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    Personalentscheidung vor AfD-Parteitag: Petry will nicht

    AfD-Parteitage stecken immer voller Überraschungen. Doch diesmal kommt die Überraschung schon drei Tage vorher. Die Vorsitzende Frauke Petry will ihre Partei nicht als Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf führen.

    Frauke Petry
    Frauke Petry, Bundesvorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD).
    Foto: Bernd von Jutrczenka - dpa

    Berlin/Köln (dpa). Seit Wochen werden in der AfD Pläne geschmiedet, Szenarien entworfen und Personaltableaus diskutiert. Und was tut die Parteivorsitzende? Frauke Petry schweigt, lächelt grimmig und schweigt dann beharrlich weiter.

    Drei Tage vor Beginn des Kölner Bundesparteitages lässt sie dann die Bombe platzen. In einer Videobotschaft auf ihrer Facebook-Seite sagt sie: Ich will nicht Spitzenkandidatin werden, weder alleine noch zusammen mit anderen Mitgliedern des Parteivorstandes.

    Am Ende ist Petry damit aber noch nicht. Vielleicht tritt sie sogar nur einen Schritt zurück, um dann Anlauf zu nehmen für den nächsten Machtkampf - wenn es die AfD in den Bundestag schafft und sich die Frage nach dem Fraktionsvorsitz stellt.

    Petry zieht mit ihrem Verzicht einen vorläufigen Schlussstrich unter eine Debatte, die in der AfD seit Monaten alles überlagert hat. Um sie als alleinige Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl zu verhindern, haben ihre Kritiker einige Anstrengungen unternommen. „Es gibt keine Soloplayer“, sagte diese Woche der niedersächsische Landeschef Paul Hampel. In verschiedenen Parteigremien wurde auf Betreiben von Petrys Rivalen die Empfehlung verabschiedet, die AfD solle mit einem „Spitzenteam“ in den Wahlkampf gehen.

    Dieses Team sollte nach Ansicht von Vorstandsmitglied André Poggenburg zum Beispiel aus Petry, Parteivize Alexander Gauland und noch mindestens drei weiteren Spitzenfunktionären bestehen. Poggenburg gehört zum rechtsnationalen Flügel um den Thüringer Fraktionschef Björn Höcke.

    Doch Petry wollte sich nicht auf ein „Team“ festlegen. Und obwohl sie immer noch als „Gesicht der Partei“ gilt, wurde zuletzt auch über mögliche Teamlösungen ohne sie - etwa mit der Unternehmensberaterin Alice Weidel als jung-dynamischem Petry-Ersatz neben Gauland - spekuliert.

    Kaum hat Petry am Mittwoch ihren Verzicht erklärt, kommt auch prompt eine Pressemitteilung aus Stuttgart: „AfD Baden-Württemberg schickt Alice Weidel ins Rennen für AfD-Spitzenteam.“ Gauland könnte sich damit arrangieren, obwohl ihm Weidels massive Kritik an Höcke zuletzt nicht gefallen hatte. Gauland sagt: „Ich schätze Frau Weidel sehr.“ Deshalb habe er „gar kein Problem“ mit dem Vorschlag aus Stuttgart.

    Das letzte Wort haben aber die Parteitagsdelegierten in Köln. Dass einer von ihnen Petry auffordern wird, ihre Entscheidung zur Spitzenkandidatur doch noch einmal zu überdenken, auch das ist nicht ausgeschlossen. Schließlich drücken nach der Rückzugserklärung gleich mehrere Landeschefs ihr Bedauern aus. Außerdem ist ein AfD-Parteitag immer ein bisschen wie eine Wundertüte: Man weiß nie, was drin steckt, und am Schluss ist immer jemand enttäuscht.

    Petry will in Köln auf jeden Fall versuchen, die Delegierten davon zu überzeugen, dass die AfD als rechtsnationale Bewegungspartei nach den Vorstellungen von Höcke keine Zukunft hat. Sie selbst sieht sich als Speerspitze des „Realo-Flügels“.

    Petrys Gegner haben der Parteivorsitzenden vorgeworfen, sie habe aus reinem Machtkalkül einen Richtungsstreit erfunden, der so gar nicht existiere. Um diesem Vorwurf entgegenzutreten, will sie nun auf die die Spitzenkandidatur verzichten.

    An ihrem umstrittenen „Zukunftsantrag“ hält die Parteichefin aber fest. Sie will den Parteitag beschließen lassen, dass die AfD mittelfristig koalitionsfähig werden und keine „Fundamentalopposition“ betreiben will. Außerdem möchte sie, dass im Grundsatzprogramm ihrer Partei künftig der Satz steht: „Insbesondere ist in der AfD für rassistische, antisemitische, völkische und nationalistische Ideologien kein Platz.“

    Was in Köln auch noch für Streit sorgen könnte, ist das vom Bundesvorstand eingeleitete Parteiausschlussverfahren gegen Höcke. Ein Antrag des Bremer Landesvorstandes sieht vor, es zu stoppen.

    Das Zoff-Potenzial bleibt also auch nach Petrys Verzichtserklärung groß. Was die Streithähne vielleicht zusammenschweißen könnte, sind die vielen tausend Demonstranten, die am Wochenende in Köln gegen die Rechtspopulisten protestieren wollen. Denn das Prinzip „Wagenburg“ hat auch auf früheren AfD-Parteitagen schon gut funktioniert. 

    Gastgeber des Kölner Parteitages ist der nordrhein-westfälische AfD-Landesvorsitzende Marcus Pretzell, den Petry im vergangenen Dezember geheiratet hatte. Von ihm erwartet sie demnächst ein Kind. Der errechnete Geburtstermin sei nach den NRW-Landtagswahlen (14. Mai), sagt Petry. Doch als Mutter von vier Kindern weiß sie, dass Säuglinge sogar noch unberechenbarer sind als AfD-Delegierte.

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