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    So kann man effektiv Müll vermeiden

    Essensreste? Ab in den Müll. Die leere Müsli-Packung? Die landet auch in der Tonne. Das sammelt sich an – Hunderte Kilo Müll verursacht so jeder Deutsche pro Jahr. Doch es geht auch anders. Eine Familie aus Rosenheim lebt fast müllfrei.

    Reis einkaufen
    Lebensmittel wie Reis kann man heute in Läden wie Original Unverpackt bereis ohne Verpackung kaufen. Die Waren werden in mitgebrachte Behälter gefüllt.
    Foto: Inga Kjer – dpa

    Rosenheim (dpa/tmn) – Fast eine halbe Tonne Abfall inklusive Recycelbarem verursachte jeder Einwohner Deutschlands pro Jahr, Stand 2014 laut Statistischem Bundesamt. Eigentlich müsste im Haushalt von Stefanie Kießling folglich rund zweieinhalb Tonnen Abfall anfallen.

    Supermarkt Original Unverpackt
    Im Supermarkt Original Unverpackt in Berlin gilt das Prinzip der Müllvermeidung: Auf Einwegverpackungen wird verzichtet und loses Gemüse beispielsweise in wiederverwendbaren Beuteln an der Kasse abgew
    Foto: dpa

    Sie wohnt mit ihrem Mann und den drei Kindern in Bruckmühl bei Rosenheim (Bayern). Doch seit rund zwei Jahren versuchen sie, möglichst ohne Müll zu leben.

    Thomas Guhr
    In einzelnen Supermärkten kann man schon vornehmlich unverpackte Waren einkaufen. Im Lebensmittelgeschäft Original Unverpackt in Berlin füllt Mitarbeiter Thomas Guhr etwa Nudeln in mitgebrachte Gläser
    Foto: dpa

    Man spricht hier vom Leben mit «zero waste». Grundidee ist, den Anteil von nicht-verwertbarem Restmüll auf nahezu null zu senken, erklärt Ralf Buschmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Der effektivste Weg, Abfall zu vermeiden, ist naheliegend: Ihn gar nicht erst ins Haus holen. Das geht, indem man etwa mit einer detaillierten Einkaufsliste sich vorher Gedanken über seine Ess-Gewohnheiten macht. Denn wer nach dieser Prämisse einkauft, schmeißt letztlich weniger Produkte weg, die er nicht verbraucht hat.

    Milena Glimbovski
    Milena Glimbovski ist Geschäftsführerin des Lebensmittelgeschäftes Original Unverpackt in Berlin.
    Foto: Inga Kjer – dpa

    Aber viele Produkte gibt es im Supermarkt nur verpackt – Pizza, Müsli, Brot und selbst Obst. Kießling stört das. Denn das ist Abfall, den sie recyceln muss. Sie fährt dann Plastik zum Wertstoffhof, Gläser zum Glascontainer. Denn dafür gibt es bei ihr zu Hause keine eigenen Tonnen – mit Ausnahme für Papier. Am liebsten kauft sie verpackungsfrei ein. Körner für Brot und Müsli holt sie zum Beispiel direkt von einer Mühle. Zum Metzger nimmt sie eigene Gefäße mit. Es gibt aber auch Supermärkte, die mehrheitlich unverpacktes Obst und Gemüse haben.

    Stefanie Kießling
    Stefanie Kießling und ihre Familie versuchen, möglichst ohne Müll zu leben. Sie bloggt darüber. Hier trägt sie eine Upcycling-Tasche aus Stoffresten und Teilen einer alten Tasche.
    Foto:  www.zerowastef – dpa

    Einzelne Geschäfte in Deutschland gehen noch weiter: In Milena Glimbovskis Supermarkt in Berlin sind viele der 600 Lebensmittel nicht verpackt, sondern können abgefüllt werden, Kaffee oder Haferflocken etwa. Und Tiefkühlprodukte oder Konserven sucht man in ihrem Laden vergeblich. «Wir wollen eine Alternative zum normalen Einkauf bieten», sagt die Geschäftsführerin von Original Unverpackt.

    Obst
    In vielen Supermärkten gibt es Obst auch unverpackt und einzeln zu kaufen.
    Foto: Klaus-Dietmar Gabbert – dpa

    Doch solche verpackungsarmen Läden gibt es längst nicht überall. Aber auch dann lässt sich beim Einkaufen eine Menge Müll vermeiden, sagt Glimbovski. Nüsse oder Antipasti gibt es auf Märkten oft unverpackt. Bäcker geben ihre Produkte auf die Hand oder in den mitgebrachten Stoffbeutel. Der Aufwand: Manchmal müsse man eben an mehrere Orte gehen statt nur in einen Supermarkt, betont Glimbovski.

    Müll
    Fast eine halbe Tonne Müll verursacht jeder Einwohner Deutschlands pro Jahr.
    Foto: Andrea Warnecke – dpa

    Aber um Abfall zu vermeiden, ist auch daheim Kreativität gefragt. Bevor Kießling etwas wegwirft, versucht sie, es weiterzuverwenden. Gemüse-Resten macht sie zum Beispiel Gemüsebrühe, aus Apfelresten wird Essig. Und viele Lebensmittel, die nicht verbraucht werden, können auf den Kompost. Das geht auch ohne Garten, etwa mit kleinen Kompostern, die auf dem Balkon Platz finden, sagt BUND-Experte Buschmann. «So wird aus den Essensresten Dünger für die Balkonpflanzen.» Kießling hat im Laufe der Zeit viele Ideen gesammelt, wie man Abfall weiterverwenden kann. Sogar die alten Strumpfhosen der Kinder nutzt sie: Von den Hosenbeinen schneidet sie Stücke ab, diese ein paar Mal eindrehen und Haar-Gummis entstehen.

    Das Verwerten lässt sich sehr weit treiben, doch es gibt Grenzen: Manche Verpackung und manche Glasflasche lässt sich einfach nicht weiternutzen. In dem Fall sollte man seinen Abfall zumindest trennen. Denn der Prozess des Recyclings sei durch möglichst reine Stoffströme besser zu steuern, erläutert BUND-Experte Buschmann. Auch Kießling gelingt es nicht immer, Sachen zu verwerten. Trotzdem fällt bei ihr Restmüll für die Schwarze Tonne so gut wie gar nicht an. Während jeder Deutsche 2014 laut Statistik im Schnitt 162 Kilo Restmüll im Jahr verursachte, füllte der gesamte Restmüll der Familie Kießling 2015 ein Einwegglas und den Beutel eines Bau-Staubsaugers.

    Blog von Stefanie Kießling

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