Archivierter Artikel vom 15.06.2013, 07:00 Uhr

Seilbahn + Welterbe = Koblenz

Region Mittelrhein – Tausende Menschen senden mit einer friedlich- fröhlichen Demonstration ein deutliches Zeichen an das in Kambodscha tagende Welterbe-Komitee: „Wir wollen beides: die Seilbahn zur Festung Ehrenbreitstein und das Welterbe.

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Die Botschaft der 3500 Demonstranten ist eindeutig: Für sie gehört die Seilbahn zu Koblenz. Ob sich die Anlage mit dem Status des Weltkulturerbes verträgt, entscheidet die Unesco nächste Woche in Kambodscha.
Die Botschaft der 3500 Demonstranten ist eindeutig: Für sie gehört die Seilbahn zu Koblenz. Ob sich die Anlage mit dem Status des Weltkulturerbes verträgt, entscheidet die Unesco nächste Woche in Kambodscha.
Foto: Tom Frey

Denn beides gehört zu Koblenz.“ Diese Devise formulieren nicht nur Innenminister Roger Lewentz (SPD), Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig (SPD) und Bundestagsabgeordneter Michael Fuchs (CDU) – dieser Anspruch steht auch auf den Plakaten, ist von Bürgern immer wieder zu hören und wird mit einem eigenen Seilbahnsong intoniert. Die Unesco will in der nächsten Woche darüber entscheiden, ob die Seilbahn im Welterbe-Tal stört und wieder abgerissen werden muss.

„Es gibt keinen Widerspruch zwischen der Seilbahn und dem Unesco-Welterbe-Titel“, sagt Lewentz, als er circa 3500 Menschen sieht, die ihren Willen kundtun. Denn das Welterbe profitiere von der Seilbahn, weil sie mit spektakulären Ausblicken die Menschen zur Festung bringt, die noch nie so viele Besucher zählen konnte wie heute. 446 000 waren es im vergangenen Jahr.

Lewentz imponiert es, dass die Menschen auch mit mehr als 100 000 Unterschriften „Flagge zeigen“ und nicht unter einer denkmalpflegerischen Käseglocke leben wollen. Auch der Oberbürgermeister richtet an die Unesco die Botschaft, dass die Bahn nicht das Welterbe stört, sondern es erst richtig herausstellt und erschließt. Und: Millionen für den Denkmalschutz seien nur zu rechtfertigen, „wenn die Menschen auch kommen“.

Er warnt die Unesco vor einem vorschnellen Nein. „Das würde hier niemand verstehen“, sagt er unter dem großen Applaus der Demonstranten. Ein negatives Votum wäre auch ein Rückschlag für die Akzeptanz eines Welterbes. Zudem reist der Welterbe-Beauftragte Walter Schumacher mit dem Angebot zur Unesco, die Talstation vor der Basilika St. Kastor baulich zu verändern.

„Wir stellen uns den besten Kritikern der Welt und sind dialogbereit“, so der Oberbürgermeister. Der Koblenzer Bundestagsabgeordnete Michael Fuchs kann übermitteln, das auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) der Region ihre „diplomatische Unterstützung zusagen“. Denn ein Welterbeprädikat „darf nicht Stillstand bedeuten“. Organisiert hatten die spontane Demonstration der Koblenzer Verband des Hotel- und Gaststättengewerbes und der Verein Freunde der Buga.

Von unserer Redakteurin Ursula Samary