Archivierter Artikel vom 20.07.2011, 08:46 Uhr
Shanghai

«Riese» Yao Ming tritt ab – «Ein bisschen früh»

Verletzungen haben Yao Ming in die Knie gezwungen. Chinas erfolgreichster Basketball-Export verkündete in Shanghai seinen Abschied. Der Tag sei «ein bisschen zu früh» gekommen, sagte Yao. Das bevölkerungsreichste Land der Erde fieberte mit.

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Abschied
Yao Ming (r) gibt in Shanghai inmitten seiner Familie offiziell seinen Rücktritt bekannt.
Foto: DPA

Auf seinen Abschied hat sich Yao Ming 18 Jahre vorbereitet. «Als ich mit dem Spielen anfing, sagten meine Eltern: 'Geb dein Bestes, aber eines Tages kommt das Ende, und du solltest auf deinen nächsten Schritt vorbereitet sein», erzählte der 2,29 Meter große Center bei der Verkündung seines Rücktritts in seiner Heimatstadt Shanghai. «Also habe ich mich auf diesen Tag 18 Jahre vorbereitet – obwohl der heutige Tag ein bisschen zu früh kommt.»

Der 30-jährige Yao hatte sich zu seiner Pressekonferenz emotionale Unterstützung mitgebracht. Frau Ye Li, Tochter Yao Qinlei, Mutter Fang Fengdi und Vater Yao Zhiyuan standen dem Center der Houston Rockets bei – außerdem 200 Journalisten. Der Staatssender CCTV übertrag das Event live.

«Basketball hat mir soviel gegeben. Es hat mich auf eine höhere Ebene gebracht, um meine Fähigkeiten entfalten zu können», sagte der erfolgreichste Basketball-Export Chinas, den verletzungsbedingte Rückschläge in die Knie gezwungen haben.

2002 war Yao in die nordamerikanische Basketball-Profiliga (NBA) gewechselt. Als erster Ausländer wurde der stets zurückhaltende «Riese» bei der Talentbörse («Draft») an erster Stelle von den Houston Rockets gewählt. Sein Debüt verlief jedoch miserabel: Yao gelangen lediglich zwei Rebounds, zweimal verlor er den Ball – und in elf Spielminuten brachte er keinen Korb zustande.

Sein Potenzial konnte er später zumindest teilweise entfalten. Die «chinesische Mauer» – wie ihn manche Medien ehrfürchtig tauften – erhielt acht Berufungen für das Allstar-Game der Ligabesten. Das Verletzungspech blieb Yao jedoch treu. Seit 2005 verpasste er mehr als 250 Partien.

Zuletzt hatte sich der Mann mit der Rückennummer 11 am 16. Dezember einen Ermüdungsbruch im Sprunggelenk zugezogen. Anschließend versuchte er vergebens, wieder fit zu werden. Am Ende stehen in Yaos Bilanz: 486 NBA-Partien in neun Jahren mit einer durchschnittlichen Ausbeute von 19,0 Punkten und 9,2 Rebounds.

Während seiner US-Zeit diente Yao als Bindeglied zwischen der besten Basketball-Liga der Welt und dem bevölkerungsreichsten Land der Erde. Durch ihn wurde Basketball zum «globalen Spiel» – und erschloss einen neuen Markt: China wurde zum größten ausländischen Geschäft der NBA. Liga-Boss David Stern zeigte sich entsprechend betroffen von Yaos Abschied. «Er war ein Beleg für die Globalisierung unseres Spiels», erklärte Stern. «Er war eine Brücke für die Basketball-Fans zwischen China und den USA.»

Seine Zukunft lässt sich Yao nun offen – er will aber auf jeden Fall weiter humanitäre Projekte in seiner Heimat unterstützen. Auf die im Scherz gestellte Frage eines niederländischen Journalisten, ob er denn dessen Nationalteam trainieren wolle, sagte der 30-Jährige: «Coaching ist kein leichter Job. Ich besitze ja schon die Shanghai Sharks, und das hält mich auf Trab.» Dann schob Yao milde hinterher: «Aber ich wünsche ihrer Mannschaft viel Glück.»