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    Schöne Rebellin am Atlantik – La Rochelle ist etwas anders

    La Rochelle (dpa/tmn) - Morgens um sieben ist die Welt noch ganz ruhig. Jedenfalls am Quai Valin in La Rochelle. Die Cafés und Bars, die am Abend so voll waren, dass man sogar auf dem Bürgersteig davor kaum vorwärts kam, sind nun verwaist. Genau wie die Restaurants am Hafenbecken des Vieux Port.

    Tricoilore über Saint Nicolas
    Traditioneller Nationalstolz: Über dem Tour Nicolas weht die Trikolore.
    Foto: Région Poitou-Charentes/Françoise Roch - dpa

    Die Trikolore über dem Tour Nicolas hängt schlaff. Wie still La Rochelle sein kann. Meistens sind hier in der Hafenstadt am Atlantik die Nächte lang und die Tage laut.

    Turmführer auf Saint Nicolas
    Bei den Touren durch den Turm Saint Nicolas verkleidet sich der Turmführer gerne mal in historischer Zunft.
    Foto: Andreas Heimann - dpa

    La Rochelle war schon immer etwas anders. Eigensinnig, selbstbewusst, rebellisch, sagen die Rochelais, wie seine Bewohner heißen. Schon im Mittelalter, als die Stadt durch den Handel mit Salz und Wein reich wurde, ließen sich die Bürger nichts sagen, schon gar nicht vom französischen König. Im Zweifel gehörte man lieber zu England.

    Turm Saint Nicolas
    Der Turm Saint Nicolas lohnt in jedem Fall einen Besuch - von oben bietet sich ein schöner Blick über den Hafen.
    Foto: Andreas Heimann - dpa

    La Rochelle steht heute für die Leichtigkeit des Seins. Mehr als 12 500 Studenten gibt es in der Stadt mit rund 76 000 Einwohnern. Das macht sich abends in den Kneipen, Bars und Restaurants eindrucksvoll bemerkbar: Hier ist jeden Tag viel los.

    Flanieren am Wasser
    Flanieren am Wasser, das geht in La Rochelle ganz ausgezeichnet.
    Foto: Andreas Heimann - dpa

    La Rochelle ist aber auch die Stadt der Segler: Der Jachthafen ist mit 4700 Liegeplätzen einer der größten der Welt. Daran, dass La Rochelle eine Stadt am Meer ist, wird man immer wieder erinnert, nicht nur direkt am Wasser. Eines der größten und populärsten Aquarien Frankreichs ist hier zu Hause.

    Leuchtturm am Quai Valin
    Rund um den Leuchtturm am Quai Valin am Hafen ist es morgens noch ruhig. Abends kommt man auf dem Bürgersteig kaum vorwärts.
    Foto: Andreas Heimann - dpa

    Rund 12 000 Meerestiere gibt es zu sehen. In einem Tunnel aus Glas schweben Quallen auf allen Seiten über und neben einem. Seewolf und Rotbarsch lassen sich beobachten. Mal guckt man durch große Bullaugen in die Unterwasserwelt hinter der Beckenwand, mal läuft man unter den Becken durch, während Fischschwärme über einen hinwegziehen. Ein etwas mulmiges Gefühl ist fast unvermeidbar, wenn ein Stierhai mit seinen drei Reihen scharfer Zähne plötzlich auf einen zuschwimmt.

    Kriegsmuseum «Le Bunker»
    «Le Bunker» heißt das Museum in La Rochelle, in dem Besucher sich über den U-Boot-Krieg im Zweiten Weltkrieg informieren können.
    Foto: Andreas Heimann - dpa

    In der Markthalle von La Rochelle ist ständig Bewegung. Schon davor gibt es Stände mit faustgroßen Tomaten, Bergen von Weintrauben, Mirabellen, Feigen, Pfirsichen, Pflaumen und Avocados. Melonen aus dem Nachbardepartement Vendée, Girolles-Pilze, Bohnen, Kartoffeln. Und Saucisson d'Auvergne, eine Wurstspezialität.

    Marktstände in La Rochelle
    Vor der Markthalle von La Rochelle haben Gemüse- und Obstverkäufer ihre Stände aufgebaut.
    Foto: Andreas Heimann - dpa

    Wer den ersten Schritt in die Markthalle hinter sich hat, steht vor einem noch viel größeren Angebot. Hier geben sich La Rochelles Fischhändler ein Stelldichein. Doraden liegen im Dutzend gefächert auf Eis, neben Thunfisch, Butt und Sardinen. Langusten gibt es, Miesmuscheln für vier Euro das Kilo.

