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Düsseldorf

Rogge: «Keine Junioren-WM veranstalten»

dpa

Für Jacques Rogge sollen die Olympischen Jugendspiele, die am 14. August in Singapur aus der Taufe gehoben werden, ein Vermächtnis seiner 2013 endenden Amtszeit werden.

Initiator
IOC-Präsident Jacques Rogge sieht die Olympischen Jugendspiele als sein Vermächtnis.

Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) will mit diesem bis 26. August dauernden Sportgroßprojekt für 14- bis 18- Jährige eine Rückbesinnung auf die olympischen Werte und Ideale wie Fair Play und Freundschaft erreichen. Zudem soll das Interesse der Jugend für Olympia wieder neu geweckt werden.

Was sind die Beweggründe für die Etablierung der Olympischen Jugendspiele? Wird es eine neue Leistungsschau für Jugendliche?

Rogge: «Es würde keinen Sinn machen, die Jugendspiele genauso wie Junioren-Weltmeisterschaften zu organisieren. Wir haben deshalb ein Kultur- und Erziehungsprogramm hinzugefügt. Den Jugendlichen im kritischen Alter von 14 und 18 Jahren sollen die Fertigkeiten und Werkzeuge für ihre zukünftige Karriere an die Hand gegeben werden. Wir wollen ihnen abseits der Wettbewerbe die olympischen Werte wie Respekt, Fair Play und Freundschaft genauso nahebringen wie soziale Werte: die Erhaltung der Umwelt, den Respekt vor dem Anderen oder die Vermeidung von Verletzungen und dass sie sich fortbilden müssen, da die Karriere irgendwann einmal zu Ende geht.»

Glauben Sie nicht, dass die Jugendspiele-Teilnehmer mit besonderem Eifer und Ehrgeiz in die Wettbewerbe gehen werden?

Rogge: «Die Jugendlichen sind gut trainiert. Sie müssen aber für die Olympischen Jugendspiele nicht doppelt soviel trainieren. Außerdem haben wir aufgepasst, dass die Qualifizierungsnormen nicht zu hoch sind, so dass die jungen Athleten nicht so viel Druck haben. Zudem trennen wir die Zeit für das Erziehungsprogramm von der für die Wettkämpfe. Da wird es eine gute Balance geben, davon bin ich überzeugt.»

Ursprünglich wollten Sie keine Nationalhymnen und -flaggen bei den Siegerehrungen haben. Warum haben Sie das geändert?

Rogge: «Wer am meisten gedrängt hat, dies zu ändern, war der frühere IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch. Er sagte mir: Du brauchst Flaggen und Hymnen. Es war meine Idee, nur die olympische Fahne und die olympische Hymne bei Zeremonien zu haben. Als ich es vorschlug, sagte Samaranch jeden Monat: Nein, nein, nein. Du brauchst die olympische Tradition. Und so dachte die Mehrheit im IOC. Ich bin Demokrat und Realist und habe es geändert.»

Wie wichtig ist der Wettkampf, wie wichtig das Erziehungsprogramm?

Rogge: «Ich denke, es wird 50:50 sein. Wir wollen die jungen Leute auf die zukünftige Karriere vorbereiten. Für den Wettbewerb leben sie, und er vereint sie. Noch einmal: Wir wollen keine Junioren-WM.»

Das IOC will die olympischen Werte vermitteln, Jugendliche und Kinder zum Sporttreiben animieren. Es sind aber nur rund 3600 Athleten am Start. Wie soll diese Mission gelingen?

Rogge: «Wir haben eine große Fernsehresonanz. Junioren-Wettkämpfe sind für die Medien normalerweise nicht attraktiv. Ich finde es ein wenig unfair, aber das ist die Realität. Deshalb ist es sehr erfreulich, dass wir Verträge mit etwa 150 Fernsehanstalten auf der ganzen Welt abgeschlossen haben. Darüber hinaus haben wir im Internet eine Community über Facebook, YouTube oder MySpace geschaffen und bereits 3,5 Millionen Fans der Jugendspiele in Facebook. Es sind also weitaus mehr junge Menschen, die wir erreichen.»

US-Präsident Barack Obama und Fußball-Weltverbandspräsident Joseph Blatter nutzen Twitter? Sie auch?

Rogge: «Ich bin nicht so wichtig wie Mister Obama oder Sepp Blatter. Heute mache ich es nicht, aber vielleicht morgen. Niemand wartet im Moment darauf, dass ich es mache.»

Macht das IOC einen finanziellen Gewinn oder Verlust mit den Jugendspielen?

Rogge: «Das Geld für die Spiele kommt von den Fernsehanstalten und Sponsoren. Wir halten die Kosten so gering wie möglich, nutzen vorwiegend vorhandene Sportanlagen. Im Augenblick machen wir keinen Profit. Wir organisieren die Spiele nicht, um Geld zu machen.»

Neue Sportarten gibt es bei den Jugendspielen nicht, nur ein paar Neuheiten wie eine Art Street-Basketball. Warum so zögerlich?

Rogge: «Wir wollen ein Programm machen, das für junge Leute attraktiv ist. Und es gibt Mixed-Wettbewerbe und anderes. Bei der ersten Ausgabe der Spiele wollen wir aber auch gut in der Organisation sein und keine Fehler machen. Deshalb haben wir uns erstmal für ein traditionelleres Programm in Anlehnung an die großen Olympischen Spiele entschlossen.»

Könnten die Jugendspiele zum Experimentierfeld für die «großen» Spiele werden?

Rogge: «In der Zukunft werden wir definitiv Sportarten bei den Jugendspielen ausprobieren, um sie später vielleicht bei den traditionellen Spielen einzubauen. Sie könnten ein gutes Labor dafür sein, wie solche neuen Sportarten akzeptiert werden.»

Es gibt ein Anti-Doping-Programm bei den Jugendspielen mit rund 1000 Tests. Was wäre, wenn es einen positiven Test gäbe?

Rogge: «Es wird wie bei den traditionellen Spielen getestet. Und wenn es einen positiven Test gibt und der Athlet für schuldig befunden wird, dann würde er sanktioniert und vom IOC disqualifiziert. Doch bevor die Wettkämpfe beginnen, starten wir schon mit der Anti-Doping-Prävention. Wir werden dem Athleten aber auch eine Rehabilitierungsmaßnahme anbieten, bei der er erkennen kann, dass er einen Fehler gemacht hat und er es nicht wieder tun sollte.»

Interview: Andreas Schirmer und Ignacio Naya, dpa

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