Archivierter Artikel vom 26.08.2010, 14:18 Uhr

Sicherer Sex geht beide Partner an

Berlin (dpa/tmn). Der richtige Schutz beim Geschlechtsverkehr ist nicht nur Frauensache. «Beide Partner stehen in der Pflicht, sich ausreichend zu schützen», erklärte Jörg Litwinschuh von der Deutschen Aids-Hilfe in Berlin.

Lesezeit: 2 Minuten
Kondom
Kondome schützen vor Aids. Deshalb sollten beide Partner beim Sex darauf bestehen. (Bild: dpa)

«Sei es vor ungewollter Schwangerschaft, ansteckenden Sexualkrankheiten oder HIV», sagte Litwinschuh. Allerdings kämen immer noch viele Frauen in die Beratungen und berichteten von Sexualpartnern, für die Verhütung kein Thema ist, sagte Litwinschuh anlässlich des Urteils gegen die No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa. Die HIV-positive 28-Jährige ist am Donnerstag (26. August) zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Sie hatte zugegeben, dass sie trotz der ihr bekannten Infektion ungeschützten Sex hatte.

Im Überschwang der Gefühle seien Gedanken an Prävention natürlich oft weit weg, beschrieb Litwinschuh das Problem. Dabei seien die «Safer-Sex»-Regeln ganz einfach: «Am besten redet man vorher darüber, was man will und was man nicht will.» Wer auf ein Kondom besteht, sei normalerweise auf der sicheren Seite. «Und das sollte nicht immer nur die Frau sein», betonte der Experte. Gerade bei One-Night-Stands oder kurzen Affären sollte beiden Partnern immer an einem ausreichenden Schutz gelegen sein. «Schließlich kennt man den anderen ja kaum und weiß nichts über seine sexuelle Vorgeschichte.»

Aber auch in längeren Beziehungen müssten Frauen wie Männer lernen, über Sexualität zu sprechen. «Sie sollten ihre Wünsche oder Ängste äußern», sagte Litwinschuh – «auch wenn einem das unangenehm ist.» Die eigenen Grenzen auszutesten und dem Partner mitzuteilen, sei wichtig. Ein gemeinsamer HIV-Test könne zum Beispiel für etwas mehr Sicherheit sorgen – «auch wenn man nie zu 100 Prozent wissen kann, ob der Partner nicht ungeschützt fremdgeht», sagte Litwinschuh.

Im aktuellen Fall um Nadja Benaissa stand die Frage «Trägt sie die alleinige Schuld an der HIV-Ansteckung ihres Geschlechtspartners?» im Fokus des Prozesses. «Viele Männer schieben die Schuld nun allein Frau Benaissa zu. Doch hätte ihr Sexualpartner nicht auch auf ein Kondom bestehen können oder sogar müssen?», fragte Litwinschuh.

Generell sei das Schutzbewusstsein in allen Bevölkerungsschichten allerdings hoch, sagte der Experte. Jugendliche seien immer besser über Geschlechtskrankheiten und die durch das HI-Virus verursachte Aids-Erkrankung informiert. Auch der Kondomverkauf nehme ständig zu.