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Schlechte Laune bei den Turnern trotz Platz drei

Am Reck haben die deutsche Turner bei der EM einen Rückschlag einstecken müssen. Dennoch stehen die Chancen auf die erste Team-Medaille seit acht Jahren nicht schlecht.

Pech
Marcel Nguyen stürzte beim Barren-Abgang. Foto (Archiv): Catalin Soare
Foto: Catalin Soare – dpa

Glasgow (dpa). Marcel Nguyen fand in einer unruhigen Nacht nur zwei Stunden Schlaf, Andreas Bretschneider grübelte auch 14 Stunden nach dem Wettkampf über seinen „Flüchtigkeitsfehler“ – selten sah man deutsche Turner nach einem dritten Platz mit solch langen Gesichtern.

Nach der Qualifikation und dem souverän gesicherten Platz im Teamfinale der EM von Glasgow fand sich die Riege kurz vor Mitternacht noch im Raum des Physiotherapeuten zur Aufarbeitung zusammen.

„Klar, ich kann mich jetzt kurz ärgern und traurig sein. Aber wichtig ist es doch, dass wir am Samstag angreifen und um die Medaille kämpfen“, sagte Bretschneider nach der „übelsten Klatsche“: Der Sportsoldat aus Chemnitz war mit großen Hoffnungen am Reck gestartet, brachte alle seine Flugteile sicher über die Stange – doch dann patzte er kurz vor Schluss bei einem der leichteren Elemente. „Das ist mir im Trainingslager einmal passiert, da habe ich es als Flüchtigkeitsfehler abgetan. Das darf einfach nicht sein“, kommentierte er.

Von den Schwierigkeiten her gilt das Reck weiter als Topgerät der Deutschen, doch der Absturz auf Platz 16 am Königsgerät dämpfte beträchtlich die Stimmung vor dem Medaillenkampf. Auch der sonst so zuverlässige Olympia-Held Andreas Toba konnte seinen Absturz bei dem nach dem Kroaten Moznik benannten Flieger kaum fassen: „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich dieses Teil mal im Wettkampf verturnt habe. Im Training ist es bei 50 oder 100 Fällen vielleicht einmal passiert“, bedauerte Toba.

Obwohl auch Marcel Nguyen mit seiner Reckleistung nicht zufrieden war, haderte der 30 Jahre alte Routinier doch viel mehr mit seinem Barren-Abgang. Obwohl er angesichts von zwei Final-Einzügen am Boden und den Ringen auch viel Grund zur Freude gehabt hätte. „Ich würde die zwei Finals gern gegen das am Barren tauschen“, sagte er. Seine Medaillenchancen wären an seinem Spezialgerät, an dem er schon zweimal Europameister war, größer gewesen. So setzt auch der Unterhachinger zunächst alle Energie in ein erfolgreiches Team-Finale.

„Wir sind eine coole Truppe, wir unterstützen uns, wo es nur geht“, bekräftigte Toba. „Und auch die anderen Mannschaften haben nur Menschen am Start und keine Maschinen“, sagte er und fügte – nicht ganz ernst gemeint – hinzu: „Obwohl ich mir bei den Russen da nicht so sicher bin.“ Klar dominierte Russland die Qualifikation und dürfte im Finale nicht zu gefährden sein.

Als einziger Turner der deutschen Riege konnte Nils Dunkel schmunzeln, der am Barren völlig überraschend ins Finale einzog. „Wenn Marcel erster Ersatz gewesen wäre, hätten wir diskutieren können, ob ich ihm den Platz überlasse. Aber so geht das nicht“, sagte er. Im Finale sieht er aber realistischerweise kaum eine Medaillenchance. „Wenn alle anderen vor mir runtergefallen sind, könnte ich meine Übung etwas leichter turnen“, scherzte der Erfurter.

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