Archivierter Artikel vom 16.03.2011, 15:12 Uhr
Bochum

Richter erhöhen Druck im Fußball-Wettskandal

Anrufe in der Kabine, Kontrollen von der Seitenlinie: Im Bochumer Prozess um Europas größten Fußball-Wettskandal wird immer deutlicher, mit welchen Mitteln die Wettbetrüger Druck auf bestechliche Spieler und Mittäter ausgeübt haben.

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In einem heimlich abgehörten Telefonat, in dem es um mutmaßlich manipulierte Jugend- und Regionalligaspiele sowie Wetteinsätze in Asien geht, hieß es zum Beispiel wörtlich: «Wenn das nicht klappt, wollen die Schlitzaugen Namen und Adressen haben.»

Von einer echten Bedrohung wollten die vier Angeklagten vor dem Bochumer Landgericht allerdings nicht sprechen. «Das wurde einfach nur so gesagt», erklärte Tuna A. den Richtern. Gleiches gelte für einen Satz, der in Bezug auf den mutmaßlich bestechlichen Ex-Torwart des FC Bayern Alzenau gefallen sein soll. Vor der Partie gegen die Stuttgarter Kickers hat der 55-Jährige dem mitangeklagten Stevan R. am Telefon angeblich gesagt: «Wenn ich sehe, dass der einen hält, der reingehen muss, bist du dran.» Stevan R. selbst hatte im Prozess mehrfach erklärt, dass er von den Mitangeklagten unter Druck gesetzt worden sei.

Von Unschuld und Opferrolle des 35-Jährigen scheinen die Bochumer Richter noch nicht überzeugt zu sein. Mit der Verlesung der abgehörten Telefonate haben sie den Druck merklich erhöht. Fakt ist: Der 35-Jährige hatte monatelang engen Kontakt zur Führungsriege der Wettbetrüger und gab sogar vom Spielfeldrand klare Anweisungen für Live-Wetten. Bei einem mutmaßlich manipulierten U 19-Spiel zwischen Bielefeld und Schalke vom 8. November 2009 soll er einem Live-Wetter am Telefon gesagt haben: «Jetzt 300 Euro auf das nächste Tor.» Teilweise soll er die mutmaßlich bestochenen Spieler sogar in der Umkleidekabine angerufen haben.

Den vier Angeklagten wird vorgeworfen, in die Manipulation von 32 Fußballspielen verstrickt gewesen zu sein. Der Prozess wird am 17. März fortgesetzt.