Archivierter Artikel vom 15.09.2010, 20:40 Uhr
Ostrau

Sekt und Rosamunde – Boll: Ein knallhartes Turnier

Ein Glas Sekt zum Abendessen, eine kleine Ansprache und ein Akkordeonspieler, der «Rosamunde» anstimmte – die Feier von Deutschlands Tischtennis-Herren nach ihrem vierten EM-Gold fiel bescheiden aus.

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Mannschafts-Sieger
Die deutschen Tischtennis-Herren feiern mit dem Pokal ihren Sieg im Mannschafts-Finale.
Reaktionsschnell
Christian Süß returniert einen Ball seines weißrussischen Gegenspielers.

Nicht unbedingt, weil der Teamsieg inzwischen zur Gewohnheit geworden ist. Der enge Zeitplan in Ostrau erlaubte keine zünftige Fete beim Super-Einstand des neuen Bundestrainers Jörg Roßkopf. «Wir wollen alle im Einzel weit kommen. Das wird ein knallhartes Turnier», sagte Star-Spieler Timo Boll, der mit seinem elften EM-Titel zum bisherigen Rekordmann Jan-Ove Waldner (Schweden) aufschloss.

Die Sieger
Das deutsche Tischtennis-Herrenteam um Timo Boll (3.v.l.) posiert nach dem Finalsieg mit Fahne.

Bereits einen Tag später mussten Boll und die anderen Mitglieder der «Generation Gold» zwei Einzel- und zwei Doppel-Partien absolvieren. Ein Hammerprogramm, zumal dem Weltranglisten-Zweiten bereits neun siegreiche Einzel aus dem Teamwettbewerb in den Knochen stecken. Sein Ziel bleibt dennoch der dritte Titel-Hattrick mit Gold in der Mannschaft, Doppel und Einzel. «An Ende zeigt es sich, ob man körperlich gut gearbeitet hat», erklärte der 29-jährige Boll.

Kunstschlag
Timo Boll schneidet seinen Ball beim Aufschlag kunstvoll an.

Das zehnte und wahrscheinlich härteste Match ersparte ihm sein Düsseldorfer Clubkollege Christian Süß, der im Finale Weißrusslands Top-Mann Wladimir Samsonow unerwartet in fünf Sätzen entzauberte. Das ebnete den Weg für einen klaren 3:0-Sieg, auch wenn die DTTB-Auswahl ohne ihre Nummer zwei, Dimitrij Ovtcharov (Sehnenanriss), antreten musste. Boll und Patrick Baum hatten es danach erheblich leichter, ebenfalls zu punkten.

Matchball
Patrick Baum jubelt über seinen gegen den Weißrussen Platonow verwandelten Matchball.

«Es war mein erster Sieg gegen Samsonow und sicherlich der Knackpunkt. Bisher hatte ich nur einen Satz gegen ihn gewonnen. Zwei hatte ich mir diesmal vorgenommen, doch dann lief es noch besser», erläuterte Süß seinen Coup. Der deutsche Meister, der auch im Einzel zu den Medaillenanwärtern zählt, kostete den EM-Titel richtig aus: «Von mir aus können wir auch die nächsten zehn Jahre gewinnen. Damit kann ich gut leben, das ist immer wieder schön», sagte Süß.

Jubel
Christian Süß jubelt im Match gegen den Weißrussen Wladimir Samsonow.

Viel Lob gab es für Jörg Roßkopf. Der Bundestrainer war 1992 auch als Spieler Europameister geworden, was ihm in Ostrau den Spitznamen «Beckenbauer» einbrachte. Er hatte das Team trotz der haushohen Favoritenrolle mental gut auf schwierige Situation wie im Halbfinale gegen Frankreich eingestellt. «Wir hatten immer Gegenwehr einkalkuliert», betonte Boll. «Wir haben in Europa die Position, die die Chinesen weltweit einnehmen. Ich hoffe, dass noch weitere Titel dazukommen. Mein Hauptziel sind 2012 die Team-WM in Dortmund und Olympia in London», sagte Roßkopf.

Serve
Der Weißrusse Wladimir Samsonow schlägt gegen Christian Süß auf.

Sein ehemaliger Doppel-Partner Steffen «Speedy» Fetzner war 1000 Kilometer mit dem Auto gefahren, um seinem Kumpel «Rossi» zu gratulieren. Fetzner arbeitet für eine Ausrüsterfirma im Saarland, die auch die Europameister Baum und Ovtcharov betreut. Ovtcharov musste die EM wegen seiner schmerzhaften Fußverletzung vorzeitig beenden. «Ich lasse mich von meinen Eltern in Hameln pflegen. In zehn Tagen bin ich vielleicht wieder fit», sagte der EM-Dritte von 2007.