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Radeln auf den Spuren der «Rübenbahn»

Fürstenwalde (dpa) ­ Der Oderbruchbahnradweg ist mit mehr als 100 Kilometern deutschlandweit einer der längsten Radstrecken entlang einer stillgelegten Bahntrasse und gilt noch als Geheimtipp.

Alte Bahnlinie als Radfahrerstrecke
Wie hier in Hasenfelde zeugen noch alte Bahnhofsgebäude von der Oderbruchbahn. Heute ist die alte Bahnstrecke für Radfahrer ausgebaut. (Bild: ZB-FunkregioOst)

Sie verband den «Gemüsegartens Berlins» mit der Hauptstadt. Vor 100 Jahren begann der Bau der rund 120 Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Fürstenwalde (Oder-Spree), Seelow, Groß Neuendorf und Wriezen (Märkisch-Oderland). Bereits 1911 brachten die ersten Güterwagen Rüben in die Zuckerfabriken des Oderbruchs, später auch Getreide, Milch oder Kartoffeln nach Berlin.

Von 1964 an wurde die Bahnstrecke ­ vor allem wegen der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Straße und Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg – nach und nach stillgelegt. Schotter und Schienen sind fast vollständig verschwunden. Doch einige Relikte lassen sich auf dem 2008 eröffneten Oderbruchbahnradweg erkunden. Mit mehr als 100 Kilometern ist er einer der längsten Radwege entlang ehemaliger Bahntrassen in Deutschland.

Mitten durch die Bruchlandschaft mit ihren Fachwerkdörfern, riesigen Feldern und prächtigen Obstbaumalleen führt die weitgehend asphaltierte Strecke. «Etwa 14,5 Kilometer verlaufen direkt auf der alten Bahntrasse», erklärt der Experte in Sachen Bahntrassenradwege, Achim Bartoschek. Die restliche Strecke orientiere sich am ehemaligen Schienenverlauf. Der Leverkusener Informatiker und begeisterte Radler hat auf der Internetseite «bahntrassenradeln.de» allein für Deutschland rund 500 Radwege entlang ehemaliger Bahnstrecken samt geografischer und Details aufgelistet und einen Großteil selbst abgefahren.

Der Abschnitt oberhalb des Mühlensees bei Lietzen (Märkisch- Oderland) sei landschaftlich besonders reizvoll, sagt Bartoschek. Dort verlaufe die Strecke auch auf dem alten Bahndamm. Hier und da zeugen auch noch Schwellen von der Geschichte. Erhalten ist zudem ein Dutzend der einst 43 Bahnhofsgebäude, etwa in Hasenfelde, Seelow oder Wriezen. «Zu den wichtigsten Resten der Bahn gehören die Gleisanlagen zwischen Dolgelin und Sachsendorf», erklärt der Buchautor Horst Regling («Die Oderbruchbahn»). Sehenswert sei auch ein im Original nachgebauter Personenwaggon, der allerdings im Eisenbahnmuseum in Basdorf (Barnim) stehe.

Der im Oderbruch aufgewachsene Eisenbahningenieur schreibt derzeit einen Reiseführer zum Radweg. «Ich bekomme viele Anfragen von Leuten, die wissen wollen, was noch von der Oderbruchbahn übrig ist», sagt Regling. «Der Radweg macht die alte Bahnstrecke wieder bekannt», freut er sich. 2009 wurde der Radweg vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) wegen der Infrastruktur und Beschaffenheit als «Qualitätsradweg» ausgezeichnet. Er erhielt vier von fünf möglichen Sternen. Laut der TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH liegen noch keine verlässlichen Zahlen zur Nutzung vor. Noch sei der Weg aber ein Geheimtipp, sagt Mitarbeiterin Regina Zibell.

Bei vielen Wegen wüssten die Radfahrer gar nicht, dass es sich um ehemalige Bahnstrecken handelt, erklärt Radler Bartoschek. «Auch die Fläming-Skate-Strecke verläuft teilweise auf einer alten Kleinbahnstrecke.» Außerdem könne in Brandenburg unter anderem auf den ehemaligen Bahnstrecke Forst-Guben (Spree-Neiße) und Welzow- Geierswalde in der Lausitz geradelt werden. Faszinierend an den Bahntrassenradwegen sei die alte Infrastruktur. Vor allem im bergigen Süddeutschland führen die Wege laut Bartoschek auch schon mal durch Tunnel oder Viadukte. Die Strecken seien zudem für Einsteiger gut geeignet: «Die Bahnen haben nur Steigungen von etwa drei Prozent geschafft. Das können auch ungeübte Radfahrer.»

Bahntrassenradeln

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