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Whistler

«Schatten auf Spiele»: Eiskanal Mahnung an Sotschi

dpa

Dem Jubel folgte die Erleichterung. Als Bobpilot Steven Holcomb (USA) aus seinem Gold-Vierer stieg, fanden die schweren Wochen im Whistler Sliding Centre endlich ein Ende. Erst der Todessturz des Rodlers Nodar Kumaritaschwili, dann die Unfallserien bei den Zweier- und Viererbobs.

Trauerort
Blumen schmücken den Ort, an dem Rodler Nodar Kumaritashvili ums Leben kam.

Die acht olympischen Entscheidungen auf dem in Verruf geratenen Hochgeschwindigkeitskurs gerieten angesichts immer neuer Negativ-Schlagzeilen fast zur Nebensache. Nach mehreren 100 Fahrten, Dutzenden Stürzen und vielen Schrecksekunden steht das Millionen-Projekt angesichts des ramponierten Images vor einer ungewissen Zukunft. Mehr noch: Whistler wird zur Mahnung für die Winterspiele in vier Jahren in Sotschi.

«Natürlich wirft der Tod von Nodar Kumaritaschwili einen Schatten auf diese Spiele», erklärte IOC-Präsident Jacques Rogge kurz vor dem Olympia-Abschluss. Auch an der Bahn, an der der erst 21-Jährige aus der Bahn geschleudert und gegen einen Stahlträger geprallt war, war die Erinnerung an das grausige Geschehen immer präsent. Blumen und zwei Teddy-Bären schmückten auch am letzten Wettkampftag die Stelle, wo der junge Georgier kurz vor der Eröffnung ums Leben gekommen war. Jeder Schlitten, jeder Bob passierte den Unfallort, doch ansonsten machten die meisten Sportler, wissend um die Gefahren ihres Rennsports, einen Bogen um den traurigen Ort. «Ich habe das tunlichst vermieden, dort hinzugehen», gestand der viermalige Bob-Olympiasieger André Lange. «So etwas kann sich ja im Kopf festsetzen.»

Nach dem Todessturz hatten die Verantwortlichen reagiert und die Rodel-Rennen von deutlich niedrigeren Höhen gestartet. Mit Erfolg: Nur ein einziger Sturz wurde in den drei Olympia-Wettbewerben registriert, auch die enormen Geschwindigkeiten wurden reduziert. So erzielte Gold-Fahrer Felix Loch Tempo 147,5, auf der längeren Strecke waren Werte von mehr als 155 Stundenkilometern erwartet worden. Ohne größere Zwischenfälle verliefen auch die Skeleton-Wettbewerbe.

Doch mit den Bobs kamen die Sorgen zurück. Ein heftiger Schlag, dann Geknirsche – schon wieder schlingert ein Schlitten kopfüber die Bahn hinunter. Allein im Training der kleinen Männer-Schlitten gab es 14 Stürze, Favoriten wie der Schweizer Beat Hefti mussten vorzeitig die Segel streichen. Bei den Frauen dominierte vor allem ein Bild die Szenerie: Romy Logsch hilflos im Eiskanal, herumgeschleudert wie ein verlorenes Ersatzteil – das wird eines der Bilder dieser Winterspiele bleiben. Im Viererbob konnte selbst Lange nur mit Mühe einen Crash vermeiden. «Man sollte halt vermeiden, irgendwelche Rekorde aufstellen zu wollen», sagte Pilot Thomas Florschütz.

Nun kehrt Ruhe ein; die Verantwortlichen haben Zeit, an den Schwachstellen zu arbeiten. Für den kommenden Winter war ohnehin kein Rodel-Weltcup an der Olympia-Bahn geplant. Doch mit Blick auf die stets geforderte Nachhaltigkeit sind Nachbesserungen unumgänglich. «Es gibt verschiedene Überlegungen, die Bahn auch künftig für Rennrodel-Wettbewerbe zu nutzen», erklärte Sprecher Wolfgang Harder vom Weltverband FIL. So könnten etwa die hohen Geschwindigkeiten durch weitere bauliche Maßnahmen reduziert werden. Für die 2013 geplante WM ist erneut ein tieferer Startpunkt denkbar.

Die Olympia-Macher blicken derweil schon auf ihr nächstes Winter- Großereignis. «Wir haben Sotschi gebeten, bitte sorgt für eine sichere Bahn. Sicherheit ist unser oberstes Gebot», betonte Rogge, «das IOC hat nie nach mehr Tempo verlangt. Das ist nicht unsere Philosophie.» Die Höchstgeschwindigkeiten der Bobs betrugen in Whistler mehr als 153 Stundenkilometer. 2014 in Sotschi soll ein «Tempolimit» von 135 km/h gelten. Hoffentlich.

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