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    Kiel

    Prozess gegen Schwimm-Coach – Urteilsverkündung offen

    Nach mehrstündiger Befragung des mutmaßlichen Opfers ist am Dienstag der Prozess gegen einen Schwimm-Trainer aus dem deutschen Olympia-Team vertagt worden. Dem Mann wird jahrelanger sexueller Missbrauch einer Schutzbefohlenen vorgeworfen.

    Prozess
    Der Schwimmtrainer hat im Kieler Amtsgericht auf der Anklagebank Platz genommen.
    Foto: Carsten Rehder - DPA

    Er soll das Betreuungsverhältnis zu einer jungen Schwimmerin ausgenutzt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm 18 Fälle vor. Das Kieler Amtsgericht will am Donnerstag zwei weitere Zeuginnen hören. Ob dann auch schon ein Urteil verkündet wird, blieb zunächst offen.

    Zum Prozessauftakt konnte der Trainer den Kameras nicht entkommen: Minutenlang klickten die Fotoapparate, als der Angeklagte im Verhandlungssaal Platz nahm. Er musste auch hinnehmen, dass Details der Anklage vor Publikum verlesen wurden. Auf Antrag von Verteidigung und Nebenklage wurde die Öffentlichkeit dann bis zur Urteilsverkündung ausgeschlossen.

    Staatsanwältin Veronika Stoltz-Uhlig schilderte die Übergriffe aus den Jahren 2004 bis 2006 des deutlich älteren Mannes an der jungen Schwimmerin und führte auch intimste Details auf. Dabei schüttelte der Angeklagte kaum merklich den Kopf. Im Verfahren äußerte er sich bisher nicht. Sein Verteidiger hatte schon vor Prozessbeginn die Vorwürfe zurückgewiesen. Nach der Vernehmung des mutmaßlichen Opfers sagte er: «Dabei bleibt es.»

    Bei einem gemeinsamen Urlaub auf Kreta soll es 2004 zum ersten Mal zu einem sexuellen Übergriff gekommen sein. Später passierten die Übergriffe laut Anklage auch in der damaligen Wohnung des Trainers, im Wald und auch in einem gemeinsamen Hotelzimmer bei Schwimm-Meisterschaften 2005 in Berlin.

    Der Mann trainierte die Athletin seit 2000 und zu diesem Zeitpunkt neunmal pro Woche. Er bestimmte laut Anklage maßgeblich das Leben der jungen Frau, auch das Essen. «Er reglementierte auch außerhalb des Trainings ihr Verhalten», sagte Stoltz-Uhlig. Die Eltern vertrauten ihm.

    2009 stellte die junge Frau Strafanzeige. Sie ist in dem Verfahren auch Nebenklägerin. Dass erst September 2011 Anklage erhoben wurde, führt die Staatsanwaltschaft auf die Verteidigung zurück, die mehrfach um Fristverlängerung gebeten habe. Anklage und Prozesstermin soll der Trainer dem Deutschen Schwimmverband verschwiegen haben. Er hätte sonst nicht zu den Olympischen Spielen nach London mitfahren dürfen, hatte der Verband bereits klargestellt. Der Verband will über personelle Konsequenzen nach Ende des Prozesses beraten.

    Juristisch drohen dem Trainer bei einem Schuldspruch vom Amtsgericht maximal vier Jahre Haft. Um die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten und der jungen Frau zu schützen, hatte die Vorsitzende des Schöffengerichts, Juliane Schroeter, die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Dies hatten Verteidigung und Nebenklage beantragt. Anklage und Urteil sollten aber öffentlich verkündet werden. Verteidiger Kai Dupre meinte: «Selbst bei einem Freispruch ist die berufliche Zukunft meines Mandanten ruiniert.»

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