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Koblenz

Rainhard Fendrich im Interview: Vom Party- zum politischen Liedermacher

Er ist ein österreichischer Liedermacher und Schauspieler. Der Wiener Rainhard Fendrich zählt zu den erfolgreichsten Vertretern des Austropop und hat dieses Genre einst entscheidend mitgeprägt. Der 59-Jährige kommt am 15. Oktober, 20 Uhr, in den Kuppelsaal auf die Festung Ehrenbreitstein zum Unplugged-Konzert. Im Interview äußert er sich über sein Künstlerdasein und zu politischen Themen.

Hits wie „Macho Macho“ haben Rainhard Fendrich bekannt gemacht. Heute ist er besonnener. Foto: dpa
Hits wie „Macho Macho“ haben Rainhard Fendrich bekannt gemacht. Heute ist er besonnener.
Foto: dpa

Ihr aktuelles Album heißt "Besser wird's nicht". Steckt da ein Stück Pessimismus drin?

Ich reflektiere immer nur das, was um mich herum passiert. Das ist die Lebensaufgabe als Künstler. Wir leben im Gegensatz zu anderen Menschen wie in Afrika, in der Urkranie oder Syrien noch sehr gut, obwohl es auch bei uns in Mitteleuropa Leuten schlecht geht. Ich möchte nicht zu viel nörgeln. Aber es wäre notwendig, und diese Kritik richtet sich auch an mich selbst, dass es eine neue Bescheidenheit geben müsste. Ich habe die Wahrheit nicht gepachtet, aber ich interessiere mich vielleicht ein bisschen mehr als der Normalbürger dafür. Die Themen der Platte reichen von Werbung über häusliche Gewalt bis zu vielen Formen der Freiheit. Durchaus auch unangenehme Themen. Meine Lieder sind erwachsener geworden. Ich habe eine Zukunftsperspektive, die ich meinen Kindern gern schaffen will, nämlich angstfrei zu leben.

In den 1980er-Jahren waren Sie eher als Partygänger und mit Falco und Co. unterwegs. Hits wie "Macho Macho" haben Sie bekannt gemacht. Heute sind Sie wohl ruhiger, ein abgeklärter Liedermacher und trotz Mallorca-Zweitwohnsitz alles andere als ein Inselkönig wie Jürgen Drews?

Ich habe mich geändert, bin besonnener geworden. Dafür bin ich sehr dankbar. Und Mallorca ist eine wunderbare Insel, besitzt eine fantastische Landschaft. Auf dem Ballermann, nur ein winziger Teil der Insel, bin ich nie gewesen. Jürgen Drews ist ein angenehmer Mensch, seine Art, Musik zu machen, ist jedoch nicht mein Ding.

Herr Fendrich, Sie sind ein politisch interessierter Mensch. Welche Entwicklung beunruhigt Sie aktuell am meisten?

Die Entpolitisierung der Gesellschaft. Resignation, Wegschauen und Beschwichtigung mit (seichter) Unterhaltung ist der falsche Weg, mit Problemen umzugehen. Und wo soll das noch hinführen mit dem ständig postulierten Wachstum? Zudem bekommen wir fast nur noch gefilterte Nachrichten und Berichte in den Medien geboten. So schlimm die Entwicklung in vielen Teilen der Welt ist, die Zeit ist gut für Liedermacher, auch die Finger in die Wunden falscher Entscheidungen zu legen. Aber wohin geht die Kultur? Radiotaugliches, mit Werbung kompatible Musik läuft auch in öffentlich-rechtlichen Programmen, die doch einen Bildungsauftrag haben! In meinen Konzerten, in denen drei Generationen vertreten sind und die großen Zulauf haben, singe ich meine Lieder mit kritischen Texten. Das schätzt das Publikum.

Ihr karitatives Engagement umfasst nicht nur Spenden für Menschen zu sammeln, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Da steckt doch mehr dahinter – eine Botschaft?

Ich unterstütze seit Jahren ein Obdachlosenprojekt in Wien. In drei leer stehenden Gebäuden entstanden 15 Wohnungen für Menschen ohne Bleibe. Dafür spiele ich auf Benefizkonzerten. Mit der Zeit bin ich sehr kritisch geworden, wo ich helfend mitwirke. Es kann nicht sein, dass bei Geldern für den guten Zweck 60 Prozent für vermeintliche Verwaltungsarbeiten abgezogen werden. Das prüfe ich ganz genau. Beim Projekt der Münchner plastischen Chirurgin Prof. Marita Eisenmann-Klein weiß ich, dass bei "Women for women" das Geld nicht in dunkle Kanäle fließt. Sie hilft zum Beispiel Frauen in Indien, die mit Benzin übergossen und angezündet wurden oder Säure ins Gesicht geschüttet bekamen, weil sie zu wenig Mitgift in die neue Familie mitbrachten. Für 250 Euro ist eine Operation machbar, die den Opfern ein einigermaßen vernünftiges Aussehen ermöglicht. Ich will auch erreichen, dass die Leute darüber nachdenken, wie viel Elend es in der Welt gibt. Wem es besser oder gar sehr gut geht, der sollte auch eine gewisse soziale Verantwortung übernehmen.

Haben Sie noch Träume, Sehnsüchte?

Alt werden in Würde, körperlich wie geistig so fit zu sein wie Udo Jürgens mit seinen 80 Jahren, der wie ein 50-Jähriger auf der Bühne wirkt. Die Zeit, ein kostbares Gut, richtig nutzen, sich nicht getrieben fühlen, sondern selbst das Tempo bestimmen, so will ich auch künftig leben und mehr Zeit für mich haben. Und keine Monsterkonzerte geben und dafür lieber in Klubs spielen. Eine überschaubare Unruhe an den Tag legen, das schließt Entdeckungstouren mit ein. Ich möchte gern Südamerika bis nach Feuerland bereisen.

Gibt es auch musikalische Pläne?

Im Januar soll die neue Platte mit dem Titel "Auf den zweiten Blick" fertig sein. 14 neu arrangierte Lieder, die auf meinen Platten neben den Hits eher ein Schattendasein geführt haben. Das bedeutet für mich rein in meine Vergangenheit, und die Stücke mit meinen heutigen Vorstellungen überarbeiten.

Das Interview führte Michael Schaust

Karten für das Konzert am 15. Oktober kosten je nach Platzkategorie 44,40 oder 36,70 Euro im Vorverkauf und 45 beziehungsweise 38 Euro an der Abendkasse. Die Tickets sind im Internet unter www.cafehahn.de erhältlich.

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