Archivierter Artikel vom 28.11.2011, 13:25 Uhr

Presse wittert «Phantom-Problem» bei Vettel

Sao Paulo (dpa). Der Getriebeschaden an Sebastian Vettels Red Bull beim Formel-1-Saisonfinale hat die Verschwörungstheoretiker auf den Plan gerufen.

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Champus-Party
Sieger Mark Webber (r) bekommt seine verdiente Schaumwein-Dusche vom Dritten Jenson Button.
Foto: Antonio Lacerda – DPA

«Die Panne des Weltmeisters sah sehr nach einem Manöver des Red-Bull-Teams zugunsten des Australiers aus, der die ganze Saison klaglos durchgehalten hatte», meinte «Marca». Das spanische Sportblatt schrieb von einem «Phantom-Problem» an Vettels Rennwagen. Stallrivale Mark Webber gewann wegen Vettels Schwierigkeiten den Großen Preis von Brasilien.

«Webber bekommt den Treue-Preis. Seb lässt seinen Teamkollegen passieren», befand die italienische «La Gazzetta dello Sport». Der Heppenheimer hatte seinen seit dem 1. August 2010 sieglosen Teamkollegen in der 30. Runde vorbeigelassen.

«Ich mochte diese Nachricht nicht, aber ich hatte keine andere Wahl», erklärte Vettel, der in der 14. Runde über das Problem informiert worden war. «Entweder du siehst die Zielflagge oder du siehst sie nicht.» Er habe ohne den zweiten Gang fahren müssen, betonte er: «Was angesichts der vielen langsamen Kurven auf dieser Strecke sicher keine Hilfe ist.» Der Weltmeister wies die Spekulation entschieden von sich. Man könne ihm glauben, «wenn ich eine Wahl gehabt hätte, hätte ich auch zur Optionen „Rennen fahren“ tendiert».

Die spanische Presse blieb aber hartnäckig. «Vettels angebliche Probleme mit dem Getriebe glaubt niemand», behauptete «Sport». «Sebastian Vettel zeigt sich 'großzügig'», meinte «El Mundo». Doch selbst der siegreiche Webber widersprach den Vermutungen. «Ich habe euch einige Male zugestimmt in diesem Jahr, diesmal aber nicht», erklärte der Australier nach seinem Sieg in Sao Paulo.

Die internationalen Pressestimmen zum Formel-1-Finale in Brasilien:

ITALIEN:

«La Gazzetta dello Sport»: «Webber bekommt den Treue-Preis. Seb lässt seinen Teamkollegen passieren. Vettel schenkt Webber das WM-Finale. Vettel ist ein Mörder-Pilot, der keinen Fehler mehr macht. Ferrari geht im Finale unter. Nun ist die Qual vorbei.»

«Corriere dello Sport»: «Webber siegt beim Großen Preis von Brasilien, weil Vettel ihm das Rennen schenkt.»

«Tuttosport»: «Webber dominiert in Brasilien.»

«Corriere della Sera»: «Red Bull wechselt an der Spitze: Diesmal war Webber dran.»

«La Repubblica»: «Das Siegerpodest ist Red Bull-Besitz.»

«Il Tempo»: «Die Formel 1-Saison geht mit dem verdienten Sieg der dominierenden Red Bull zu Ende.»

SPANIEN:

«El País»: Von der WM dieses Jahres wird man die unerbittliche Dominanz von Sebastian Vettel und das Fiasko des Lewis Hamilton sowie des Ferrari-Rennstalls in Erinnerung behalten.»

«El Mundo»: «Sebastian Vettel zeigt sich 'großzügig'. Der Deutsche vermeldet verdächtige Probleme mit der Technik und überlässt seinem Teamkameraden Webber den Sieg. Red Bull wollte damit den Australier belohnen, der in dieser Saison bis dahin noch kein Rennen gewonnen hatte.»

«Marca»: «Ein Phantom-Problem im Getriebe des Rennwagens von Sebastian Vettel verhilft Mark Webber zum Sieg. Die Panne des Weltmeisters sah sehr nach einem Manöver des Red-Bull-Teams zugunsten des Australiers aus, der die ganze Saison klaglos durchgehalten hatte.»

«Sport»: «Der Doppelsieg in Brasilien beweist, dass der Red Bull einer der besten Rennwagen in der Geschichte der Formel 1 ist. Die brutale technische Überlegenheit des Rennstalls prägte die Saison vom Anfang bis zum Ende. Vettels angebliche Probleme mit dem Getriebe glaubt niemand.»