Archivierter Artikel vom 30.01.2012, 13:45 Uhr
Belgrad

Serbien sonnt sich im Glanz seiner Goldjungs

Auch klirrende Kälte und die Niederlage ihrer Handball-Helden im EM-Finale konnte die Partystimmung der serbischen Sportfans auf Belgrads Straßen nicht trüben.

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Europameister
Die serbischen Wasserballer sind die besten Europas.
Foto: Robert Vos – DPA

Der denkwürdige Tennis-Triumph von Novak Djokovic in Melbourne, der EM-Titel der Wasserballer und der erst im Finale gestoppte Erfolgszug des Handball-Teams ließen die Serben zumindest für kurze Zeit den harten Alltag vergessen. Am Montag verdrängten die guten Nachrichten aus dem Sport auch die Wirtschaftskrise und die Dauerquerelen um das Kosovo von den Titelseiten der Zeitungen.

«Danke, Champions», hieß es in großen Lettern auf Seite eins der Blätter. «Gold für unsere Goldjungs» und «Drei glänzende Trophäen für Serbien» lautete der Tenor. Trotz zweistelliger Minustemperaturen haben rund 20 000 Menschen am Montagabend in Belgrad die serbischen Wasserballer und Handballer gefeiert.

Auf dem Rathausplatz von Belgrad stimmte die Menge immer wieder Sprechchöre an und ließ Feuerwerkskörper in den Himmel steigen. Die Mannschaften präsentierten sich ihren Fans auf dem Rathausbalkon. Den größten Beifall erhielt der serbische Handball-Torwart Darko Stanic, der bei der EM zum besten Torhüter des Turniers gewählt worden war.

Auch Serbiens Politiker, bislang nicht unbedingt als große Sportfans bekannt, wollten sich Schulter an Schulter mit den neuen Helden des Landes zeigen. Präsident Boris Tadic und seine Kollegen entdeckten in den vergangenen Tagen ihre Liebe zum Sport und überschütteten die Athleten mit Glückwunschtelegrammen. Kein Wunder: In wenigen Monaten stehen Wahlen ins Haus.

Belgrads Straßen waren am Sonntag wie leergefegt, als die Top-Stars gleich in drei Endspielen nach einem historischen Triple für ihre Heimat griffen. Als erster erfüllte Djokovic die Hoffnungen und bezwang im längsten Grand-Slam-Finale der Tennis-Geschichte den Spanier Rafael Nadal. Von Slowenien bis Montenegro hatten alle «Nole» die Daumen gedrückt. «Down Under, der großartige Nole besiegt Nadal. Viel Glück und Danke!», schrieb etwa der frühere slowenische TV-Sportkommentator Igor Bergant auf Twitter.

Kurz darauf durften auch die Wasserballer jubeln. Das Finale gegen die kleine Nachbarrepublik Montenegro, früher selbst ein Teil Jugoslawiens, spaltete allerdings anders als Djokovic' Auftritt die Balkan-Region. Viele Akteure der beiden Wasserball-Finalisten hatten bis zur Unabhängigkeit Montenegros im Jahr 2006 im selben Team gespielt.

Die Handballer schließlich verpassten den ganz großen Wurf – und trotzdem war die Nation nicht traurig. «2 1/2 von 3» sei aber auch nicht schlecht, meinten viele Sportfans nach mehr als neun Stunden Bangen und Zittern.

Für den serbischen Handball war die Vize-Europameisterschaft beim Heim-Turnier der größte Erfolg seit dem WM-Titel für Jugoslawien 1986. «Wir haben in Serbien den Handball wieder an diese Stelle gebracht, wo er früher war», sagte Kapitän Momir Ilic nach dem 19:21 gegen die Dänen. «Viele Leute hatten uns vergessen, weil sie nichts über Handball gehört haben, sondern nur über Tennis und andere Sportarten. Jetzt ist Handball wieder dabei.»