Archivierter Artikel vom 14.01.2014, 14:20 Uhr

Smart-Home-Apps – Datensammler und Sicherheitsrisiko?

Berlin (dpa/tmn). Google steigt mit einem Milliarden-Kauf ins Geschäft mit vernetzter Haushaltstechnik ein. Prompt stellen sich Fragen nach dem Datenschutz. Denn so praktisch «smarte» Technik fürs Zuhause ist – sie ist auch ein Risiko.

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Licht-Steuerung via App
Licht an – Licht aus: Viele Geräte im Haushalt lassen sich inzwischen per App steuern.
Foto: Kai Remmers – DPA

Die Heizung vom Büro aus steuern und das Licht mit dem Smartphone bedienen – was klingt wie eine Zukunftsvision, ist mit sogenannter Smart-Home-Technik und passenden Apps längst möglich. Allerdings sollten Verbraucher auch die Risiken der Technik kennen, warnt Stefan Nakazi von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. «Für mich wiegen die potenziellen Kosten noch nicht den Nutzen auf.»

So wissen die Apps zum Beispiel je nach Funktion relativ viel über den Verbraucher und können diese Daten auch weitergeben. «Für viele Unternehmen ist es natürlich schon interessant zu wissen, wann jemand nach Hause kommt», sagt der Verbraucherschützer. Eine dieser Firmen ist Google: Der Suchmaschinenkonzern übernimmt gerade für 3,2 Milliarden US-Dollar den Hersteller Nest, einen Anbieter digitaler Thermostate und Rauchmelder. In Deutschland gibt es die Produkte der Firma allerdings noch nicht.

Was ein System genau weiß und weitergibt, ist für den Nutzer nur schwer erkennbar. «Das ist von App zu App vermutlich sehr unterschiedlich», erläutert Nakazi. Eventuell hilft ein Blick in die Datenschutzerklärung – darin teilen Hersteller zum Beispiel mit, ob sie die Daten nur für eigene Zwecke sammeln oder ob sie diese auch an Dritte weitergeben.

Wirklich sicher sei aber nur die Radikallösung, sagt Nakazi. «Wenn ich viel Wert auf Datenschutz lege, brauche ich ein System, dass sich ohne App und Internetzugang programmieren lässt.» Schöne Spielereien, etwa das Vorheizen der Wohnung auf dem Weg nach Hause, fallen dann zwar weg. Für die meisten Verbraucher sollte das aber kein großer Verlust sein, findet der Experte. «Wie oft muss ich das Thermostat wirklich neu einstellen, wenn ich es einmal programmiert habe?»

Denn hinzu kommt noch, dass von den Apps ein weiteres Sicherheitsrisiko ausgeht – schließlich kann das Smartphone, dass das Haus steuert, auch mal in fremde Hände fallen. Die Folgen reichen von simplem Schabernack, wenn jemand zum Beispiel das Licht ein- und ausschalten kann, bis zu echten Gefahren: «Ein Einbrecher könnte damit die Rollos hochfahren und durchs Fenster einsteigen», nennt Nakazi ein Beispiel.

Etwas sicherer sind nach Meinung des Verbaucherschützers Systeme, die nur über das heimische WLAN, aber nicht über das Internet funktionieren. «Das Smartphone ist dann zu Hause quasi die Fernbedienung.» Fällt es in fremde Hände, können Diebe oder Finder das Haus wenigstens nur steuern, wenn sie in Reichweite des Routers sind. Datensammler können solche Smart-Home-Lösungen aber ebenfalls sein.

Was die Nest-Geräte anders macht

Die Thermostate und Rauchmelder der Firma Nest sind ständig mit dem Internet verbunden und haben noch viel mehr Sensoren als bisherige Geräte dieser Art. Das eröffnet dem US-Anbieter viele zusätzliche Möglichkeiten.

So passt sich ein Nest-Thermostat an die Gewohnheiten der Nutzer an und stellt mit der Zeit automatisch die richtige Temperatur ein. Er holt sich die Wetterprognose aus dem Netz, um die Temperatur auf lange Sicht effizient regeln zu können. Bewegungssensoren stellen fest, dass die Bewohner das Haus verlassen haben und Heizung oder Klimaanlage runtergeregelt werden können. Und man kann die Temperatur von überall via Smartphone einstellen. Allerdings ist Nest bisher auf amerikanische Heizungen und Klimaanlagen ausgerichtet, eine Version für Europa ist noch in der Entwicklung.

Der Rauchmelder Nest Protect hingegen ist international einsetzbar. Einer der Vorteile ist, dass das Gerät bei schwacher Batterie dies per Smartphone-App mitteilen kann statt die Bewohner mit einem Alarmton aufzuschrecken. Außerdem hat Nest Protect einen Kohlenmonoxid-Detektor mit eingebaut. Steigen die Werte an, warnt das Gerät zunächst mit einer Stimmansage und man hat die Möglichkeit, einen Alarm per Handbewegung zu unterdrücken – zum Beispiel, wenn es nur leichter Rauch aus einem Toaster war. Die Rauchmelder in verschiedenen Räumen sind miteinander verbunden und geben den Alarm weiter. Ein angeschlossener Nest-Thermostat kann bei schlechten Luft-Werten die Gas-Zufuhr zur Heizung abstellen, weil die Leitung ein Leck haben könnte.