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    Buenos Aires

    Risiko-Wahl 2020 – IOC in Erklärungsnot

    Japans Prinzessin Takamado will ihr kaiserliches Lächeln einsetzen, Spaniens Kronprinz Felipe seinen royalen Charme - die Türkei bringt ihren Nachwuchs mit.

    Kandidat
    Tokio möchte endlich wieder Olympische Spiele ausrichten dürfen.
    Foto: Kimimasa Mayama - DPA

    In den letzten Stunden vor der Vergabe der Olympischen Spiele 2020 am Samstag boten Tokio, Madrid und Istanbul all ihre Attraktionen auf, um noch unentschlossene Wähler für sich zu gewinnen. Die 125. IOC-Vollversammlung steht vor der Frage, welches Risiko am geringsten erscheint. Gegen 22.00 Uhr wird IOC-Präsident Jacques Rogge den glücklichen Gewinner im Hilton-Hotel in Buenos Aires ausrufen. Ein Sieg Istanbuls würde das Ringe-Spektakel erstmals in die muslimische Welt bringen, Tokio oder Madrid wären ein Votum für politische Sicherheit.

    Mit einem säuerlichen Lächeln versuchte Rogge die berechtigte Kritik an allen drei Bewerbungen zu entkräften. Team Tokio versucht seit Tagen, die verschärften Probleme in der Atomruine Fukushima zu verharmlosen - vergeblich. Hochverstrahltes Wasser aus undichten Kühlwassertanks sickert in den Pazifik, auf dem Gelände werden teils tödliche Strahlenwerte gemessen. Madrid findet keine überzeugenden Argumente gegen Spaniens Wirtschaftskrise und eine Arbeitslosenquote von 26,3 Prozent. Und Istanbuls Olympia-Träume werden vom Bürgerkrieg im benachbarten Syrien und von inneren Unruhen belastet.

    Es seien keine Risiko-Spiele, so Rogge, in sieben Jahren könne viel passieren, aber tatsächlich ist die Wahl für viele Olympier diesmal eine Qual. «Wo sollen wir denn hingehen? Keine der Bewerbungen ist ohne Risiko», fragte IOC-Spitzenfunktionär Richard Pound stellvertretend für viele seiner Kollegen. Zuletzt hatten die IOC-Mitglieder 1981 eine ähnlich dürftige Auswahl, als sie sich zwischen Nagoya und dem späteren Gewinner Seoul entscheiden mussten.

    Immerhin hat der Milliardenpreis Olympia 2020 den Kandidaten verheißungsvolle Versprechen entlockt. «Die olympische Bewegung für immer verändern», haben alle in ihrem PR-Repertoire. Die Olympia-Planer von Tokio, 1964 schon einmal Olympia-Gastgeber, versuchten lange, die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe 2011 positiv für sich zu nutzen. Die Spiele würden der Nation nach dem Schrecken Kraft und Hoffnung spenden, war die Botschaft - davon ist die Delegation um Premierminister Shinzo Abe inzwischen ein Stück weit abgerückt. Abe reiste wie sein spanischer Kollege Mariano Rajoy und der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan direkt vom G-20-Gipfel in St. Petersburg aus in die argentinische Hauptstadt.

    Tokios Gouverneur Naoki Inose betonte bei jeder sich bietenden Gelegenheit, die Radioaktivität in der 35 Millionen Einwohner zählenden Region sei die gleiche wie in London, Paris oder New York. «Entdecke das Morgen» ist der Slogan der Japaner, die bei ihrer dritten Bewerbung auf ihr kompaktes Sportstättenkonzept setzen. 85 Prozent der Wettkampfstätten liegen in einem Radius von gerade einmal acht Kilometern zum olympischen Dorf.

    Tokio und Madrid gehen mit ihren Kompaktkonzepten als Favoriten in die Abstimmung, die von zwei Deutschen mitentschieden wird. Neben IOC-Vize Thomas Bach wählt auch Claudia Bokel, die Vorsitzende der IOC-Athletenkommission. Von den derzeit 103 Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) werden 101 zum Votum erwartet. Der Ägypter Mounir Sabet ist unter anderem wegen Geldwäsche unter Hausarrest, der finnische Eishockey-Spieler Saku Koivu sagte aus persönlichen Gründen ab.

    Die Werbekampagnen sollen die Städte mehr als 100 Millionen Dollar gekostet haben. Umso mehr waren in den letzten Stunden vor den jeweils 45-minütigen Abschluss-Präsentationen die Frontmänner gefragt. Das feudale IOC-Hotel wurde zum Laufsteg der A-Prominenz. Spaniens Königssohn Felipe entpuppte sich dabei einmal mehr als Liebling der IOC-Funktionäre. Die Low-Budget-Kandidatur der Madrilenen in Höhe von 1,9 Milliarden Dollar verkaufte auch er notgedrungen als Gegenentwurf zum olympischen Gigantismus.

    Istanbul hat 19,2 Milliarden Dollar veranschlagt für das Vorhaben, im fünften Anlauf endlich Olympia-Gastgeber zu werden. Vor sechs Monaten waren die Türken noch aussichtsreichster Anwärter auf den Hauptgewinn. Geopolitische Gründe und eine Olympia-Premiere auf zwei Kontinenten sprachen für die mehr als 3000 Jahre alte Stadt am Bosporus. Gewalttätige Anti-Regierungskundgebungen, die explosive Lage in Syrien und der Dopingskandal mit mehr als 30 überführten Athleten drängten die Metropole in die Rolle des Underdogs.

    Ein ungewöhnlicher Schachzug soll Istanbul am Samstag Sympathiepunkte und Stimmen bringen. 50 Talente unter 25 Jahren werden mit der Delegation einmarschieren, als lebendes Bild für die junge Generation der Türken - die Hälfte der Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt. Es käme sehr darauf an, wie die Kandidaten ihre Herausforderungen adressieren und welche Lösungen sie anbieten würden, sagte Bach dem ARD-Hörfunk. «Ich beneide keinen der Drei.»

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