.
Foto: Manuel Meyer – dpa

Langsam geht die Sonne unter. Die Tagesausflügler kehren wieder in die weiter unten liegenden Bergdörfer wie Cangas de Onís, Arenas de Cabrales oder Bulnes zurück. In Bulnes beginnt eine der schönsten Wanderrouten zum 2519 Meter hohen Naranjo de Bulnes. Fast acht Stunden dauert die Wanderung. Doch sie lohnt sich. Die Schluchten sind spektakulär, die Steilwände gigantisch. Der wie ein überdimensionaler Zahn aussehende Naranjo de Bulnes ist zwar nicht der höchste, aber der wohl schönste Berg der Picos de Europa. An der 500 Meter hohen Steilwand kommen nur erfahrende Kletterer hoch, die für den Auf- und Abstieg unter dem Gekreische unzähliger Adler und Geier fast den ganzen Tag brauchen.

landschaft im Nebel
Verwunsche Landschaft im Nebel: Die Picos de Europa bieten außergewöhnliche Wandererlebnisse.
Foto: Manuel Meyer – dpa

Informationen für Spanien-Touristen

Pelayo-Statue in Asturien
Der spätere König von Asturien Pelayo leitete in den Picos de Europa die Rückeroberung Spaniens ein. Eine Statue von ihm steht heute in Cangas de Onis.
Foto: Manuel Meyer – dpa

Webseite der Region Asturien (dt./span./eng./frz.)

Picos de Europa

Naranjo de Bulnes
Der wohl bekannteste Berg in den Picos de Europa: der Naranjo de Bulnes.
Foto: Manuel Meyer – dpa

Anreise: Iberia, Vueling und Air Berlin fliegen von Deutschland via Madrid nach Oviedo. Von hier aus weiter mit dem Mietwagen oder Bus in die um den Nationalpark liegenden Dörfer.

Selbstgemachter Schimmel-Bergkäse
Amalia Menéndez verkauft in ihrer kleine Almhütte am Enol-See selbstgemachten Schimmel-Bergkäse an Wanderer.
Foto: Manuel Meyer – dpa

Beste Reisezeit: Mai bis Oktober

Höhlengrab von Pelayo
Die Höhle, in der Pelayo begraben ist, gilt als Nationalheiligtum. Hier begann die Rübereroberung Spaniens von den Arabern.
Foto: Manuel Meyer – dpa

Informationen: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Myliusstraße 14, 60323 Frankfurt, Telefon: 069/72 50 38

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