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Nanning

Simone Biles: Eigenes Gym als Titel-Lohn

Sie zuckte traurig mit den Schultern und ließ sich von den Teamgefährtinnen trösten: Bei der großen Show von US-Kraftpaket Simone Biles spielte Lisa-Katharina Hill nur eine Nebenrolle.

Titelverteidigerin
Die nur 1,45 Meter große Simone Biles steckt voll geballter Power.
Foto: Rungroj Yongrit – DPA

Die 22 Jahre alte Stuttgarterin kam im Mehrkampf-Finale der Turn-Weltmeisterschaften von Nanning mit nur 52,198 Punkten nicht über Platz 22 hinaus. «Das war eine Katastrophe. Am Samstag will ich es im Stufenbarren-Finale viel besser machen», sagte sie betroffen.

Unterdessen wiederholte die fünf Jahre jüngere Simone Biles ihren Vorjahres-Triumph und sicherte sich mit 60,231 Punkten überlegen ihren insgesamt vierten WM-Titel. Schon in Kürze darf sie sich auf ein großzügiges Präsent ihres Vaters Ronald freuen: Er hatte schon vor der WM angekündigt, ihr ein eigenes Gym zum Geschenk zu machen.

Das nur 1,45 Meter große Girl aus dem texanischen Spring beeindruckte die 9300 Zuschauer im ausverkauften Guangxi Sports Center mit kraftvollen Übungen, wackelte nur einmal leicht am Schwebebalken. Mit ihren Höchstschwierigkeiten an allen vier Geräten forderte sie den Szenen-Applaus des chinesischen Publikums heraus und gewann völlig verdient vor der Rumänin Larisa Iordache (59,765) und ihrer Teamgefährtin Kyla Ross (58,232).

Biles sicherte sich damit den insgesamt vierten WM-Titel ihrer Laufbahn und setzte zugleich die goldene Mehrkampf-Serie der Amerikanerinnen fort, die seit 1991 nun bereits zum neunten Mal erfolgreich waren.

Lisa Hill, die nun als letzte deutsche Turnerin bei der WM am Samstag noch einmal im Finale am Stufenbarren angreifen will, hatte im Vorkampf mit den beiden Finaleinzügen eine Sternstunde erlebt. Dennoch war sie ohne Illusionen in das erste WM-Finale ihrer Karriere gestartet und hatte angekündigt, die Atmosphäre «nur genießen» zu wollen. «Das war nichts. Ich war viel aufgeregter, als ich wollte», gab sie hinterher zu.

Ihr ungeliebtes Startgerät Schwebebalken absolvierte die Maschinenbaustudentin an der Hochschule Esslingen mit zu viel Bammel: Ein ausgelassener Spreizsalto und zwei Wackler bei Überschlägen brachten ihr gehörige Abzüge. «Da kam wieder mein 'Balken-Talent' zum Tragen. In einem Moment war mit einem Schlag weg, was ich mir so hart erarbeitet hatte», bedauerte sie: «Das ärgert mich total. Da hat man so eine große Chance und nutzt sie nicht».

An Boden und Sprung turnte sie stabil ihre geplante Übung, war aber zum Abschluss an ihrem Spezialgerät Stufenbarren bei weitem nicht fehlerfrei, so dass sie gravierende Punktabzüge hinnehmen musste. «Das kann ich mir überhaupt nicht erklären», meinte sie. So gelang ihr im Mehrkampf nicht die zumindest erhoffte Platzierung in den Top 20, weil am Ende drei Punkte zum optimalen Vorkampf-Ergebnis fehlten.

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