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    Sörgel zu Doping-Fällen: «Ausgeklügeltes System»

    Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel ist nicht überrascht, dass zwei russische Biathleten vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi positiv getestet worden sind.

    Experte
    Fritz Sörgel ist vom russischen System nicht überrascht.
    Foto: Daniel Karmann - DPA

    «Russland hat schon immer ein sehr ausgeklügeltes Doping-System gehabt», sagte der Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Heroldsberg bei Nürnberg der Nachrichtenagentur dpa. «Und so wie das Gesamtsystem von Russlands Präsident Wladimir Putin gestrickt ist, wird vor den Winterspielen in Sotschi die Devise ausgegeben worden sein: Lasst euch mal etwas einfallen!»

    Dass zwei von den drei Biathleten, die der Weltverband IBU zwischen Weihnachten und Neujahr positiv bei Doping-Kontrollen getestet hat, ausgerechnet aus dem Gastgeberland der Sotschi-Spiele kommen, stuft Sörgel als «individuelle Fehler» ein: «Das ist nicht optimal gelaufen, da haben sie sich verrechnet.» Russlands beste Biathletin Irina Starych hat sich nach der verdächtigen A-Probe vorläufig aus dem Olympia-Team ihres Landes zurückgezogen. Die Namen eines weiteren russischen und eines litauischen Biathleten sind bisher nicht bekanntgeworden.

    Die Fälle werfen wenige Tage vor der Eröffnungsfeier in Sotschi einmal mehr einen Schatten auf die Glaubwürdigkeit des russischen Sports. Seit den Ski-Langläuferinnen Larissa Lazutina und Olga Danilowa 2002 in Salt Lake City Gold und Silber wegen Dopings aberkannt wurden, vergingen fast keine Olympischen Spiele ohne russische Fälle. In Athen 2004 wurden - angeführt von der disqualifizierten Kugelstoß-Olympiasiegerin Irina Korschanenko - gleich drei Russen aus dem Verkehr gezogen. In Peking 2008 waren mehr als halbes Dutzend Russen gedopt an den Start gegangen. 2006 in Turin musste die Biathletin Olga Pylewa Silber wieder zurückgeben.

    In Vancouver 2010 wurde eine russische Eishockeyspielerin wegen der verbotenen Einnahme eines Stimulanzmittels nur verwarnt. Ein Jahr vor den Winterspielen in Kanada hatten aber die EPO-Fälle von mehr als sechs Biathleten und Ski-Langläufern aus Russland beim damaligen IOC-Präsidenten Jacques Rogge für Empörung gesorgt. Der Belgier drohte sogar mit dem Olympia-Ausschluss von Russland.

    Um der Welt vor den Sotschi-Spielen zu beweisen, dass die Mahnung erst genommen wurde, verkündete die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA im Oktober 2013, dass sich die Zahl der Vergehen in den ersten neun Monates im Vergleich zum gesamten vergangenen Jahr beinahe verdoppelt hätte. Nach RUSADA-Angaben wurden rund 88 Sportler für verschiedene Vergehen bestraft; bei über 80 Fällen stand zu dem Zeitpunkt eine Entscheidung noch aus. Zugleich wurde bekanntgegeben, dass 13 674 Urin- sowie 3118 Bluttests durchgeführt wurden, davon etwa 50 Prozent im Training.

    RUSADA-Direktor Nikita Kamajew verwies darauf, dass die Zahl der Fälle nicht größer sei als in den USA. «Russland war oder ist niemals eine ausgewiesene Doping-Nation gewesen.» Und der Chef des russischen Biathlonverbandes, Michail Prochorow, stellte unlängst fest: «Wir prüfen unsere Athleten zehnmal so häufig wie jede andere Dopingagentur.»

    Negative Schlagzeilen gab es im November 2013, als die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA das Moskauer Doping- Analyselabor suspendierte. Erst kurz vor den Sotschi-Spielen erhielt es - ohne Bekanntmachung - die volle Zulassung zurück. Für Sörgel ist das eine «unglaubliche Geschichte».

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