RAG-Chef Tönjes setzt jetzt auf erneuerbare Energien

Bergmänner in der Waschkaue, dem Umkleideraum der Grube Nordschacht in Saarwellingen: Ein Bild, das es bald nicht mehr geben wird. 
Foto: dpa
Bergmänner in der Waschkaue, dem Umkleideraum der Grube Nordschacht in Saarwellingen: Ein Bild, das es bald nicht mehr geben wird. Foto: dpa

Herne/Saarbrücken – 250 Jahre Bergbautradition gehen zu Ende – die RAG will an der Saar aber neue Arbeitsplätze schaffen, etwa mit erneuerbaren Energien. das betont der Chef des Bergbaukonzerns, Bernd Tönjes, im Interview.

Lesezeit: 2 Minuten
Anzeige

Herne/Saarbrücken – 250 Jahre Bergbautradition gehen zu Ende – die RAG will an der Saar aber neue Arbeitsplätze schaffen, etwa mit erneuerbaren Energien. das betont der Chef des Bergbaukonzerns, Bernd Tönjes, im Interview:

Mit welchen Gefühlen verfolgen Sie am 30. Juni die letzte Schicht am Bergwerk Saar?

Mit schmerzlichen Gefühlen. Ich bin selbst seit mehr als 30 Jahren Bergmann wie mein Vater und meine Großväter. Eine solche Entscheidung tut weh. Aber die Politik hat sie 2007 getroffen. Bergbau ohne Subventionen ist angesichts der Fördertiefen in Deutschland nun mal nicht möglich.

Wie geht es für die Beschäftigten weiter?

Zunächst schließen sie kein Bergwerk von heute auf morgen. Auch ohne Kohleförderung wird im Bergwerk Saar mit stark verringertem Personal noch mehr als ein Jahr lang gearbeitet – etwa für die Sicherung der Grube. Die Beschäftigtenzahl von jetzt noch rund 1200 wurde natürlich schon langfristig runtergefahren: 249 Bergleute wechselten 2011 nach Ibbenbüren, 538 werden es dieses Jahr sein. Andere gehen in den Vorruhestand. Es bleibt bei dem Satz: Niemand fällt ins Bergfreie.

Und die Region? Die RAG ist ja nicht nur Arbeitgeber, sondern auch großer Immobilienbesitzer?

Das stimmt. Die RAG besitzt allein im Saarland rund 2500 Hektar Grund und Boden. Die Immobilien müssen erhalten und entwickelt werden. Das übernimmt unsere Tochter RAG Montan Immobilien. Wir lassen den Standort nicht im Stich. Auf mehr als 300 Hektar wollen wir Fotovoltaik-Anlagen bauen – je zur Hälfte in diesem und dem nächsten Jahr. Das ergibt dann immerhin 180 Megawatt Potenzial. An der Saar haben wir im Schnitt mehr Sonnenschein als im Ruhrgebiet.

Ist eine „grüne RAG“ ein realistisches Szenario?

Unsere Halden sind 100 Meter hoch. Da oben weht es kräftig, und den Höhenunterschied können sie für Pumpspeicherkraftwerke nutzen. Richtig interessant würde es mit einem Pumpspeicherkraftwerk unter Tage, das 1000 Meter Schachttiefe nutzt. Damit könnten wir einen spürbaren Beitrag zur Energiewende leisten, denn vor allem fehlt es ja an allen Ecken an leistungsfähigen Stromspeichern.

Würde das erste Pumpspeicherkraftwerk an die Saar kommen? Hier endet der Bergbau ja schließlich eher als an der Ruhr?

Das lässt sich jetzt noch nicht verlässlich vorhersagen. Aber wir wollen innerhalb von drei Jahren die Entwicklung abschließen. Wir prüfen auch die Nutzung von Grubenwasserwärme und Geothermie.

Die RAG soll auch nach dem Kohleausstieg 2018 weiterexistieren. Wie groß sehen Sie das Unternehmen?

Für Wasserhaltung und Grubensicherung brauchen wir Personal. Wir müssen unsere Immobilien unterhalten, entwickeln und vermarkten. Und dazu kommen die erneuerbaren Energien. Etwas mehr als 1000 Beschäftigte wird die RAG auch nach 2018 haben.

Das Interview führte Rolf Schraa