Archivierter Artikel vom 17.03.2011, 15:32 Uhr
Gelsenkirchen

Rückkehr von Rangnick – Rosenkrieg mit Magath

Nur einen Tag nach der Trennung von Felix Magath hat der FC Schalke 04 mit der spektakulären Rückkehr von Trainer Ralf Rangnick für einen weiteren Paukenschlag gesorgt. Wie der Revierclub bestätigte, erhält der 52 Jahre alte Fußball-Lehrer einen Vertrag bis 2014.

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Rückkehr
Ralf Rangnick war bereits von September 2004 bis Dezember 2005 bis Trainer bei Schalke 04.
Foto: DPA

Rangnick, der bereits vom 28. September 2004 bis 12. Dezember 2005 Chefcoach in Gelsenkirchen war, wird bereits am kommenden Montag vorgestellt. Während die wichtigste Personalie überraschend schnell geklärt war, ging im Hintergrund der Rosenkrieg mit Magath in die nächste Runde.

Rangnick wird erstmals am 1. April im Auswärtsspiel beim FC St. Pauli auf der Bank sitzen. Bei Bayer Leverkusen am Sonntag betreut noch Magaths Assistent Seppo Eichkorn die Mannschaft. Nach dem Rauswurf von Trainer und Manager Magath am Mittwoch machte der zum alleinigen Sportvorstand aufgestiegene Horst Heldt schnell Nägel mit Köpfen und den Deal mit Rangnick perfekt, der erst am 1. Januar bei 1899 Hoffenheim das Handtuch geworfen hatte.

Rangnick, dessen Ehrenrunde im Dezember 2005 vor dem Schalker Heimspiel gegen Mainz noch in Erinnerung ist und schließlich im Rauswurf durch den damaligen Manager Rudi Assauer mündete, erhält nun seine zweite Chance auf Schalke. «Ich kenne ihn ganz gut», sagte der 41-jährige Heldt. «Er hat ja auch in Stuttgart gearbeitet und dort seine Handschrift hinterlassen. Dort hat er ein Jugendkonzept entwickelt, von dem der Verein noch heute profitiert», sagte Heldt. Mit dem neuen Chef will er nun möglichst schnell die Kaderplanung für die nächste Saison in Angriff nehmen. «Wir brauchen einen Trainer, der zum FC Schalke passt und der die Werte des Clubs mitträgt.»

Auch kurzfristiger Erfolg ist nötig. «In der Bundesliga ist es noch kritisch. Da sind wir noch nicht über dem Berg», sagte Heldt. Zudem erwarten Rangnick, der Schalke in seiner ersten Amtszeit zur Vizemeisterschaft und ins DFB-Pokalfinale führte, nach sechs Jahren in Hoffenheim große Aufgaben. Am Freitag wird Schalke in Nyon der Gegner für das Champions-League-Viertelfinale zugelost. Zudem steht der Club im Pokal-Endspiel am 21. Mai gegen den Zweitligisten MSV Duisburg.

Vorwürfe, Dementis, Winkelzüge – unabhängig von der raschen Klärung der Trainerfrage droht dem Verein eine juristische Schlammschlacht mit Vorgänger Magath. Vor allem die verblüffende Maßnahme des entmachteten Alleinherrschers, nur wenige Stunden nach seiner Abberufung am Mittwoch selbst zu kündigen, sorgte für Rätselraten. Erste Vermutungen, er wolle damit klein beigeben und auf eine millionenschwere Abfindung verzichten, dementierte der scheidende Trainer vehement. «Von einem Schuldeingeständnis bin ich ganz weit entfernt. Ich habe mir nämlich nichts zuschulden kommen lassen», sagte Magath dem «Kicker». «Mein Vertrag beinhaltete ein Sonderkündigungsrecht, das ich unter diesen Umständen nutzen konnte.»

Der arbeitsrechtliche Kniff könnte sich für Magath lohnen. Dem Vernehmen nach beinhaltet sein Vertrag einen Passus, wonach ihm nach der Abrufung als Vorstandsmitglied im Falle einer eigenen Kündigung eine millionenschwere Abfindung zusteht. Doch Aufsichtsratschef Tönnies sieht einem möglichen Verfahren «gelassen entgegen»: «Durch das heutige Verhalten von Felix Magath fühlen wir uns bestätigt und stellen fest, dass er keine Ansprüche mehr gegen den FC Schalke 04 hat.»

Dieser in der Bundesliga-Geschichte einmalige Vorgang dokumentiert das zerrüttete Verhältnis. Anders als in üblichen Fällen, bei denen Trainer allein aus sportlichen oder zwischenmenschlichen Gründen geschasst werden, geht es auf Schalke angeblich um finanzielle Verfehlungen eines zum Alleinherrschers beförderten Fußball-Lehrers. Nach Informationen der «Bild» liegen dem Aufsichtsrat zwei Rechtsgutachten vor, die Magath belasten. Das Anfertigen der Expertisen könnte eine Erklärung dafür sein, warum der Club die schon vor Tagen beschlossene Trennung so lange herausgezögert hat.

In diesen Gutachten soll es um Prämienzahlungen in Höhe von rund drei Millionen Euro an die Profis für das Erreichen der Champions League und um rund vier Millionen Euro teure Nebenabsprachen mit Spielerberatern gehen. Mit Verweis auf die drohende juristische Auseinandersetzung wollte Tönnies zu diesen Vorwürfen nicht konkret Stellung nehmen, unterstellte Magath aber, schlecht gewirtschaftet zu haben. «Dass die Kaderkosten nachhaltig gesenkt worden seien, halte ich für eine Behauptung von jemandem, der vielleicht nicht ganz genau hingeschaut hat.»

Magath wehrte sich gegen die Behauptungen. «Meines Wissens sind alle Transfers von mir und meinen Mitarbeitern korrekt abgewickelt worden. Ich habe immer alles mit Clemens Tönnies besprochen, der für Transfers mein Ansprechpartner war», sagte Magath dem Online-Magazin stern.de.

Gut möglich, dass den Bossen bei der momentan anstehenden Zusammenstellung der Lizenzunterlagen die Augen geöffnet wurden. «Wir mussten jetzt handeln, denn wir bewegen uns innerhalb bestimmter Fristen», begründete Tönnies das Aus für Magath. Viele Beobachter werten das als Indiz, dass der Aufsichtsrat damit verhindern wollte, sich strafrechtlich angreifbar zu machen. Schließlich ist es Aufgabe des Gremiums, auf Satzungsverstöße des Vorstandes in einem festgelegten Zeitraum zu reagieren.