Archivierter Artikel vom 18.09.2010, 12:12 Uhr

«Reife» Freiburger bleiben bescheiden

Frankfurt/Main (dpa). Den erfolgreichsten Saisonstart ihrer Bundesliga-Historie nahmen die Freiburger erstaunlich gelassen zur Kenntnis. So unaufgeregt die Fußball-Profis aus dem Breisgau zuvor auf dem Rasen agiert hatten, so sachlich hakten sie den dritten Sieg in Serie ab.

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Unaufgeregt
Der Jubel von Freiburgs Torwart Oliver Baumann nach dem Tor war noch eine der heftigsten Reaktionen zum Sieg.

Keine Freudentänze, kein überschwänglicher Jubel. «Das war eine sehr reife Leistung von uns. Ich denke, der Sieg war verdient», resümierte Freiburgs Trainer Robin Dutt das 1:0 bei Eintracht Frankfurt zufrieden. Grund, nach neun Zählern aus vier Spielen abzuheben, sah der Coach ebenso wenig wie seine Spieler. «Wir dürfen uns davon nicht blenden lassen. Das sind neun Punkte gegen den Abstieg», sagte Julian Schuster.

Beeindruckend war der Auftritt der Gäste vor 40 600 Zuschauern in der Commerzbank-Arena dennoch. Taktisch gut organisiert, laufstark und ballsicher ließen die Freiburger die ideenlosen Gastgeber nie ins Spiel kommen. Die unkoordinierte und uninspirierte Leistung beim verlorenen Saisonauftakt gegen den FC St. Pauli hat der SC längst hinter sich gelassen. «Die Länderspielpause und der glückliche Sieg in Nürnberg kurz davor haben uns gut getan», meinte Sportdirektor Dirk Dufner.

Dass dem Siegtreffer von Jan Rosenthal in der 89. Minute eine klare Abseitsposition von Maximilian Nicu vorausgegangen war, konnte den ersten Freiburger Sieg in Frankfurt seit 14 Jahren nicht schmälern. «Die Mannschaft hat es taktisch sehr gut umgesetzt», lobte Dutt, der auf ein System mit nur einer Spitze und zwei offensiven Mittelfeldspielern umgestellt hatte. «Das Team ist inzwischen so gefestigt, dass wir sehr variabel auf die einzelnen Gegner reagieren können», meinte Dutt.

Hinzu kommt, dass der SC in Yacine Abdessadki, Anton Putsilo und dem nicht gegen die Eintracht eingesetzten Kisho Yano kurz vor dem Ende der Transferperiode drei Spieler hinzubekommen hat, die das Niveau weiter anheben und den Konkurrenzkampf deutlich erhöhen. «Keiner kann sich mehr sicher sein, dass er am nächsten Samstag wieder spielt», sagte Schuster. Der Freiburger Vormarsch in die obere Tabellenhälfte muss deshalb kein Zufall sein. Selbst in der Sensations-Saison 1994/95 standen die Badener nach vier Spieltagen nicht so gut da – und qualifizierten sich am Ende für den UEFA-Cup.

Katzenjammer herrschte derweil bei der Frankfurter Eintracht. Eine Woche lang hatten sie sich für den 4:0-Erfolg in Gladbach gefeiert und mehr über den nach dem Klitschko-Kampf ramponierten, zum Spiel aber guten Rasen als über den kommenden Gegner diskutiert. Die Folge war ein blutleerer Auftritt, der von den eigenen Fans mit einem gellenden Pfeifkonzert quittiert wurde. «Wir hatten uns natürlich mehr erhofft», meinte Vorstandsboss Heribert Bruchhagen.

Eintracht-Coach Michael Skibbe suchte die Schuld allein beim Schiedsrichtergespann. «Dass das Abseits war, muss der Assistent einfach sehen. Es ist verdammt ärgerlich, dass man im modernen Fußball wegen so einer Entscheidung um einen Punkt gebracht wird», meinte der Frankfurter Trainer zur spielentscheidenden Szene.