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Whistler

«Phelps des Rodelns»: Loch hat Lizenz zum Siegen

dpa

Er hat einfach die Lizenz zum Siegen: Abgebrüht und unbekümmert zauberte Felix Loch vier Bestzeiten in die verrufene Eisrinne im Whistler Sliding Centre und schrieb als jüngster Rodel-Olympiasieger Sportgeschichte.

Überflieger
Felix Loch beim Gespräch im Deutschen Haus in Vancouver.

Selbst der 23 Jahre ältere Georg Hackl war von seinem bayerischen Kronprinzen hin und weg. Die Kufen-Ikone trug wie ein persönlicher Adjutant den roten Schlitten des Youngsters persönlich an die Startrampe. Nach Lochs Glanzfahrten prasselte das Lob nur so auf den 20-Jährigen nieder: «Er ist der Michael Phelps des Rodelns», sagte Kanadas deutscher Trainer Wolfgang Staudinger nicht ganz ohne Übertreibung. Und der geschlagene Italiener Armin Zöggeler meinte nur: «Riesen-Respekt!»

Sieg
Felix Loch beschert dem deutschen Team die erste Goldmedaille.

Händeschütteln, Schulterklopfen und Fragen über Fragen: Selbst beim nicht enden wollenden Gratulationsmarathon am Abend im Kufenstüberl blieb Loch ganz cool. «Das ist nicht anstrengend, das ist einfach nur schön.» Genau diese schier unendliche Gelassenheit ist das Erfolgsgeheimnis des Youngsters. Olympiasieger, zwei WM-Titel – eigentlich hat Loch in jungen Jahren schon alles erreicht, wovon so viele andere Sportler nur träumen können. Doch Lochs Erfolgshunger ist unersättlich. «Ich freue mich schon auf die nächsten Jahre. Es macht einfach nur Spaß. Ein Karriereende gibt es noch nicht.»

Sieger
Felix Loch gewinnt die Goldmedaille im Einsitzer.

Die Konkurrenz wird es nicht gerne gehört haben. Nichts scheint den Berchtesgadener aus der Ruhe zu bringen, auch nicht die Turbulenzen um den Tod des ein Jahr älteren Georgiers Nodar Kumaritaschwili. Im Anschluss an das Training am Morgen nach dem schrecklichen Unfall legte sich Loch einfach ins Bett und machte ein Nickerchen. Nach der «Schlafkur» war er hellwach.

Silber
David Möller jubelt im Ziel über die Silbermedaille.

Mit einem Husarenritt auf seinem riskant eingestellten Schlitten schockte Loch die Konkurrenz und legte den Grundstein für seinen überlegenen Erfolg. Zur Halbzeit nach zwei Läufen gab es ein gemeinsames Abendessen – und in einer langen Nacht eigentlich viel Zeit zum Grübeln. Aber nicht für Loch: «Ich habe geschlafen wie ein Baby.» Und wer vielleicht im deutschen Lager befürchtet hätte, der zweimalige Weltmeister, der erst einen einzigen Weltcup-Sieg zu Buche stehen hat, könnte kurz vor dem Gold nervös werden, kam aus dem Staunen nicht heraus. Mit Bahnrekord absolvierte Loch seinen Finallauf. «Und dann hat die Eins gestanden», beschrieb Loch den Moment der Momente.

Jubel
Felix Loch jubelt im Ziel über die Goldmedaille im Rodeln.

Und dann war nur noch Jubel. Auch bei David Möller. Vier Jahre nach seinem fünften Rang in Turin fuhr der Thüringer mit Silber endlich die ersehnte Medaille ein und vervollständigte den ersten Doppelerfolg der deutschen Rodel-Männer seit 1988. «Natürlich habe ich mit Gold geliebäugelt. Aber wenn man bei Olympia auf dem Podium steht, sollte man nicht über die Farbe der Medaille diskutieren», sagte der 28-Jährige, der nach seiner Zieleinfahrt erst einmal Freundin Caroline ein Küsschen zuwarf. Sein Nachteil gegenüber Loch: «Fünf Kilo zu wenig Gewicht!»

Bester
Felix Loch (oben) wird von seinem Teamkollegen Möller (l) und Zöggeler auf den Schultern getragen.

Rundum glücklich war auch Olympia-Neuling Andi Langenhan als Fünfter: «Ich habe zwei, drei Fehler gemacht. Aber ich bin zufrieden, das war ein schöner Wettkampf.» Routinier Zöggeler fuhr zwar knapp 1,3 Sekunden – eine Rodel-Ewigkeit – an seinem Olympia-Hattrick vorbei, doch der 36 Jahre alte Italiener war dennoch mehr als zufrieden. «Ich bin sehr, sehr glücklich über meine fünfte Olympia- Medaille.» Zugleich begrüßte der Südtiroler nachdrücklich die Entscheidung, das Rennen nach dem schrecklichen Unfall zu verkürzen. «Es war sicherlich berechtigt, die Starthöhe zu versetzen. Es war extrem für alle.»

Bronze
Armin Zöggeler freut sich über Bronze im Eiskanal.

Dass der tragische Tod des jungen Georgiers die Männer doch mehr beschäftigt hatte, als sie zunächst in der Öffentlichkeit preisgeben wollten, zeigte sich nach dem Rennen. «Zum Glück haben wir es nicht live gesehen», gestand Loch. Und Hackl sagte: «Wir haben uns gefreut und waren guter Dinge und haben großartige Spiele erwartet. Und dann geht das hier mit so einem Unglück für den Rodelsport los. Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt!»a

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