Archivierter Artikel vom 11.03.2011, 22:18 Uhr
Tokio

Sorgen nach Erdbeben – Kagawa nicht betroffen

Das verheerende Erdbeben in Japan hat auch die Welt des Sports in große Sorge versetzt. Von Angst um Angehörige, Betroffenheit über die Ausmaße der Katastrophe bis zur Sorge um Athleten und Spieler in dem asiatischen Land reichten die Reaktionen.

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Nicht betroffen
Der derzeit verletzte BVB-Profi Shinji Kagawa hat das Beben in Japan unbeschadet überstanden.
Foto: DPA

Unbeschadet überstand Borussia Dortmunds Profi Shinji Kagawa, der in Tokio weilt, das Unglück. Auch die deutschen Judokas um Olympiasieger Ole Bischof blieben unversehrt. Alle Athleten seien wohlauf, berichtete der Deutsche Judo-Bund (DJB) auf seiner Homepage. Die deutschen Frauen bereiten sich derzeit in Japans Hauptstadt auf die anstehenden Großereignisse EM und WM vor, die Männer weilen in Tenri bei Osaka.

Für Aufregung sorgte die Nachricht aus der Heimat im japanischen Team bei der Eisschnelllauf-WM in Inzell. «Es war natürlich ein Riesenschock für uns, als wir diese überraschende Nachricht hier hörten», sagte der aus Yokohama stammende Trainer Takafumi Momma. «Aber inzwischen gibt es Entwarnung. Offenbar ist keiner der Angehörigen unserer Athleten betroffen.» Viele Läufer saßen auf der Tribüne der Max-Aicher-Arena und versuchten per Handy, einen Kontakt in die Heimat herzustellen. «Gott sei Dank hat keiner irgendwelche Probleme zu beklagen», berichtete Mannschaftsarzt Kota Watanabe.

BVB-Profi Kagawa habe die Naturkatastrophe in Tokio nur am Rande gespürt, sagte sein Berater Thomas Kroth. «Shinji und seiner Familie geht es gut.» Kroths Kollege in Japan habe mit Kagawa gesprochen. Der 21-Jährige befindet sich nach einem Mittelfußbruch Ende Januar zur Reha in seiner Heimat.

Wolfsburg-Profi Makoto Hasebe zeigte sich «tief betroffen» über das Geschehen in seinem Heimatland. «Ich bin mit den Gedanken bei meinen Landsleuten in Japan», sagte der 27-Jährige. Seiner Familie und auch Freunden gehe es «glücklicherweise gut», teilte der Mittelfeldspieler in einer Erklärung des Bundesligaclubs mit.

Auch VfL-Trainer Pierre Littbarski war erschüttert. Der Ex-Weltmeister hat früher in Japan gespielt und ist mit einer Japanerin verheiratet. «Das ist ganz fürchterlich, die ganze Dramatik des Geschehens konnte man anhand der Bilder im Fernsehen nachvollziehen. Besonders die Situation in der Millionenstadt Sendai geht mir sehr nahe, da ich dort auch für Brummell Fußball gespielt habe», erklärte Littbarski.

Angst um seine Angehörigen hat Stürmer Shinji Okazaki vom VfB Stuttgart. «Wir haben ihn sofort gefragt. Aber soweit er uns das berichtet hat, ist mit seiner Familie alles okay», sagte VfB-Sportdirektor Fredi Bobic. Trainer Claus-Dieter Wollitz von Zweitligist Energie Cottbus erklärte, sollte Verteidiger Takahito Soma in seine Heimat zurückkehren wollen, werden man ihm natürlich keine Steine in den Weg legen.

Nach dem Erdbeben haben in Japan einige Sportverbände ihre für dieses Wochenende geplanten Ligaspiele abgesagt. In der «J-League» wird kein Fußball gespielt, teilte der dortige Verband mit. Auch Baseball-Spiele in Tokio, Yokohama und Chiba wurden verschoben. FIFA-Präsident Joseph Blatter drückte dem japanischen Fußballverbands-Chef Junji Ogura in einem Brief sein Mitgefühl aus, wie der Fußball-Weltverband mitteilte. Japan war 2002 Mitausrichter der WM.

Trotz des Erbebens sollen die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Tokio wie geplant am 20. März beginnen. Nach ersten Informationen von Augenzeugen ist die Wettkampfhalle, das Yoyogi Stadium, unbeschädigt, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen der Organisatoren. Das WM-Organisationskomitee sitzt in einem Bürogebäude nahe der Arena; ein japanischer Verbands-Mitarbeiter nahm die Halle von innen und außen in Augenschein. Sportler und Fans diskutierten im Internet bereits die möglichen Folgen für den Saisonhöhepunkt.

Norwegens Biathleten spendeten nach ihrem Erfolg im WM-Staffelrennen von Chanti-Mansijsk 10 000 Euro ihrer Siegprämie für die Erdbebenhilfe in Japan. Auch auf eine große Siegesfeier wollte das Team verzichten. «Champagner und eine lautstarke Feier wird es nicht geben», sagte Rekordweltmeister Ole Einar Björndalen.

Formel-1-Pilot Kamui Kobayashi erfuhr vor Testfahrten in Barcelona von dem Beben. Da seine Familie in der Nähe von Osaka wohnt, das offenbar nicht betroffen ist, war Kobayashi zunächst beruhigt. McLaren-Pilot Jenson Button berichtete erleichtert, dass seine Model-Freundin Jessica Michibata das Erdbeben unbeschadet überstanden habe. «Ihr geht es gut, aber sie ist ziemlich verängstigt», sagte der Weltmeister von 2009. Michibata sei bei einem Fototermin in Tokio gewesen. Button betonte, seine Gedanken seien bei den Betroffenen in Japan. «Mein Herz ist bei ihnen.»