    Yachthafen von La Rochelle
    Maritime Idylle: der Yachthafen von La Rochelle.
    Foto: Andreas Heimann - dpa

    Fünf Minuten vom Markt entfernt findet sich seit rund drei Jahren in der Rue des Dames ein Museum der etwas anderen Art. «Le Bunker» steht über dem Eingang, und auf dem Schild daneben macht eine schwarze Katze einen Buckel. Was soll das? «Die Katze war das Emblem der 3. U-Boot-Flotte, die im Zweiten Weltkrieg in La Rochelle stationiert war», sagt Museumsleiter Hervé Sinquin. Und der Bunker wurde für deutsche Offiziere gebaut. Es gibt dort eine Reihe von historischen Fotos zu sehen - etwa von den Bombardements des U-Boot-Stützpunkts.

    Markthalle von La Rochelle
    Wer kulinarische Spezialitäten mag, ist in der Markthalle von La Rochelle richtig. Hier gibt es zum Beispiel Austern für 6,50 Euro pro Kilo.
    Foto: Andreas Heimann - dpa

    Alle Besucher landen irgendwann am Alten Hafen, dem Wahrzeichen der Stadt. Er ist schon im 13. Jahrhundert angelegt worden. Verpassen kann man ihn nicht, weil die drei Türme, die in seiner unmittelbaren Nähe stehen, von weitem gut zu sehen sind. Das gilt vor allem für den höchsten von ihnen: Saint Nicolas direkt an der Hafeneinfahrt. Der Turm ist unbedingt einen Besuch wert.

    Markthalle mit Obstständen
    Schon bevor der Besucher die Markthalle von La Rochelle betritt, passiert er Stände mit Obst und Gemüse.
    Foto: Andreas Heimann - dpa

    Bei Touren durch den Turm schlüpft der Führer schon mal ins Kostüm und zeigt mit dreiviertellanger Hose, bunter Weste, schwarzem Hut samt gelber Feder, wo die Wachen stationiert waren und die Bewohner durch ein «Mordloch» Steine auf Angreifer werfen konnten. Im obersten Stockwerk kommt man wieder ins Freie. Von dort hat man einen tollen Blick über den Hafen und die Dächer der Altstadt.

    Riesenrad in La Rochelle
    Morgens, wenn La Rochelle gerade erwacht, steht Das Riesenrad am Quai de la Georgette noch still.
    Foto: Andreas Heimann - dpa

    Am Quai Valin ist es inzwischen schon wieder ganz schön laut und trubelig. Und in den umliegenden Straßen im Saint-Nicolas-Viertel auch. Gemütliche kleine Restaurants gibt es viele, fast immer mit Tischen und Stühlen vor der Tür. Und weil es hier trotz der Nähe zum Atlantik abends selten kühl wird, sitzt man entspannt beim Essen draußen - idealerweise mit Blick auf die Schiffsmasten über dem Vieux Port. Schöner kann La Rochelle gar nicht sein.

    Frischer Fisch vom Markt
    Fisch gibt es in der Markthalle von La Rochelle in verschiedensten Ausführungen - und natürlich ganz frisch.
    Foto: Andreas Heimann - dpa

    Informationen zum Urlaub an der Atlantikküste

    Turm von Saint-Sauveur
    Weithin sichtbar ist der Turm der Kirche Saint-Sauveur in La Rochelle.
    Foto: Andreas Heimann - dpa

    Museum "Le Bunker"

    Aquarium von La Rochelle

    Flughafen Nantes Atlantique

    Informationen zur Anreise per Bahn

    Touristische Informationen zu La Rochelle

    Informationen zu den Sehenswürdigkeiten in La Rochelle

    La Rochelle

    Reiseziel: La Rochelle liegt im Departement Charente-Maritime an der Atlantikküste.

    Anreise: Die Stadt ist gut mit dem Auto zu erreichen. Nach Paris sind es rund 470, nach Straßburg 950 Kilometer. Der nächste größere Flughafen ist Nantes Atlantique. Verbindungen von dort gibt es etwa nach München, Düsseldorf und Berlin. Von Nantes bis La Rochelle sind es knapp 150 Kilometer. Der Zug braucht ab Paris etwa drei Stunden.

    Reisezeit: Während der französischen Schulferien ist es in La Rochelle oft voll, weil viele Franzosen am Atlantik Urlaub machen. Besser sind Frühjahr und Frühsommer sowie die Zeit nach August.

    Informationen: Office du Tourisme de La Rochelle, 2 Quai Georges Simenon, 17 000 La Rochelle (E-Mail: accueill@larochelles-tourisme.com, Internet: www.tourismus-larochelle.com)

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