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Russland setzt auf Zwillinge „Aljoscha und Antoschka“

Das einzige, was Russlands populärstes Kickerduo trennt, sind zehn Minuten bei der Geburt. Sonst aber sind die Mirantschuks kaum auseinanderzuhalten. Bringt die WM ihren Durchbruch?

Alexej Mirantschuk
Alexej Mirantschuk (r) beim Trainingsduell mit Roman Neustädter.
Foto: Alexander Vilf/Sputnik – dpa

Moskau (dpa). Russlands Fußball-Hoffnung heißt Mirantschuk – und es gibt sie gleich doppelt. Gestatten: Alexej und Anton Mirantschuk, Zwillinge, beide 22 Jahre alt, haben mit Lokomotive Moskau gerade den Ligatitel gewonnen und wollen nun bei der WM international auf sich aufmerksam machen.

Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow hält große Stücke auf das Duo. Beim WM-Auftakt an diesem Donnerstag gegen Saudi-Arabien wollen die Brüder gemeinsam auf dem Platz stehen.

„Das wäre eine große Ehre“, sagt Alexej. Und der zehn Minuten jüngere Anton ergänzt: „Wir akzeptieren aber auch, wenn andere spielen.“ Sportlich ehrgeizig, spielerisch flink – und nach außen bescheiden: Nicht nur Fans vom Eisenbahnerclub Lokomotive lieben mittlerweile „Aljoscha“ und „Antoschka“, wie die Brüder mit Kosenamen heißen. „Sie haben Manieren und die richtige Einstellung. Damit können sie weit kommen“, sagt der frühere Nationalspieler Dmitri Sytschow.

Dabei ist es nicht lange her, dass nicht einmal Loko-Sportchefin Olga Smorodskaja die Zwillinge auseinander halten konnte. Sie gratulierte Anton nach einem Pokalspiel für ein wichtiges Tor, das in Wirklichkeit Alexej geschossen hatte. Seitdem nahm die Karriere der Brüder einen steilen Aufstieg – zu dem es fast nicht gekommen wäre, wie Alexej einmal dem russischen Fernsehen erzählte. „Als es darum ging, was wir außer der Schule noch machen sollten, wollte uns unsere Mutter Jelena zum Tanzen schicken. Wir haben ihr das ausgeredet.“

Alles beginnt in Slawjansk-na-Kubani im Süden Russlands. In der Stadt mit rund 60.000 Einwohnern werden die Mirantschuk-Brüder am 17. Oktober 1995 geboren. Weil sie „zu schwächlich“ sind, schickt Spartak Moskau die beiden 15-Jährigen weg. Doch Stadtrivale Lokomotive erkennt ihr Können und lässt die beiden mitspielen. Während Alexej schnell Fortschritte macht, wechselt Anton zu Levadia Tallinn nach Estland, um Spielpraxis zu sammeln. „Dort bin ich gereift“, sagt er.

Anton kehrt mit 14 Saisontoren und neun Vorlagen 2016 zu Lokomotive zurück und sorgt dort zunächst für Missverständnisse. „Wir wurden ständig verwechselt – sogar von Trainer Juri Sjomin“, sagt Alexej. Vier Monate später stehen die Brüder erstmals zusammen in der 1. Liga auf dem Platz. Von da an sind sie auf dem Spielfeld nahezu unzertrennlich. Während Alexej hinter der Spitze spielt, ist Anton der Vorbereiter. Er legte Alexej vier seiner sieben Saisontore auf.

Zwillinge im Fußball – das gibt es auch in Deutschland: ob Helmut und Erwin Kremers oder Lars und Sven Bender. Auch in Russland ist es kein ganz seltenes Phänomen. Kyrill und Dmitri Kombarow spielen einst bei Spartak Moskau und Wassili und Alexej Beresuzki bei Stadtrivale ZSKA. Die Beresuzkis prägten sogar länger als ein Jahrzehnt das Spiel der Nationalmannschaft und absolvierten gemeinsam fast 160 Länderspiele.

„Die Mirantschuks haben ihren Anteil am Meistertitel“, meint Lokomotives deutscher Sportdirektor Erik Stoffelshaus. „Schön, dass sie bereits Verantwortung übernehmen.“ Von Mitspielern werden die Brüder schon einmal verwechselt – bei Mädchen passiere dies aber nicht, erzählt Alexej. „Zu einem Treffen mit Antons Freundin Xenia bin ich einmal hingegangen, sie hatte mich vorher noch nicht gesehen.“ Geklappt habe der Gag aber nicht, räumt er ein. „Sie hat den Trick durchschaut, noch bevor ich nur ein Wort sagen konnte.“

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