Archivierter Artikel vom 06.07.2010, 10:28 Uhr
Hannover

Schöner spielen unterwegs: iPad als Reisebegleiter

Neidische Blicke sind dem Reisenden sicher, der am Flughafen lässig sein iPad aus dem Handgepäck zieht und die Wartezeit mit einem Film überbrückt. Oder online Zeitung liest. Oder ein bisschen daddelt, in brillanter Auflösung natürlich.

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iPad als Reisebegleiter
Hotelsuche per iPad: Wer zum Beispiel in Hamburg eine Möglichkeit zum Übernachten benötigt, kann sich über Apps eine Reihe von Vorschlägen machen lassen. (Bild: HRS/dpa/tmn)

Die meisten dieser Dinge kann sein Sitznachbar mit einem zeitgemäßen Smartphone zwar ebenfalls erledigen – nur eben nicht so schön. Auch Apps, die sich gezielt an Touristen richten, gibt es inzwischen einige für das iPad. Als Reisebegleiter unverzichtbar ist Appples «Wunderflunder» damit aber nicht – denn sie hat Experten zufolge auch ihre Tücken.

iPad als Reisebegleiter
Das «Hoteldorf Grüner Baum» in Badgastein hat – als nach eigenen Angaben erstes Hotel in Österreich – eigene Apps für das iPad entwickelt. (Bild: Hoteldorf Grüner Baum/dpa/tmn)

«Der große Vorteil des iPads ist sein großer Bildschirm», urteilt Michael Jarugski vom Touristik-Contentprovider Giata in Kassel. Auf der Oberfläche mit ihrer Auflösung von 1024 mal 768 Pixeln ließen sich Informationen ganz anders wahrnehmen als auf dem viel kleineren Handydisplay. «Beim Lesen entsteht viel mehr dieses Buchgefühl». Einige Verlage bieten schon iPad-Versionen ihrer Zeitungen und Magazine an, aus dem «Project Gutenberg» sind Zehntausende alte und deshalb lizenzfreie Bücher kostenlos herunterzuladen, und bei iBooks gibt es immer mehr aktuelle Bücher zu kaufen. Laut Apple-Sprecher Georg Albrecht stehen derzeit mehr als 15 000 Bücher im iBook-Store.

iPad
Auch ohne Internet-Verbindung und ausgeschaltet kann das iPad noch nützlich sein – als Spiegel. (Bild: Remmers/dpa/tmn)

Jörg Wirtgen hat sein iPad schnell als Reisebegleiter schätzen gelernt. Es sei leicht, flach, leise und bleibe kühl, zählt der Ressortleiter Mobil der Computerzeitschrift «c't» auf. Die lange Laufzeit des Akkus reiche auch für Interkontinentalflüge. Und auf die kleinen Klapptische im Flugzeug passt die Multimedia-Tafel ebenfalls.

«Für die zehn Stunden im Flieger in die USA ist es ein tolles Gerät», meint auch Heike Scholz, «und um die Kinder hinten im Auto ruhig zu stellen». Die Herausgeberin des Blogs «mobile zeitgeist» sieht Tablet-Computer als «Lean-Back-Geräte» zum Zurücklehnen und Konsumieren. Auf Reisen seien sie aber «nur bedingt sinnvoll».

«Die Leute wollen unterwegs nicht viel mit sich herumtragen», sagt Scholz. Viele Touristen schleppen aber bei Besichtigungen schon Handy, Fotoapparat und Videokamera. Alle drei kann das iPad nicht ersetzen, man kann mit ihm weder fotografieren noch telefonieren. Auch als Reiseführer würden es nur wenige nutzen, sagt Scholz: «Ich glaube nicht, dass jemand vor dem Kölner Dom sein iPad herausholt, um darüber zu lesen.» Und an den Strand werde das edle Stück sowieso keiner mitnehmen – zu schnell wäre das Display vom Sand zerkratzt.

Zumindest unempfindlicher als Note- und Netbooks dürfte das iPad aber sein, vermutet Jörg Wirtgen. Denn es hat keine Festplatte eingebaut, die bei harten Stößen kaputtgehen kann. Im Flash-Speicher sollten die Daten sicher sein.

Das iPad hat aber auch einige handfeste Nachteile im Vergleich zu herkömmlichen Klapprechnern. So funktioniert der Flash-Player nicht, so dass viele Internet-Anwendungen nicht laufen – zum Beispiel die Liveticker von Fußballspielen. Außerdem fehlt eine USB-Schnittstelle. Ist der interne Speicher voll, kann der Nutzer unterwegs keine Daten auf einen Stick oder eine externe Festplatte auslagern. Wer sich abends auf dem Hotelbalkon die Schnappschüsse der vergangenen Tage anschauen will, muss sich für 29 Euro einen Foto-Adapter kaufen – zusätzlich zum ohnehin stolzen Kaufpreis von 499 bis 799 Euro. Damit lassen sich Fotos oder Videos von der Digitalkamera aufs iPad schaufeln, über USB-Kabel oder direkt von der SD-Speicherkarte.

Wesentlich teurer als solches Zubehör kann den Urlauber allerdings das Surfen per UMTS-Karte kommen – vor allem im Ausland. Der Grund sind zum Teil horrende Roaming-Gebühren der Provider. Zweistellige Euro-Beträge pro Megabyte (MB) seien im Daten-Roaming noch immer an der Tagesordnung, berichtet die «c't». Die EU hat zwar zum 1. Juli eine gesetzliche Obergrenze eingezogen. Pro Abrechnungszeitraum können die Provider nur noch 50 Euro Gebühren fürs Roaming berechnen. Außerhalb der EU gilt dies aber nicht.

Wer sich vor einer bösen Überraschung schützen will, kann sich auf das Surfen per WLAN im Hotel oder im Restaurant beschränken. Oder er kauft sich eine Micro-SIM-Karte im jeweiligen Land. Diese Karten sind in der Regel wesentlich billiger als die Roaming-Tarife deutscher Provider. Wirtgen rät zu Prepaid-Tagesflatrates, um Kostenfallen zu umgehen. Micro-SIM-Karten gebe es in allen Ländern, in denen iPhones und iPads verkauft werden – wenn nicht, könne eine größere SIM-Karte leicht mit der Schere auf das passende Maß zurechtgestutzt werden.

Manche iPad-Anwendungen funktionieren auch ohne Online-Verbindung. Etwa das Navigations-App, das laut Apple-Sprecher Albrecht allein mit dem eingebauten GPS läuft. Oder die Spiegel-Funktion: Dafür muss die Hightech-Tafel nur ausgeschaltet und vors Gesicht gehalten werden.

Weblog «mobile zeitgeist»: www.mobile-zeitgeist.com