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Skisprung-Happy-End: DSV-Adler bestehen Reifeprüfung

Val di Fiemme (dpa). Als die deutschen Skispringer nach dem aufregendsten und kuriosesten Teamwettbewerb der WM-Geschichte mit glänzenden Augen ihre Silbermedaillen in Empfang nahmen, wich die ganze Anspannung ausgelassenem Jubel.

«Heute wird ein Fass aufgemacht», kündigte Schlussspringer Richard Freitag im Überschwang der Gefühle eine rauschende Party an. Katerstimmung herrschte nach dem hochklassigen Wettkampf, der im Chaos geendet hatte, dagegen beim Weltverband FIS. «Die meisten in der FIS sind gegen das System. Wir müssen es abschaffen. Und auch gleich die Sprungrichter. Es genügen vielleicht zwei Kampfrichter, die die Landung bewerten. Das ganze Kabarett brauchen wir nicht», echauffierte sich FIS-Boss Gian Franco Kasper am Sonntag in der ARD.

Am Samstagabend waren die Emotionen der Athleten Achterbahn gefahren. Erst hieß es Bronze für Deutschland um 0,8 Punkte vor Polen um den erneut überragenden Einzel-Weltmeister Kamil Stoch und Silber für Norwegen hinter Titelverteidiger Österreich.

Doch auf einmal kam hektische Betriebsamkeit auf. Die Deutschen wirkten aufgekratzt, die zuvor betrübten Polen lächelten und die Norweger saßen mit entgeisterten Mienen im Auslauf. Wegen eines Rechenfehlers beim ersten Versuch von Anders Bardal waren die Skandinavier nachträglich auf Rang vier zurückgestuft worden. «Für Norwegen ist es ziemlich ärgerlich, wenn man sich schon freut und dann noch vom Treppchen rutscht. Aber so sind die Regeln. Wir sind umso glücklicher», erklärte Freitag.

Auslöser des Wirrwarrs war, dass Bardal Bonuspunkte für eine Anlaufverkürzung erhalten hatte, obwohl er aus einer höheren Luke gesprungen war. «Das haben sie korrigieren müssen, weil wir Protest eingelegt haben», berichtete Horst Hüttel, Technischer Leiter Skisprung im DSV.

«Es war ein menschliches Versagen. Wir werden das sehr ernsthaft diskutieren», erklärte Kasper und übte heftige Kritik an den Skisprung-Regeln: «Es ist mehr oder weniger unmöglich für den Zuschauer, das zu verfolgen.»

Weil die Trainer seit dieser Saison die Anlauflänge für ihre Athleten selbst bestimmen dürfen, entwickelte sich der Teamwettbewerb zu einem Gate-Poker, in dem am Ende nur einer den Durchblick behielt: Thomas Morgenstern. Der Österreicher, der sein achtes WM-Gold holte, hatte die deutschen Springer auf die Unregelmäßigkeit aufmerksam gemacht. «Vielen Dank und Respekt an die Österreicher, die das auf den Tisch gebracht haben», erklärte DSV-Startspringer Andreas Wank.

Der Oberhofer hatte wie Freitag eine starke Leistung abgeliefert. An dieses Niveau reichten Michael Neumayer und Severin Freund an diesem Tag nicht ganz heran, so dass sich der Traum vom ersten Titel seit zwölf Jahren nicht erfüllte. «Wir wollten Gold, da haben wir noch etwas zu tun. Wir haben Fehler gemacht. Die müssen wir abstellen, wenn wir es wirklich mal schaffen wollen», bilanzierte Bundestrainer Werner Schuster.

Am Ende fehlten rund 14 Punkte auf die Österreicher, deren WM-Held beim fünften Team-Triumph nacheinander Manuel Fettner hieß. Der Neuling verlor im Finale nach der Landung seinen rechten Ski, aber nicht die Nerven. Einbeinig surfte er elegant über die Sturzlinie und sicherte das Gold. «Ich weiß nicht, ob ihm das noch einmal in seinem Leben gelingt», staunte Freitag. Und Freund ergänzte anerkennend: «Wenn man die skifahrerische Leistung von Fettner sieht, haben die Österreicher verdient gewonnen.»

Das wollen die DSV-Springer im nächsten Jahr bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi ändern. «Auch wenn wir heute nicht Gold geholt haben, irgendwann sind wir dran», meinte Freund. «Wir kratzen an Gold und geben uns Mühe, die Österreicher irgendwann zu schlagen», ergänzte Freitag.

Und so verließen die DSV-Adler trotz der verpassten Einzelmedaille den WM-Ort am Sonntagmorgen mit einem guten Gefühl. «Es ist uns nicht alles gelungen bei dieser WM. Aber wir sind einen Schritt vorangekommen», konstatierte Schuster. Und Wank kündigte zum Abschied die nächste Attacke bei Olympia an: «Ich denke, bald spielen wir mal die Hauptrolle im Titelkampf. Die Tendenz stimmt.»

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