Archivierter Artikel vom 20.07.2011, 14:40 Uhr

Pfiffe und Patzer: Neuer und Bayern noch nicht top

Mainz (dpa). Erst gab es für Manuel Neuer unerfreuliche Pfiffe, dann leistete sich der Nationaltorwart einen seltenen Patzer und am Ende stand eine unerwartete Pleite. Der Griff nach dem ersten Titel mit dem FC Bayern München ging für Deutschlands Nummer 1 ins Leere.

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Geschlagen
München-Torwart Manuel Neuer (l) dreht nach dem zweiten Treffer von Hamburgs Heung-Min Son (r) ab.
Foto: DPA

Dennoch hielt sich der Ärger über seine Leistung und das verpasste Finale beim Liga total! Cup in Grenzen, und auch die Anfeindungen am Rande versuchte der Schlussmann, nicht so schwer zu nehmen. «Ich gehe locker damit um und habe das nicht so wahrgenommen. Man muss auch bedenken, dass Fans von Borussia Dortmund da waren», kommentierte Neuer die Pfiffe beim 1:2 im Halbfinale gegen den Hamburger SV.

Ganz kalt lassen ihn die anhaltenden Anfeindungen – auch aus dem Lager der Bayern-Ultras – offenbar aber nicht. Zumindest leitete ausgerechnet der für über 20 Millionen Euro von Pokalsieger Schalke 04 an die Isar gewechselte Neuer die Niederlage mit einem Fehler vor dem 0:1 ein. «Da stehe ich falsch. Ansonsten pflücke ich den Ball sicher runter», redete der Keeper Klartext.

Sein souveräner Umgang mit der ungewohnten Situation des Buhmanns in den deutschen Fußball-Stadien bringt ihm zumindest beim neutralen Publikum und in der eigenen Mannschaft große Anerkennung. «Manuel ist eine Spielerpersönlichkeit. Wie er sich insgesamt bei dem Transfer verhalten hat und dann auch mit den Misstönen umging, war vorbildlich und außergewöhnlich gut für einen jungen Menschen. Er steckt das sehr gut weg; ist sehr ruhig, gelassen und moderat in seinen Äußerungen», lobte Bayern-Coach Jupp Heynckes den 25-Jährigen.

Auswahl-Kollege Bastian Schweinsteiger muss über die Pfiffe gegen Neuer «mittlerweile schmunzeln. Das ist nur noch peinlich und wird sich hoffentlich bald legen. Er ist der weltbeste Torhüter», sagte Schweinsteiger. In der vergangenen Woche hatten Ultra-Fans sogar Benimmregeln für Neuer aufgestellt. Laut «Sport Bild» soll es am 26. Juli bei einem Treffen zwischen den Bayern-Verantwortlichen und Neuer-Berater Thomas Kroth das weitere Vorgehen im Dauer-Zoff um den Keeper besprochen werden.

In Mainz präsentierten sich auch Neuers Vorderleute gegen den HSV noch nicht in Top-Form. Dennoch ließ Heynckes bei der Analyse Milde walten – zumindest öffentlich. «Ich habe in den vergangenen zweieinhalb Wochen mit der Mannschaft sehr hart und intensiv gearbeitet. Bei einigen Spielern fehlte die Frische, die man gegen einen guten HSV gebraucht hätte», sagte der Bayern-Trainer.

Einige Unzulänglichkeiten waren dem routinierten Fußball-Lehrer jedoch nicht entgangen. «Wir wissen um unsere Fehler. Vor allem die einfachen Ballverluste gilt es abzustellen. Wenn alle voll im Saft sind, wird der FC Bayern solche Fehler nicht begehen. Das Spiel hat aber auch gezeigt, dass wir um jeden Sieg hart kämpfen müssen. Das weiß ich, und meine Spieler werden das auch wissen», sagte Heynckes.

Durch den Patzer der Bayern platzte das erhoffte Giganten-Duell mit Borussia Dortmund. Die Jagd auf den Meister haben sich die Münchner für die kommende Saison groß auf ihre Fahnen geschrieben. «Natürlich wollen wir deutscher Meister werden», bekräftigte Heynckes. In der absoluten Favoritenrolle sieht er sein für 44 Millionen Euro verstärktes Star-Ensemble jedoch nicht. «Dortmund ist Meister – und der Meister geht meistens als Favorit in die neue Saison.»