Archivierter Artikel vom 02.06.2011, 10:42 Uhr

Pressestimmen zur Wahl von Joseph Blatter

Berlin (dpa). Die Nachrichtenagentur dpa dokumentiert internationale Pressestimmen zur Wiederwahl von Joseph Blatter als Präsident des Weltfußballverbandes FIFA.

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Führungspersönlichkeit
Joseph Blatter dankt nach seiner Wahl dem FIFA-Kongress.
Foto: DPA

SPANIEN: «El País»: «Blatter erringt einen Kantersieg über England und bekommt 92 Prozent der Stimmen.»

«El Mundo»: «Viel Lärm und viele Stimmen für Blatter: Der Schweizer weicht den Korruptionsvorwürfen aus und wird mit haushoher Mehrheit wiedergewählt.»

«Marca»: «Blatter hat sich durchgesetzt und wird das größte Imperium des Sports weitere vier Jahre regieren. England erlebt mit dem Versuch, die Wahl aufzuschieben, einen glatten Reinfall.»

«As»: «Blatter bleibt im Amt, aber irgendetwas riecht faulig bei der FIFA.»

«Sport»: «Zum Lachen: Blatter gewinnt eine Wahl, bei der es keinen Gegenkandidaten gibt und die einer Pantomime gleicht.»

ITALIEN: «La Gazzetta dello Sport»: «Fußball ist mittlerweile ein Sport mit elf Spielern und am Ende gewinnt immer Blatter.»

DÄNEMARK: «Jyllands-Posten»: «Man stecke in keiner Krise, hat der wiedergewählte mächtige FIFA-Präsident Sepp Blatter erklärt. Das erinnert an den berühmten irakischen Informationsminister, als er versicherte, die Amerikaner seien nicht in Bagdad. Die FIFA steckt seit langem in der Krise und wird es auch bleiben. (...) Dass Blatter mit seiner Beschönigung der absurden Zustände in der FIFA durchkommt, liegt daran, dass man dieselbe Geschichte schon so oft gehört hat. (...) Wie lange noch wollen sich große Fußballnationen wie England und Deutschland nach Demütigungen bei der Zuteilung von großen Turnieren damit abfinden, dass sie etwa so viel Einfluss haben wie Benin und Cook Island?»

TSCHECHIEN: «Hospodarske Noviny»: «Die Gegenstimmen der 17 glorreichen Männer können eine Welle auslösen, die früher oder später das von Blatter kontrollierte und perfektionierte System, das den Weltfußball vernichtet, zum Einsturz bringt. Neben Deutschland haben die Gegner auch schon die großen Sponsoren wie Adidas, Visa oder Emirates auf ihrer Seite. Diese global tätigen Firmen spüren, dass sie ihre Namen nicht mit einer himmelschreienden Schande verbinden sollten. Die Zeit läuft ab: Weitere vier ganze Jahre unter Präsident Blatter – auch wenn es die letzten sind – darf sich der Fußball nicht leisten.»

FRANKREICH: «Le Parisien»: «FIFA-Wahlen: Blatter wie geplant!»

«Le Figaro»: «Blatter in einem schädlichen Klima als FIFA-Präsident wiedergewählt.»

SCHWEIZ: «20minuten»: «Ganz einfach der mächtigste Schweizer. FIFA-Präsident Sepp Blatter beherrscht die Machtpolitik wie kein anderer und ist deshalb der Machiavelli des 21. Jahrhunderts.»

«Blick»: «Kann Blatter das sinkende Schiff retten? (...) Der König ist tot, so schien es. Es lebe der König, so ist es! Fast schon nach alter Politbüro-Schule ist Sepp Blatter in seinem Amt bestätigt worden. (...) Blatter ist immer für eine Überraschung gut. Er will 2015 unter allen Umständen nicht als Präsident mit diesem katastrophalen Negativ-Image abtreten. Die aktuelle Ausgangslage spielt ihm in die Hand.»

TÜRKEI: «Sabah»: Befleckter Präsident Blatter. Nachdem der Korruptionsskandal die FIFA erschüttert und bin Hammam sich zurückgezogen hat, wurde Sepp Blatter für eine vierte Amtszeit gewählt. Er war der einzige Kandidat und versprach Reformen.»

