Archivierter Artikel vom 05.07.2010, 12:58 Uhr

Rauball warnt vor Verselbstständigung der DFB-Elf

Hamburg (dpa). Trotz der Erfolge der DFB-Auswahl bei der Fußball-WM in Südafrika hat Ligapräsident Reinhard Rauball vor einer Verselbstständigung der deutschen Nationalmannschaft gewarnt.

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Mahner
Liga-Präsident Reinhard Rauball warnt vor einer Verselbstständigung der DFB-Elf.

«Wir beobachten dies sehr aufmerksam. Es muss sichergestellt sein, dass Strukturen nicht dazu führen, dass wir drei statt zwei Verbände haben: den DFB, die Liga und die Nationalmannschaft», sagte Rauball in einem Interview des Fachmagazins «kicker». In den vergangenen Jahren hatte es verstärkte Bemühungen von Teammanager Oliver Bierhoff gegeben, die Nationalmannschaft als eigenständiges Gebilde im Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu etablieren. Bierhoff hatte als erster DFB-Teammanager seit 2004 das Produkt Nationalmannschaft auf ein neues Level gehoben. Einige Spitzenfunktionäre des Verbandes warfen dem ehemaligen Nationalspieler jedoch eine zu große Verselbstständigung des A-Teams vor.

Als Bierhoff Anfang diesen Jahres für die komplette sportliche Leitung des Nationalteams einschließlich Bundestrainer Löw mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) über eine Vertragsverlängerung verhandelt hatte, war es zum großen Knall gekommen. Die Gespräche waren nach Indiskretionen, gegenseitigen Vorwürfen und angeblich zu hohen Gehaltsforderungen der Löw-Seite geplatzt. Während der DFB den Bundestrainer unbedingt halten will, deuten bei Bierhoff alle Zeichen darauf hin, dass sein Vertrag nach der WM nicht verlängert wird.

Rauball wollte sich zu einer möglichen Trennung nicht äußern. «Da greife ich nicht vor», sagte das DFB-Präsidiumsmitglied. Seine Meinung werde er nur in diesem Gremium äußern. Eine deutliche Position vertritt er öffentlich dagegen im Kompetenzstreit zwischen Löw und Sportdirektor Matthias Sammer um die Hoheit über die U 21- Auswahl. «Ich habe die ganz klare Auffassung, dass die jetzige Situation untragbar ist und eine ganz klare Trennung erfolgen muss», forderte Rauball.

Er begründete dies damit, «dass in der A-Nationalmannschaft von Joachim Löw und seinen Kollegen immer gesehen werden muss, was sich bei der U 21 entwickelt.» Dies sei jedoch nicht im nötigen Umfang möglich, weil die U 21 immer einen Tag vor der DFB-Auswahl ihre Spiele bestreitet. «Ich glaube, dass diese Thematik neu gelöst werden muss», sagte Rauball. Der im DFB für den Nachwuchsbereich zuständige Sammer, der einst bei Borussia Dortmund unter Präsident Rauball als Spieler und Trainer aktiv war, reklamiert für sich seit geraumer Zeit auch die Richtlinienkompetenz für die U 21.

Kein Problem hat Rauball mit der Kostenexplosion beim DFB seit 2004. «Egal, wie viel Geld ausgegeben wurde – dadurch, dass das Geld auf der anderen Seite wieder eingenommen wurde, ist ein wirtschaftlicher Überschuss erzielt worden», verteidigte er die gestiegenen Ausgaben vor allem im Personalbereich. Zumal dies zu einem Erfolg geführt habe. «Dritter bei der WM 2006, Zweiter bei der EM 2008 – das ist kein schlechtes Ergebnis und rechtfertigt die eine oder andere zusätzliche Personalie», erklärte Rauball.