Archivierter Artikel vom 14.09.2010, 16:40 Uhr
Berlin

Reaktionen zum Buch von Thomas Köhler

Die Nachrichtenagentur dpa dokumentiert Reaktionen auf das Buch «Zwei Seiten der Medaille» des ehemaligen DDR-Sportfunktionärs Thomas Köhler.

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Olympiasiegerin
Doping ist für Gunda Niemann-Stirnemann kein Thema.

Thomas Bach (Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, IOC- Vizepräsident): «Die Aussagen von Thomas Köhler bringen mehr Klarheit in die Aufarbeitung der Dopinggeschichte. Natürlich war der Staatsplan für flächendeckendes Doping bekannt gewesen, genau wie das Doping auch an Minderjährigen bereits in Prozessen in den 90er Jahren aufgedeckt worden ist. Aber die sportpolitisch Verantwortlichen der früheren DDR haben das immer weitgehend geleugnet. Der DOSB hat bekanntlich die wissenschaftliche Aufarbeitung des Doping in Deutschland – und zwar ausdrücklich in Ost und in West – in Auftrag geben lassen. Weitere Aussagen wie die von Herrn Köhler könnten diese Aufarbeitung fördern.»

Jens Weißflog (dreimaliger Olympiasieger und Weltmeister im Skispringen): «Wenn es Köhlers Meinung ist, dass alle gedopt und es gewusst haben, dann kann ich nur von mir sagen, dass ich davon nichts wusste. Ich habe zu DDR-Zeiten gewonnen und auch nach der Wiedervereinigung – und das immer ohne Doping. Das haben unzählige Tests bewiesen. Köhlers Aussagen hören sich so an, als wolle er sich aus der Mitverantwortung stehlen.»

Ines Geipel (ehemalige Sprinterin und selbst Dopingopfer, sie ließ sich aus den DLV-Rekordlisten streichen, heute Professorin für deutsche Sprache in Berlin): «Ich habe das Buch gelesen – aber eigentlich ist das kein Buch. Es enthält absolut nichts Neues, ist aber komplett verantwortungslos. Vor allem aber ist es eine Lüge und eine Verklärung seiner Verantwortung im DDR-Sport. Wo war Thomas Köhler denn in den 20 Jahren der Aufarbeitung? Es deckelt die Rolle, die er selbst im DDR-Sport innehatte. Aber genau das ist ja seit einiger Zeit die Strategie: Herr Köhler ist verurteilt. Das Sportsystem DDR juristisch aufgearbeitet. Jetzt wird versucht, die Geschichte zu drehen und die Geschädigten immer wieder neu zu diskreditieren. Die Dopingopfer sterben weg, Herr Köhler aber sitzt mit guter Rente in seiner chicen 10 000 Ostmark-Villa und promotet nun mit dieser Lüge sein Buch. Das ist obermies.»

Gunda Niemann-Stirnemann (dreimalige Olympiasiegerin im Eisschnelllauf): «Wenn er denkt, dass alle Sportler über die verabreichten Mittel Bescheid wussten, dann ist das seine Meinung. Für mich ist das keine Thema. Ich habe vor und nach der Wende ohne Doping trainiert und gewonnen.»

Mario Kummer (Olympiasieger 1988 Straßen-Vierer): «Das ist lange her. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass da bei uns etwas gelaufen ist.»

Uwe Trömer (Ex-Radsportler und Dopingopfer): «Herr Köhler gibt einiges zu, er gibt aber nicht genug zu. Ich hätte den Hut vor ihm gezogen, wenn er all die Scheiße, die da gelaufen ist, benannt hätte.»