PORTUGAL: «Público»: «Die Wiederwahl des Schweizers Joseph Blatter für eine weitere vierjährige Amtszeit hat die Erwartungen der schärfsten Kritiker nicht erfüllt. Blatter schlägt jetzt Veränderungen vor, um die Proteste zu besänftigen. Aber das Problem wird nicht mit einer oder zwei Neuerungen zu lösen sein. Das Übel der FIFA liegt an den Einflussnetzen, die Blatter seit dem Beginn seiner Arbeit im Jahre 1975 gespannt hat und die weiterhin die Vetternwirtschaft und das Fehlen von Transparenz nähren.»

RUSSLAND: «Kommersant»: «Sepp Blatter spielt den Demokraten. Um bei der Wahl zum FIFA-Präsidenten zu gewinnen, versprach er Reformen.»

POLEN: «Rzeczpospolita»: «Blatter siegt durch Knockout. Er wurde zum vierten Mal zum FIFA-Chef gewählt. Die Zahl seiner Kritiker wächst aber.»

ENGLAND: «The Sun»: «Ein solches Ergebnis würde man in einer Ein-Kandidat-Wahl in einem kommunistischen Staat oder einer Bananenrepublik erwarten (...) Sepp Blatter sah gestern aus und klang wie ein irrer Despot. Und der aberwitzige Wahlzettel mit nur seinem Namen darauf sagte alles, was man über die FIFA wissen muss – sein hoffnungslos verlorener Machtbereich.»

«The Times»: «Die FIFA muss reformiert werden, und ihr Präsident muss unter Kontrolle gebracht werden. (...) Die FA braucht ihre neu gefundenen Verbündeten jetzt mehr denn je. Wer auch immer diese sein mögen, (...) sie müssen eine Reform aus dem Inneren heraus versuchen. Das bedeutet, dass sie ihren Weg in die Komitees erkämpfen, ihre Aufräum-Agenda durchbringen und FIFA's schlechte, alte Gewohnheiten überwinden müssen.»

«The Daily Mail»: «Das ekelhafteste Ergebnis von allen. Blatter war der einzige Kandidat in einer lachhaften Wahl.»

ARGENTINIEN: «Olé»: «Joseph Blatter wird eine ganze Reihe von Reformen in Angriff nehmen müssen. Aber vorerst entreißt ihm niemand seinen Posten.»

«Clarin»: «Joseph Blatter hat das rettende Ufer erreicht, nachdem er durch stürmische See musste. Aber auch die unmittelbare Zukunft sieht kompliziert aus. Die europäischen Clubs haben drastische Änderungen gefordert. Der Verdacht, bei der Vergabe der beiden nächsten Weltmeisterschaften könnte geschmiert worden sein, unterminiert die Macht und die Glaubwürdigkeit Blatters.»

«La Nacion: «Blatter wird der FIFA noch lange erhalten bleiben. Wie schon 2007 wurde er ohne Opposition im Amt bestätigt.»

BRASILIEN: «Lance!»: «Großbritannien, das wegen der Schmiergeld-Skandale der vergangenen Monate die Verschiebung der Wahl gefordert hatte, wurde gleich zweimal besiegt. Am Morgen verlor es die Abstimmung über den Vorschlag auf Verschiebung mit 172 zu 17 Stimmen. Am Abend erhielt Blatter mehrheitlich Unterstützung für seine Wiederwahl. Eine klare Botschaft des Kongresses gegen die kritische Haltung der Briten gegenüber dem Exekutivkomitee und der FIFA-Präsidentschaft. Die Engländer waren praktisch alleine.»

«O Estado de São Paulo»: «In den 13 Jahren FIFA-Präsidentschaft ist Blatter dazu gekommen, Verben nur in Befehlsform zu verwenden. Er hat es sich abgewöhnt zu fragen. Er befiehlt nur noch. Und mit sehr seltenen Ausnahmen behandelte – und behandelt – er selbst Staatschefs mit Anmaßung. Hier in Brasilien konnten wir diese Facette sehr gut wahrnehmen.»